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Das Junere der Kirche iſt ganz geeignet, gleich beim Eintreten den Beſchauer mit einer gewiſſen Ehrfurcht zu erfüllen, und muß der Baumeiſter ein denkender Kopf geweſen ſeyn, der das Ganze ſo einfach und ſo ſchön einrichtete, und das Chor in die Höhe ſtellte, daß man zwölf Stufen aufſteigen muß, als gings nach dem Himmel zu. So einfach und ſchön aber, wie dieſe Kirche urſprünglich war, iſt ſie nicht geblieben, und wurde zu manchen Zeiten an derſelben geändert, was nicht immer eine Ver⸗ beſſerung war, wiewohl Dies und Jenes auch durch die Noth geboten worden ſeyn mag.
Die urſprüngliche flache Holzdecke wurde im fuͤnf⸗ zehnten Jahrhundert abgebrochen und gewölbt, das Dach erhöht, die oberen Fenſter wurden anders an⸗ gebracht. Zu gleicher Zeit erhielt der vordere Gibel ſeine jetzige Geſtalt. Als ſpäter bauluſtige Aebte kamen, wurde Dies und Jenes noch geändert. So brachte man in den Jahren 1685 und 1692 an den beiden Kreuzen zwei runde Chöre an, und ließ noch ſpäter den einfachen Altar wegthun, und durch einen gewaltig großen neuen Altar erſetzen, der viel Geld koſtete, aber dem Chor ſein urſprüngliches Licht 575 und für die Einfachheit des Ganzen gar nicht paßte.
Wir hoffen von dem Geſchmacke und Kunſtſinne des erlauchten Bauherrn, daß er gewiß Alles thun werde, dieſen Tempel des Herrn ſo weit es thunlich iſt, in ſeine urſprüngliche Einfachheit zurückführen, daß er gelegentlich alles, was ſpätere Geſchmack⸗ loſigkeit hineinpfuſchte, entfernen, dagegen aber zur Erhaltung des ehrwürdigen Alten alles Mög⸗ liche thun werde. So will es uns ſcheinen, als müßten manche Bilder heraus, die gar nicht hinein gehören, weil ſie nicht würdevoll ſind. Sodann möchte ein einfacher Altar für die Kirche viel paſſender ſeyn, als der geſchmackloſe Rieſe von Altar, der ſie jetzt verunſtaltet. Einige Stücke aber wünſchten wir wohl beachtet. Das erſte iſt der noch wohl erhaltene Grabſtein des Stifters, des Grafen Gott⸗ fried von Cappenberg. Er befindet ſich un⸗ weit dem Hauptaltare in dem Chore, und iſt ein ſchönes Kunſtwerk alter Zeit.) Sodann boſitzt dieſe Kirche noch zwei vortreffliche alte Gemälde, eins die eilftauſend Jungfrauen, das andere die zehntauſend Märtyrer vorſtellend. Es wäre ſchade, wenn auf dieſe beiden Kunſtwerke nicht be⸗ ſondere Aufmerkſamkeit gerichtet würde. Wir hoffen aber, daß ſie gewiß die Aufmerkſamkeit finden werden, der ſie würdig ſind.—
*) Eine Abbildung davon findet ſich im Iten Hefte van F. H. Müllers„Beiträge zur deutſchen Künſt⸗ und Geſchichtskunde durch Kunſtdenkmale.“ In dem 2ten und Aten Hefte deſſelben Werkes finden ſich Grundriß, Vor⸗ der facade ꝛc. der Kirche zu Ilbenſtadt.
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Die Wucherblume. Wenn man in dieſen Tagen ſüdlich der Sindt
Friedberg außerhalb der Gärten von der frankfur⸗ ter Chauſſee nach der ſogenannten fauerbacher Straße ging, ſo konnte man hier und da eine gelbe Blume finden, welche einige Aehnlichkeit mit der Kamille hat. Dies iſt die berüchtigte kleine Wucher⸗ blume, vor der man im Hinterlande eine ſolche Furcht hat, daß Jeder ſechs Kreuzer Strafe er— legen muß, auf deſſen Acker man ſie findet. Und das mit Recht; denn wo ſie ſich einmal ein geniſtet hat, da nimmt ſie ſo reißend überhand, daß in kurzer Zeit die Felder davon wie überſaͤet er— ſcheinen und ganz ausgeſogen werden. Darum glauben wir die Behörden darauf aufmerkſam machen zu müſſen, damit ſie in Zeiten die nöthigen Vor⸗ kehrungen zu ihrer Vertilgung treffen. g
Dieſe Blume hat noch eine etwas unſchuldigere Schweſier, das iſt die große Wucherblume, welche man häufig auf Wieſen ſieht. Die iſt jungen Mädchen ſehr erwünſcht, weil ſie ſich an denſelben von der Treue ihrer Geliebten überzeugen können. Wie ſie das anfangen, wollen wir jetzt nicht ver— öffentlichen, erklären uns aber bereit, es denen zu ſagen, die's gerne wiſſen wollen.
Kaſſe fuͤr taubſtumme Konfirmanden.
Fuͤr die Predigt ꝛc. des Herrn Prof. Sell, von deren Ertrag eine Kaſſe für taub ſtumme Konfirmanden egrüͤndet werden ſoll, iſt bis heute eingegangen: i 23 Von Exempl. fl. kr.
Herrn Pfarrer Brodreich zu Oſſenheim 1 12 „ Bürgermſtr. Sang in Fauerbach II. 2— 24 7. 77 Brack in Altenſtadt 8 2 18 . 5 Lämmer in Oberrosbach 5 1— „ Pfarrer Köhler in Kaichen. 1 2 „ Bürgermſtr. Schmidt in Kleinkarben 4— 48 . 1 Moſcheroſch in Burggräfenrod 1— 12 „ Pfarrer Ebenau in Florſtadt 2—
Von mehreren Kurgaͤſten Nauheims durch Hrn.
Direktor Roller 20 87 21
Von den Bewohnern Friedbergs(das Ver⸗
zeichniß iſt jedoch noch nicht geſchloſſen, und kann bei dem Unterzeichneten jeder⸗ zeit eingeſehen werden.) 186 55 27
Exemplare obiger Predigt, welche irgendwo ohne Ausſicht zum Abſatz lagern, bitte ich mir gefälligſt bald zu remittiren. Friedberg den 25. Juli 1838. 5 C. Binder nagel.
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Bekanntmachungen von Behoͤrden. M. Edicetalladung.
(846) Nachdem großherz. Hofgericht der Provinz Oberheſſen über das Vermögen des Conrad Haub VI. zu Niederweiſel den förmlichen Concursproceß er⸗ kannt hat, ſo werden alle diejenigen, welche Forde⸗ rungen an jenen bilden zu können glauben, auf⸗
gefordert, ſolche ſogewiß
Donnerſtag den 30. Auguſt l. J., Vormittags 8 Uhr, dahier in Selbſtperſon oder durch gehörig Bevollmächtigte zu liquidiren, als ſier


