Ausgabe 
27.10.1838
 
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Intelligenzblatt

für die

im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

M43.

5 Sonnabend, den 27. Oktober

1838.

Nachtraͤglich ein Wort uͤber die neue Salz quelle zu Nauheim.

Wir hatten in der vorigen Nummer unſern Le⸗ ſern von einer neuen Salzquelle Mittheilung gemacht, und als mehrere derſelben ſie Tags darauf zu Nauheim beſuchen wollten, war ſie ausgeblieben. Wahrſcheinlich hatte ſich etwas in den Röhren ver ſchoben. Heute(d. 25. Okt.) erhalten wir folgende

Nachricht aus Nauheim:

Die am 1. d. M. erbohrte arteſiſche Soolquelle, welche durch weitere Verſuche mit dem Bergbohrer am 17. d. M. zurückgetreten war, iſt geſtern Abend um 5 Uhr mit großem Getöſe wieder zum Vor ſchein gekommen und ſpringt mit Heftigkeit über Tage. ö

Raturgeſchichtliches.

Am 18. Oktober wurde dem Unterzeichneten ein Vogel gebracht, den ein Bewohner Friedbergs in dem Felde getödtet hatte. Es war der gemeine Sturm⸗Vogel(procellaria pelagica), der zwar auf den Meeren ſehr häufig, bei uns dagegen eine große Seltenheit iſt. Der gewaltige Sturm, den wir einige Tage zuvor gehabt, mag ihn mit fort⸗ geriſſen haben bis zu uns, wo er denn, ziemlich ermüdet, einen Wagen umflatterte.

Dieſer Sturm⸗Vogel hat in Geſtalt und Größe viele Aehnlichkeit mit einer Schwalbe, unterſcheidet ſich aber von dieſer weſentlich durch ſeinen ſchwar⸗ zen, vornen etwas gekrümmten und mit einem klei⸗ nen Höcker verſehenen Schnabel und durch ſeine ba ee ſchwarzen Füße, welche Schwimmhäute haben.

Ihr eigentliches Element iſt die Oberfläche des Meeres, auf der ſie manchmal förmlich hinlaufen, während ſie ihre Flügel ausſtrecken. Auf dieſe

Weiſe ſuchen ſie ſich ihre Nahrung, die in Seethier⸗ chen, kleinen Fiſchen, Inſecten, Würmern udgl. be⸗ ſteht. Naht ſich ein Sturm, ſo ſuchen ſie, wenn keine Felſen in der Nähe ſind, Schutz auf den Schiffen, wo ſie dann leicht gefangen werden. Ihre Ankunft iſt aber, wie man ſich leicht denken kann, eben keine erfreuliche Erſcheinung; doch ſind ſie dem Seefahrer von großem Nutzen, denn er kann nun die nöthigen Vorkehrungen treffen.

Auf den Farber⸗Inſeln findet man ſie manchmal ſo fett, daß die Bewohner einen Docht durch ſie jehen, anzünden und als, Kerze gebrauchen. Das

remplar, welches mir zu Geſichte kam, war in⸗ deſſen ſehr mager; ein Beweis, daß es der Sturm lange und hart mitgenommen hatte.

Nach den Ausſagen eines glaubhaften Mannes wurde vor Jahren auch einmal ein ſolcher Vogel auf einem kleinen Waſſer in der Gegend von Ber⸗ gen gefunden. Ph. Dieffenbach.

Complimentir Buch.

Es iſt wieder ein neues Buch herausgekommen, welches dem NamenComplimentirbuch hat, und welches wir unſern Leſern nicht erſt zu empfeh⸗ len brauchen, da ſie wohl alle wiſſen, wie noͤthig Complimente für das Leben ſind. Für Andere, die ein ſolches entbehren, wollen wir einiges Wenige hier andeuten. Wenn z. B. einer noch nicht weiß, wie man zu Eltern ſagen ſoll, die häßliche oder unartige Kinder haben, ſo lernt man nur ein Paar Sätze daraus auswendig:Was haben Sie fuͤr liebe Kinder; oder:ach, wie brave und wie ſchöne Kinderchen; oder auch:die kleinen, lieben Engel⸗ chen u. ſ. w.

Iſt man ärgerlich, daß ein läſtiger Menſch zum Beſuche kommt, den man gerne auf hundert Meilen