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Beitrag zur Geſchichte der Choral Muſik in den altheſſiſchen Landen.
Wir können als bekannt vorausſetzen, daß man ſchon in den früheſten Zeiten des Chriſtenthums ſich des Geſanges als eines Mittels bediente, um bei dem Gottesdienſte die Gemüther der Anweſenden zu erheben. Denn es iſt Bedürfniß des menſchlichen Herzens, ſeinen heiligſten Gefuͤhlen Töne zu verlei⸗ hen. In den aͤlteſten Zeiten wurden dazu die Pſal⸗ men als Text benutzt, ſpäter nach und nach noch andere Hymnen und Geſänge eingeführt, beren Texte und Melodien zum Theil bei großer Einfachheit eben ſo erhaben als rührend ſind. Dazu kam die Ein⸗ führung der Orgel, eines Inſtrumentes, welches für den Gottesdienſt ſo recht geeignet iſt und darum mit Fug ein heiliges Inſtrument genannt werden kann.
Bei Einfuhrung der Reformation blieb man dem
Grundſatze getreu, Geſang und Orgelſpiel als für den Gottesdienſt ganz geeignet, beizubehalten,(nur
Zwingli ſuchte hier und da, beſonders in der
Schweiz, die Orgel zu verdrängen) und änderte da⸗ bei nur, was unumgänglich nöthig ſchien. Luther überſetzte zu dem Ende mehrere der ſchönſten alten Kirchenlieder(z. B. den ambroſianiſchen Lobgeſang) ins Deutſche, und gab ſie in Verbindung mit einigen ſelbſt verfertigten im Drucke heraus. Die erſte Auf— lage dieſes ſeines Geſangbuches kam im Jahr 1524 heraus und enthielt aber nur 8 Lieder mit 5 Me⸗ lodien. In ſpäteren Ausgaben deſſelben erſchienen aber der Lieder, theils eigne, theils fremde und überſetzte, immer mehr. Dazu hatte er ſelbſt, als gründlicher Kenner der Muſik, in Verbindung mit einem ſeiner Freunde auch die Melodien verfertigt.
Dieſe damals herausgegebenen Choräle genügten in den meiſten proteſtantiſchen Kirchen wohl über ein Jahrhundert, wenigſtens in unſern altheſſiſchen Landen. Erſt im Jahr 1687 erſchien ein beſonderes Choralbuch fuͤr dieſelben. Es führt den Titel: „Das groſſe CANTIO NAL. Oder: Kirchen-Ge⸗ ſangbuch, In welchem Nicht allein D. Martin Luthers ſondern auch vieler anderer Gottſeliger Lehrer der Chriſtlichen Kirchen, geiſtreiche Lieder begriffen: Mit ſonderbahrem Fleiß zuſammen⸗ getragen und auf vielfältiges verlangen in Druck gebracht. Darmſtadt Drucks und Verlags Henning Muͤllers, Fürſtl. Buchd. Im Jahr Chriſti 1697.“ Das Werk iſt ſehr ſtark, und enthält ohne das Re— giſter 782 Seiten in Folio. Dedizirt iſt es„der Durchlauchtigſten Fürſtin und Frau, Frau Eliſa— bethen Dorotheen, Landgräffin zu Heſſen“ ꝛc., der Mutter des Landgrafen Ernſt Ludwig. Ju der Vor⸗ rede ſagt der Verleger,„er habe ſeinen Herrn Schwie— gervater Wolffgang Karlnu Brügeln, Hoch- Fürſtl. Capellmeiſter zu Darmſtatt, bittlich erſuchet, ihm hülfreiche Hand zu leiſten, die Melodyen zu
revidiren und zu den noch unbekannten neuen Lie⸗ dern Melodyen zu componiren, inmaſſen dann auch geſchehen. Nachdem aber hin und wieder das Gerüchte erſchollen, daß dieſes Werk unter der Preß, ſeyen ihm von unterſchiedlichen Orten noch viele Lieder eingeſandt worden.“
Das Werk enthält den vollſtändigen Text der Lieder mit den Melodieen im Discant-Schluͤſſel, jedoch ohne die Harmonieen, und mag wohl heut zu Tage ſelten geworden ſeyn.
Zwei und ſechzig Jahre ſpäter erſchien das graup⸗ nerſche Choralbuch, welches folgenden Titel führt: „Neu vermehrtes Darmſtädtiſches Choral-Buch in welchem nicht alleine bishero gewöhnliche ſowohl alt als neue Lieder enthalten, ſondern auch noch beydentheils aus mehrern Geſang-Buͤchern ein Zu— ſatz geſchehen, zum Nutzen und Gebrauch vor Kirchen und Schulen hießiger Hoch-Fürſtl. Landen. Mit ho⸗ her Approbation und vieler Verlangen verfertiget von Chriſtoph Graupnern, Hoch⸗Fürſtl. Heſſen⸗ Darmſtädtiſchen Capell⸗Meiſter. MDCC XIIX.“ Ohne das Regiſter 146 Seiten in Quer⸗Quart. Die Melodieen ſind mit einfacher Harmonie und im C Schluͤſſel.
Bei Erſcheinung eines neuen Geſangbuches im Jahr 1786 erhielt der damalige Cantor und Colla⸗ borator am Gymnaſium zu Darmſtadt, Joh. Gott— lieb Portmann, den Auftrag, ein Choralbuch dazu zu verfertigen. Dieſes erſchien unter dem Titel:„Neues Heſſendarmſtädtiſches Choralbuch mit höchſter landesfürſtl. Genehmigung herausgegeben. Verlegt von der Buchhandlung der Fürſtl. Invaliden⸗ und Soldaten-Waiſenanſtalt.“—„Die Harmonie iſt, laut der Vorrede, nach dem Muſter des Herrn Capellmeiſter Graupners ſo einfach, daß ſie ein An⸗ faͤnger und Liebhaber in kurzer Zeit leicht, obgleich nicht ganz ohne Studium faſſen kann. Freilich muß man vorher eine richtige Kenntniß haben von den Anfangsgründen der Muſik, muſikaliſchen Zeichen, Tönen, Intervallen, Tonarten, Accorden und deren Benennung und Entſtehung“ ꝛc.
Dieſes Choralbuch enthält ohne die Inhaltsan⸗ zeige nur 88 Seiten.
Als im Jahr 1814 ein neues evangeliſches Geſang⸗ buch eingefuhrt wurde, mußte für dasſelbe auch wieder ein neues Choralbuch nöthig werden. Es wurde die— ſes von unſerem würdigen Rinck ausgearbeitet und erſchien unter dem Titel: Neues Choralbuch für das Grossherzogthum Hessen von Christian Heinr. Rinck, Grossh. Hess. Hoſforganist(en) und Cantor eéte. Offenbach a. M. gedr. bey Joh. André. 100 Seiten enthalten die Melodieen; das Uebrige iſt dem Regiſter und der Vorrede ge⸗ widmet. Der Verfaſſer ſagt u. A. in Letzterer: Das in dem Großh. Heſſen eingeführte Portmänuiſche Choralbuch war vergriffen und eine neue Auflage,
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