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Intelligenzblatt
für die
im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
10. Sonnabend, den 9. Maͤrz 1839.
Amtlicher Theil. nne
uͤber die Behandlung und Beerdigung der Todten in ſanitaͤtspolizeilicher Hinſicht im Allgemeinen insbeſondere aber zur Verhuͤtung des zu fruͤhen Beerdigens.
Es iſt eine der höchſten Forderungen der Menſchlichkeit und Menſchenpflicht, Verblichene mit Vorſicht und Schonung zu behandeln, ſo daß im Falle des Scheintods die Möglichkeit der Wiederbelebung nicht durch rohe Behandlung vereitelt, vor Allem aber die Gefahr des Lebendigbegrabens verhütet werde. Denn wahrlich, kein ſchrecklicherer Gedanke kann die Menſchenbruſt durchdringen, als der Gedanke, lebendig begraben zu werden; ſelbſt den Muthigſten muß derſelbe mit Grauen und Schauder erfüllen. Um den Angehörigen des Kreiſes immer mehr Schutz und Beruhigung in dieſer Beziehuag zu gewähren, ſchärfe ich die nachſtehende, von der vormaligen Großh. Regierung zu Gießen am 27. Juli 1819 erlaſſene Verfügung hiermit ein, und begleite dieſelbe zugleich in der Abſicht, erſtens die inmittelſt erfolgten Abänderungen zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, ferner die große Verantwortlichkeit der Herren Geiſtlichen durch verläßige Einrichtungen möglichſt zu mindern, und endlich die Wirkſamkeit der vorliegenden Beſtimmungen durch die geeigneten Strafandrohungen zu ſichern, mit folgenden zuſätzlichen Vorſchriften:
§. 1. In Anſehung israelitiſcher Leichen iſt es, nach höchſter Verfügung, nicht mehr der Juſtiz— beamte, welchem die Anzeige von dem erfolgten Tode gemacht, und von welchem die Exlaubniß zur Beerdigung eingeholt werden muß, ſondern der Gr. Bürgermeiſter.
§. 2. Bei chriſtlichen wie bei israelitiſchen Leichen ſoll die Erlaubniß zur Beerdigung von den Gr Geiſtlichen oder Bürgermeiſtern in der Regel nicht eher ertheilt werden, als bis
1) in Gemeinden, wo ein oder mehrere Aerzte wohnen, ein ärztlicher Todesſchein und
2) in Gemeinden, worin zwar kein Arzt, wohl aber ein geprüfter Wundarzt wohnhaft iſt, ein von die— ſem ausgeſtellter Todesſchein beigebracht worden iſt; ferner
3) in Gemeinden, wo beides nicht der Fall, aber doch ein verpflichteter Todtenbeſchauer vorhanden iſt, von dieſem die Verſicherung über den Eintritt der untruͤglichen Zeichen des Todes gegeben worden ſeyn wird; endlich
40 in Gemeinden, wo weder ein Arzt, Wundarzt, oder angeſtellter Todtenbeſchauer ſich vorfindet, ein, von einem in der Nähe des Sterborts wohnenden, zur Beſichtigung des Verblichenen berufenen,
Arzte, Wundarzte, oder Todtenbeſchauer ausgeſtellter Todesſchein die Gewißheit des erfolgten Todes
beurkundet hat.
§. 3. In allen Fällen, wo, wegen gleich nach dem Tode eintretender und ſchnell überhandnehmen⸗ der Fäulniß, wegen heißer Witterung, anſteckender Beſchaffenheit der Todeskrankheit u. ſ. w., möͤglichſt ſchnelle Beerdigung nothwendig erſcheint, und ein von einem Arzte, Wundarzte, oder Leichenbeſchauer ausgeſtellter Todesſchein, wegen Nichtvorhandenſeyns derſelben in dem Sterbeorte oder den dieſem nahe— liegenden Orten, oder wegen ihrer etwaigen Verhinderung u. dgl. m., nicht ſchnell genug herbeigeſchafft werden kann, iſt der Ortsgeiſtliche oder der Orts⸗Burgermeiſter, entweder


