Ausgabe 
7.9.1839
 
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Intelligenzblatt

für die

8 0 N Provinz Oberhessen

im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Sonnabend, den 8. September f

Linné'iſche Litanei. Nach den 24 Claſſen des Linné'iſchen Pflanzenſyſtems in eben ſo viele Bitten gebracht von Pater Fidelis.

An Linnéfeſt, den 24ſten Mai 1837, zu Ebenhauſen bei München von Profeſſor Dr. Zuccarinis).

Verewigter Vater Linnäus!

Wem der Allmächtige die Kraft gegeben hatte, arf dieſer Erde einzudringen in das Weſen alles Erſchaffenen, gleich Dir, wer dann gewuchert hat nit ſeinem Pfunde, wie Du, dem iſt auch ſpäter geſchehen, wie dem getreuen Knechte; er iſt über Tauſende geſetzt worden und darf ſegnend und ſchüz und auf ſeine Jünger herabblicken, die ſeinen Pfa den folgen, darf ſie ermuthigen auf ihrer Bahn, und hören auf ihr Rufen. Wir haben unſere Bitten geknüpft an Deine Lieblinge, die Pflanzen, die Du ſbſt bezeichnet haſt als die ſchweigſamen Träger der höchſten und innigſten Gefühle, welche die Menſchen beuſt bewegen; wir haben ſie gereihet nach der Weiſe, rie Du in Anordnung der Pflanzenwelt uns gelehrt kaſt. Verleihe ihrer Gewährung Deine Fürſprache bei unſer Aller Vater!

I. Bitte oder Claſſe. Laſſe nicht die Blüthe ihne Wuͤrze, und verſöhne wieder die Schärfe des Gewuͤrzes durch die Lieblichkeit der Blume(Scita-

*) Wir verdanken Vorſtehendes der Gefälligkeit des Herrn Revierförſter Weihl. Verſtändlich iſt es freilich nur De m, welcher in Linné's Pflanzenſyſtem eingeweiht iſt.

Die Red.

mineae), damit Jeder ſich gerne reihe in der erſten Klaſſe erſte Ordnung.

II. Schenke jedem den wuͤrdigen Frieden des Oelbaums, der aus der Schaale der Frucht frei gebig das fette Oel ſpendet zum Nutzen der Welt, aber im eiſenharten Kern ſich bewahret die Selbſt ſtändigkeit des eigenen Hauſes.

III. Laſſe immer den Erndtekranz voll und ſchwer ſich auf des Schnitters Schläfe ſenken, und aus der grünen Schwerter Mitte ſtets die freundliche Lilie blühen.

IV. Verjünge dem Silberbaum immer zur rech ten Zeit die klingenden Blätter; lehre uns aber noch viel mehr, verewigter Meiſter! am Beiſpiele der Dir geweihten Pflanze(Linnaea borealis) er⸗ kennen, wie Beſcheidenheit zum unſterblichen Ziele führt.

V. Laß den Mannsſchild(Androsace) ſich kräf⸗ tig erheben zur Zeit der Gefahr, Sinngrün und Epheu nie welken über dem Bilde der abgeſchiedenen Lieben, den Wein fröhlich machen das Herz der Lebenden. Gieb Kartoffeln die Fülle jedem un berufenen Schreier eine Priſe Tabak dem Be denklichen leite an den rankenden Armen der Liane himmelwärts die Sehnſucht des Zweiflers. Zeichne den frömmelndeu Gleißner(Aetusa Cynapium) vor aller Welt Auge!

VI. Erhalte die Schönheit der Lilie ohne den beizenden Kochgeruch des Lauchs oder die giftige Zugabe der herbſtlichen Zeitloſe. Erwirke dem, der einmal das Rechte erſchaut, daß ſich ſein Auge