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Zuſtand; ich konnte lange Zeit den Anfang nicht finden, und als ich endlich zu ſprechen begann, da war kein einziges unter den Kindern, das nur im Geringſten auf mich geachtet hätte. Mehrere der älteren verlachten mich, und die jüngeren ſpielten unter den Tiſchen; drei oder vier der beherzteſten Knaben ſtreckten ſogar die Zunge nach mir heraus, daß ich mich entſetzte und den Vorſatz faßte, hinaus zu eilen und nie mehr ein Schulzimmer zu betreten. Als ich eben im Begriff war den Vorſatz auszufüh⸗ ren, da öffnete ſich die Thür, und herein trat mein ehrwürdiger Seminar-Director; der ſah mich ganz verwundert an und ſagte:„Um Gottes Willen, was wollen Sie beginnen, mein lieber Franz? Se⸗ hen Sie denn nicht, daß Sie alles verkehrt anfangen, und von den Lehrertugenden die allerunentbehrlichſte zu Hauſe gelaſſen haben, nämlich die Beſcheidenheit und Demuth? Wenden Sie um, und wenn Sie die⸗ ſelbe vom Himmel erfleht haben, ſo fangen Sie Ihr Werk von Neuem an.“ Ich begab mich nun auch aus der Schule fort und ging, ſo weit ich nur konnte; je weiter ich aber gekommen war, ei⸗ nen deſto größeren Weg ſah ich vor mir lie— gen. Der Weg war voller Steine und Diſteln, und bei jedem Schritte mußt' ich erſt die Steine bei Seite werfen und die Diſteln ausraufen, daß mir's ganz warm wurde. Nachdem ich mich lange ſo abgemüht hatte, kam ich auf eine Anhöhe, von welcher ich eine freundliche Ausſicht gewahrte. Als ich mich an einen Baum lehnen wollte, um etwas auszuruhen und der ſchönen Ausſicht zu genießen, da— wachte ich auf und ſah, wie die Morgenröthe mein Zimmer erhellte.
Ich kleidete mich nun ſchnell an und oͤffnete mein Fenſter; und wie ich es geöffnet hatte, da kam in ihrer ſtillen Majeſtät die Morgenſonne, und warf mir ihre erſten Strahlen zu, daß mirs in die Seele fuhr, wie ein Blitz, und die Bruſt wurde mir ſo voll, daß ich's nicht mehr ſtehend ertragen konnte, ſondern fiel auf meine Kniee nieder und rief: Du, Vater im Himmel, der du mir die Morgenſtrahlen herüber ſendeſt von jener Feuerkugel, die mein Herz erfüllen mit Wonne, du wirſt mir auch Kraft geben zu meinem neuen Amte; du wirſt mir Stärke ver— leihen und Liebe, daß ich meinen Schulkindern ein ächter Lehrer werde, der ſie dir erzieht, und wirſt mir's an Muth nicht fehlen laſſen, daß ich Alles aus dem Weg zu räumen vermag, was ſioͤrend mir entgegen tritt.“ Nachdem ich ſo mich ausgeſprochen, ſtand ich ganz geſtärkt auf, und konnte kaum den Augenblick erwarten, der mich in meine Schule rief zu meinen Kindern. Als er endlich gekommen war, da trat ich mit fröhlichem Herzen in meine Schul⸗ ſtube und grüßte meine Kinder, und ſie grüßten mich wieder, und ich ſtellte mich in ihre Mitte und betete. Das war aber nicht die Rede, die ich ein—
ſtudirt hatte, ſondern ich ſprach aus der Fulle mei⸗ nes Herzens, und die Kinder falteten dabei alle ihre Hände und ſchauten mit Andacht gen Himmel, und dann blickten ſie mich ganz freundlich und zutrau⸗ lich an, daß ich mich zu ihnen wandte und ſagte: Ich will Euer Lehrer ſeyn und will Euch lieben, wie Eure Eltern Euch lieb haben, und will Euch zu frommen und tüchtigen Menſchen zu bilden ſuchen.
Von der Zeit an war mir die Schulzeit die liebſte Zeit und die Schule der liebſte Aufenthalts⸗ ort, und der Unterricht die angenehmſte Beſchäfti⸗ gung. Der Herr Pfarrer und die Gemeinde waren mir nicht entgegen, ſondern unterſtützten mich, wo ſie konnten, ſo daß ich keinen Mangel litt, und ich ſegnete die Stunde, da ich den Vorſatz faßte, mich dem Lehrerſtande zu widmen. Ich laſſe jedem andern Stande ſein Gutes; lebe aber des Glaubens, daß in keinem an⸗ dern ſo viel edler Saame geſäet und auch wieder geärn⸗ tet wird, wie im Lehrerſtande, nämlich der Saame der Liebe, und dieſe Liebe macht reich und glücklich.
Aus Niederrosbach.
Am 8. Januar beſuchten die Schulkinder zu Nieder-Rosbach zum erſten Male das neuer— baute prächtige Schulhaus, und da, der übeln Witterung wegen, eine beſondere Einweihung von den vorgeſetzten Behörden nicht vorgenommen wurde, ſo benutzte der dortige Lehrer die Gelegenheit, den erſten Schulbeſuch ſo feierlich als möglich und ſeinen Schulkindern bleibend zu machen.
Wir bedauern, daß uns der Raum dies⸗
mal nicht geſtattet, das Gebet des Lehrers, ſo wie ſeine an die Kinder gehaltene Rede, unſern Leſern zu geben. Man erkennt daraus, daß das Verhält- niß zwiſchen Lehrer und Schülern ein recht liebe volles iſt. Die guten Früchte eines ſo ſchönen Verhältniſſes werden nicht ausbleiben.
Bekanntmachungen von Behoͤrden.
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Verſteigerung von Gebäuden auf den Abbruch.
(68) Dienſtag den 12. Februar J. J, Vormittags 9 Uhr, ſollen auf dem Rathhauſe in Nidda die durch den Provinzialſtraßenbau von Nidda nach Ranſtadt in der Stadt Nidda wegfallenden drei Wohnhäuſer, eine Scheuer und mehrere kleine Stallgebäude öffent⸗ lich einzeln auf den Abbruch an die Meiſtbietenden verſteigert werden.
Sämmtliche Steigliebhaber haben ſich mit Atteſta⸗ ten ihrer Buͤrgermeiſter über ihre Zahlungsfähigkeit auszuweiſen.
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