Ausgabe 
22.12.1838
 
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f in Wirk⸗ le Städte

Friedberg.

u Betreff den ein⸗ ben Sie der Vi⸗ gezeichnet ſen

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Die Sonntagsſchule zu Friedberg.)

Da mancher Familienvater und Lehrherr, wel chem das Wohl ſeines Sohnes oder Lehrlings am Herzen liegt und der zur Beförderung desſelben gern das Seine beiträgt, noch nicht recht wiſſen dürfte, was man denn eigentlich mit einer Sonn- tags ſchule willz ſo iſt es wohl nicht ganz über⸗ flüſſig, dieß hier kurz anzudeuten und darauf auf⸗ merkſam zu machen.

f Iſt der Knabe aus der Volksſchule entlaſſen, ſo wird er entweder zu einem Handwerker in die Lehre gebracht, oder muß ſonſtige Handarbeiten verrichten*) Von dieſer Zeit an fehlt ihm nicht nur jede Gele⸗ genheit, das Erlernte im Andenken und in der Uebung zu erhalten, ſondern auch ſich fortzubilden. Eine natürliche Folge iſt, daß das Meiſte vergeſſen und das, was die Schule für das ganze Leben be abſichtigt, entweder gar nicht, oder nur halb erreicht wird. Wer ſich hiervon überzeugen will, der prüfo die Contobücher, Rechnungen, Briefe, Quittungen u. dergl. vieler Handwerker. Mancher Jüngling erlangt aber auch in der Volksſchule die im Leben unentbehrlichſten Elementar⸗Kenntniſſe nicht; es ſind mir viele Fälle vorgekommen, daß ſolche Leute ent⸗ weder gar nicht, oder kaum ihren Namen ſchreiben, höchſt dürftig oder gar nicht leſen und nicht eine zweizifferige Zahl ſchreiben konnten. Was auch hier⸗ von die Urſache ſey, ob Krankheit, unregelmäßiger Schulbeſuch, die Beſchaffeuheit der Schule ſelbſt, oder in der Jugend ſchlummernde Anlagen; ſo iſt doch ſoviel gewiß, daß letztere verkuͤmmern müſſen, wenn ſie ſpäter nicht geweckt, genährt und geſtärkt werden, und daß ſolche Leute der Nachhülfe bedür⸗ fen, ſollen ſie anders als brauchbare Mitglieder der buͤrgerlichen Geſellſchaft daſtehen.

Da ferner das Leben nie ſtille ſteht, und die Cultur aller Zweige des Könnens und Wiſſens un aufhaltſam fortſchreitet, ſo iſt es begreiflich, daß man an den Sohn höhere Forderungen, als an den Vater ſtellt, und daß der, welcher nicht mit fort geht, zuruͤckbleibt: Stillſtand iſt Nückgang. Macht man unſern Bauhandwerkern im Allgemeinen nicht den Vorwurf, denen in Starkenburg und Rheinheſſen nachzuſtehen??*) Woher kommt das? Es werden dem⸗ nach ſolche Jünglinge, welche die zum Leben unentbehr lichſten Kenntniſſe ſich erworben haben, immerhin mehr lernen können und müſſen, wollen ſie hinter der Ge⸗

) Wir haben zwar über Sonntagsſchulen im Allgemeinen und die zu Friedberg insbeſondere ſchon früher, nament⸗ lich in Nr. 7 und 27 d. Bl. v. 1834, ſo wie in Nr. 45 und 46 v. 1835 geſprochen; wir glauben aber doch den Leſern einen Gefallen zu erweiſen, wenn wir die Sache hier wieder zur Sprache bringen. Gegenwärtiger Aufſatz rührt von einem Manne, der hierin competent iſt.

Die Red.

) Von den hoheren Ständen iſt hier nicht die Rede.

A) Daß einzelne wenige hiervon eine Ausnahme machen, verſteht ſich von ſelbſt.

genwart und

s ˖ nahen Zukunft nicht zurückbleiben. Wer dieß Fortſchreiten dennoch für eine Chimäre halten wollte, den verweiſen wir auf andere Länder:

Sachſen, Preußen, u. ſ. w. namentlich auf das Bergiſche und Siegeniſche, wo es gar keine Seltenheit iſt, ſelbſt Männer: Schmiede, Kohler und Wieſenbauern Abends nach vollbrachtem ſchwe⸗ ren Tagewerk oder an Sonnta g⸗Nachmittagen ſich zum Abſingen vierſtimmiger Choräle verſammeln, oder mit Schiefertafel und Griffel in der Hand geometriſche, arithmetiſche und algebraiſche Aufgaben loſen zu ſehen. Der gereiſ'te Handwerker weiß dieß. ohnehin. Wo trifft man ſonſt noch unter Köhlern, Wieſenbauern und Schmieden Luſt und Liebe zur Kenntniß der Geometrie und Arithmetik? Wo Land⸗ leute, die mit Meßtiſch, Compaß und Aſtrolabium verſehen ſind und ſie zum Markſcheiden, zur Felder und Wäldervertheilung zu gebrauchen verſtehen? Aus dieſen Andeutungen wird die Nothwendig keit einer Unterrichtsanſtalt einleuchten, wo theils das Verſäumte nachgeholt, theils das Erlernte. geübt und exweitert werden kann.

In dem vierzehnten Jahre iſt aber auch die Erziehung noch keineswegs vollendet. Gerade in dieſer Periode beginnt erſt die eigentliche Bildung des Characters zur Selbſtſtändigkeit. Wird das Gute, was die Schule gepflanzt hat, durch fortge ſetzte Aufſicht und verſtändige Leitung nicht gepflegt und genährt; ſo nimmt der Geiſt leicht eine falſche Richtung, die nützlichen Lehren werden vergeſſen und die guten Sitten gehen in einem rohen Leben unter. Wer dies bezweifelt, beobachte das Treiben und Thun der der Schule entlaſſenen Jugend und Lehrlinge in Dörfern und Städten, und er wird ein ſehen, wie gerade ſie es iſt, welche in Dörfern den meiſten Unfug treibt, in Städten auf mancherlei Un⸗ ſitte verfällt. So lange alſo dieſe Jugend ſich ſo über⸗ laſſen bleibt, darf es nicht Wunder nehmen, wenn Unſittlichkeit, Verwilderung und frühzeitige Leiden ſchaften ſelbſt bei ſolchen ſichtbar werden, welche in dem väterlichen Hauſe und in der Schule einer guten Erziehung ſich erfreuten, und wo mau in frü⸗ her Jugend keine Spur von dieſen Uebeln bemerkte. Würde bei der Dorf- und Stadtjugend dagegen eine Leitung fortdauern, welche ſich an die Schule anſchlöſſe, dann erſt würde die Jugend und das Volk diejenige Bildung erhalten, welche die Ver beſſerung des Schulweſens bezweckt, ſagt Schwarz, einer unſerer gefeiertſten Pädagogen, und wer wird ihm nicht beiſtimmen?

(Fortſetzung folgt.)

Bekanntmachungen von Behoͤrden. Beka unt machung. (1313) Freitag den 28. l. M., Morgens 10 Uhr, ſollen in hieſigem Rathhauſe die Immobilien der Schuhmacher Georg Bopp'ſchen Eheleute,