— 116— das ganze nördliche Ufer des lieblichen See's über-
bediente, konnten wir recht nach Herzens Luſt wieder einmal deutſch ſcherzen und lachen. Freilich ver⸗ ſäumten wir dadurch, den Verfertiger der berühmten freiburger Drathbrücke, den Herrn Ingenieur Chaley, der mit ſeinem Weibe uns gegenüber ſaß, kennen zu lernen. Unter andern Umſtänden würde ich es mir auch zur Ehre angerechnet haben, ſeine Bekannt⸗ ſchaft zu machen. Aber ſo war's doch nicht mög— lich, denn wir hatten ja in weiter Ferne von dem Vaterlande Landsleute und alte Bekannte gefunden, und da gibt's gar Vieles zu ſprechen.
Wir trennten uns, wie man ſich denken kann, ziemlich ſpät, denn wer wollte den Anfang machen zum Aufbruche, da man ja nicht wußte, wann man ſich wieder treffen würde?
Den darauffolgenden Morgen, es war Sonntag den 3. September, ſaßen wir ſchon bei guter Zeit wieder in unſerm Wagen. Heute hofften wir end— lich die Ufer des genfer See's zu ſehen, wovon wir ſchon ſo viel Rühmens gehört hatten und von dem wir nur 6 Stunden entfernt waren. Auf der Straße begegneten uns mancherlei Landleute, die alle den Gottesdienſt in der Stadt beſuchen wollten. Einige Stunden lang fuhren wir aufwärts, ohne daß wir etwas geſehen hätten, was unſere Aufmerk— ſamkeit anf ſich zog. Endlich befanden wir uns auf der Höhe, von welcher aus eine ſchlechte und ſehr jähe Straße abwärts führt nach dem Städtchen Vivis zu(Vevay). Aber je ſchlechter die Straße, deſto lohnender war der Blick in die Ferne. Uns war, als wollte das Herz ſpringen vor Freude, da wir zum erſten Male das helle Grün des großen See's erblickten. Es hat dieſe Farbe von Weitem etwas unendlich Liebliches. Jenſeits des See's er— hoben ſich in dunkelem Blau die ſtolzen ſavoher Alpen und über ſie weg ragten die weißen Berg⸗ Spitzen aus dem Wallis, der dent du Midi und dent du Morcles, hervor, und reinigten ſich eben von Wolken oder hoben ſich vielmehr über die Wol— ken weg. Während die Ferne uns ſo zauberiſch lockte, waren neben uns ganz in der Nähe die lieb— lichſten Thäler, glänzten die Höhen um uns mit ihrem lachenden Grün in friſchem Morgenthau. Dieſer Blick wird mir ewig unvergeßlich ſeyn.
Nachgerade kamen wir dem See näher und bald ſahen wir uns umgeben von einer Maſſe von Weinbergen. Schon jetzt uͤberzeugten wir uns, daß
Zeugniß von einer gewiſſen Humanität.
ſäet iſt von Dörfchen, Landhäuſern und Weinbergen.
Noch kurz vor Vevay wären wir beinahe irre ge— fahren und in einen andern Ort gelangt; zur rech-
ten Zeit wurden wir des Irrthums inne, und wen—⸗ dete um. lichen Städtchen, von deſſen anmuthiger Gegend ich ſchon ſo Vieles gehört, und die mir meine Phanta⸗ ſie oft vorgezaubert hatte. Hierher gehört man aber auch mit einem recht empfänglichen Herzen, damit man des Schönen auch recht viel in ſich aufnehmen kann. Für meinen Kameraden hatte freilich der Ort etwas Wehmuth Erregendes; denn hier war es, wo ſein nun heimgegangener Freund, der wür⸗ dige Bindewald, einſt mehrere Jahre an der Erziehungs-Anſtalt des Herrn von Türk gelebt und gewirkt, und von wo er ihm oft geſchrieben hatte.
Wir fuhren in 9 drei Kronen(hötel des trois couronnes), einem ſtattlichen Gaſthauſe, an, und da es noch eine gute Stunde bis zum Mittag- eſſen dauerte, ſo wollten wir die köſtliche Zeit nicht unbenutzt vorübergehen laſſen, und beſuchten vor allen Dingen die auf einer kleinen Anhöhe liegende St. Martinskirche mit dem Kirchhofe. Schon der alte Thurm mit ſeinen vier ſpitzen Eckthürmchen ſpricht den Beſchauer freundlich an; noch mehr aber
Endlich fanden wir uns in dem freund-
erfreut man ſich in der dabei gelegenen Pro me⸗
nade der wundervollen Ausſicht. Wenn zu Vevay die ſchönſte Ausſicht des See's iſt, ſo iſt dieſes Plätzchen wiederum das Ausgezeichnetſte zu Vevay ſelbſt. Nach und nach wird man mit den einzelnen Gegenſtänden der Ferne bekannter. Vor allem feſſeln am jenſeitigen Ufer die merkwürdigen Felſen von Meillerie das Auge. Dorthin verſetzte der bekannte Schriftſteller Joh. Jacob Rouſſeau den Helden ſeines vielgeleſenen Werkes(la nouvelle Heéloise) den gefühlvollen St. Pierre und ſeine Julie. Noch naͤher fand ich mich nun den ſavoher Alpen, und ſchaute bereits dem Thale hinein, durch wel— ches die Rhone ſtrömt, wenn ſie aus dem kühlen Wallis kommt, um ſich in den grünen Wogen des See's zu baden.
Selbſt das, was man hier von menſchlichen Anordnungen ſieht, ſpricht das Herz an und gibt So fand
ich an der Promenade den Anſchlag:„Die Anla—
tet gen dungen (es Cito,
Nach der Wirthstafeln die Wirthe wanderten! des Sees lernen, teil audern En ſchonen Ufe wir empfo während u wo man deſen nicht
ſchauen. N den, und u den Woge
ſpritzten, behaglich ſpielten. die Jugeng d ſo frü barkeit des Wir i Uns aber denn wir ten deswe Lausann


