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gen wiſſenſchaftlichen Bildung meine Achtung nicht verſagen konnte, ja daß mein Herz ſich zu ihm hin⸗ gezogen fühlte.
Das machte mich an den Menſchen irre, und wie die Jugend überhaupt raſch in ihren Entſchlüſſen iſt, ſo war ich gleich mit mir im Reinen. Was ſoll ich, ſprach ich zu mir ſelbſt, mit den Wiſſen⸗ ſchaften, da ſie nicht einmal den Menſchen gut zu machen vermögen, ja hier und da ihn ſichtbar nur noch verſchlechtern?— Ich war nahe daran, alle Wiſſenſchaft zu verwünſchen und ein ſolches Le— ben für das hoͤchſte zu nehmen, wie es weiland der berühmte J. J. Rouſſeau der erſtaunten Mitwelt ſo ſchön vorgemalt hatte, das eines Wald men— ſchen, der nur ſeine Körperkraft geübt und gebil⸗ det hat, ſonſt aber auf Alles Verzicht leiſtet, was geſelliger Umgang, Bildung, Künſte und Wiſſen⸗ ſchaften Annehmliches gewähren.
Das war aber wieder ein falſcher Weg, den ich im Begriffe ſtand einzuſchlagen. An jenem Miß⸗ verhältniſſe waren ja, wie ich mich ſpäter überzeugte, die Wiſſenſchaften ſelbſt nicht ſchuld. Hat doch der Menſch von ſeinem Schöpfer einen ſo bildungsfähi⸗ gen Geiſt erhalten; warum ſoll er ihn nicht auch auszubilden ſuchen, wenn er Gelegenheit dazu hat? Darin lag aber der Fehler, daß man jene gelehrten Teufel einſeitig erzogen oder vielmehr verzogen hatte, daß man ihnen den Kopf vollpfropfte und das Herz leer ließ. Und gerade das letzte iſt es, was dem Manne ſeinen Werth gibt.— Das Herz allein? Nicht doch, ſondern ein frommes, gutes Herz, einen geſunden Verſtand und einen kräftigen Willen, alle drei in brüderlichem Vereine, keins vorherrſchend, eins das andere unterſtützend, das iſt es, was die wahre Bildung bewirken ſſoll. Und wenn unſere Lehrer und alle Eltern und Erzieher das fein berückſichtigen, ſo iſt mirs um die heranwachſende Generation nimmer bange. Vergeſſen dürfen ſie aber ja nicht, daß ſie allemal an ſich ſelbſt den Anfang machen, an ſich ſelbſt immer arbeiten muſſen, damit ſie gute Muſter werden; ſonſt helfen ihre Regeln, welche ſie geben, wenig oder nichts. Ja ſie bewirken nicht ſelten gerade das Gegentheil von dem, was ſie beabſichtigten. Sie müſſen ſeyn und nicht ſcheinen.
9 Familienfeſt.
Nachrichten von Familienfeſten gehören als ſol⸗ che in der Regel nicht vor das Publikum. Doch wollen wir ausnahmsweiſe eines ſolchen hier er wähnen; vielleicht daß dieſe oder jene gemüthliche Seele gerade das, was Andern unbedeutend ſcheint und was für die große Welt wirklich von wenig Belang iſt, für ſich auffaßt und bewahrt, oder daß unter den Leſern zufälligerweiſe ſich ein Kuͤnſtler
befindet, dem eine ſolche Familienſcene mehr Werth iſt, als der Anblick einer großen Stadt oder eines vorbei defilirenden Heeres.
Ein ſolcher Leſer nun denke ſich eine in der Mitte einer Kinderſtube ſitzende Mutter mit einem halb⸗ nackten Säugling auf dem Schooſe, der eben ſeine
Blicke nach der Mutter richtet; und da dieſe ſo
recht liebevoll ihn anſchaut, ſo entfaltet ſich auf dem Geſichtchen das erſte Lächeln. Dieſes Lächeln iſt der ſchönſte und herzlichſte Dank, der die Mut⸗ ter aller Sorgen und Leiden vergeſſen läßt, die ſie bis⸗ her gehabt hat; es iſt der erſte Funken, der aus dem inneren, geiſtigen Leben des Kindes ausſprüht, als wollt' er ſagen:„Siehe, ich bin göttlichen Urſprun— ges!“ In dieſem Augenblicke neigt ſich der Vater uber den Säugling hin, und drückt ihm den Kuß der Liebe auf die junge Wange, während die ſechs Brüder und ſechs Schweſtern des Säuglings ſich um ihn herum drängen, und jedes dieſes erſte Lä⸗ cheln ſchauen und mit einem Kuſſe erwiedern will. Die Kleineren drücken ſich neben dem Vater hinein, während die größeren über ihm hin ſich neigen, um dieſes Lächelns auch theilhaftig zu werden. Da wirft die Frühlingsſonne ihren Strahl über die Gruppe nach dem Säuglinge hin; Jedes Augen füllet ſich mit einer Freudenthräne, und der ewige Vater im Himmel, der die Lilien auf dem Felde kleidet und die Herzen der Menſchen kennet, blickt wohl mit Vaterliebe nach dieſer Gruppe, und erkennt in jeder Freudenthräne ein ſtilles Dankgebät. Aber jetzt manum de tabula!
Bekanntmachungen von Behdoͤrden.
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Qeffentliche Ladung.
(609) Ueber das Vermögen des Ortsbürgers Matthäus Barth zu Großkarben hat gr. Hofgericht zu Gießen den Concurs erkannt und das unterzeich⸗ nete Gericht mit deſſen Leitung beauftragt.
Es werden demgemäß alle diejenigen, welche Forderungen irgend einer Art an die Concursmaſſe bilden wollen, aufgefordert, ſolche ſogewiß im Termin
Mittwoch den 31. Juli, Vormittags 8 Uhr, dahier anzuzeigen und zu begründen, als ſie ſonſt damit, ohne daß ein beſonderes Präcluſivdecret er⸗ folgt, ausgeſchloſſen werden.
In dieſem Termin ſoll zugleich die guͤtliche Bei⸗ legung dieſer Sache erſucht werden, weßhalb die Vollmachten etwaiger Mandatare zum Abſchluß eines Vergleichs ermächtigen müſſen.
Großkarben den 4. Juni 1839.
Großherzogl. heſſ. Landgericht Muhl. Schmidt.
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