Ausgabe 
22.9.1838
 
Einzelbild herunterladen

MelodieEin' veſte Burg iſt unſer Gott zꝛc. Wir bedauern nur, daß uns der beſchränkte Raum ver⸗ bietet, ein Mehreres von dem Inhalte der drei Reden, ſo wie den ganzen Text der ſchönen Lieder für die⸗ jenigen unſerer Leſer zu geben, welche die Gelegen⸗ heit nicht hatten, dieſer Feier beizuwohnen, die ſo ganz einen ächt chriſtlichen Geiſt athmete. 2

Hans und Kunz. Gur Kurzweil.)

Hans und Kunz waren im Wirthshauſe in einen Wortwechſel gerathen, der endlich ſo ernſt wurde, daß beide beſchloſſen, den Herrn Pfarrer zum Schiedsrichter anzurufen. War's ſchon vor⸗ her ergoͤtzlich für die übrigen Wirthsgaſte geweſen, die Männer, welche ſonſt immer ſo friedlich neben einander geſeſſen hatten und alle beide von dem Grundſätze ausgingen,eſſen und trinken könne Jeder für zwei Mann, dafür müſſe er aber auch in der Zwiſchenzeit ſeine Ruhe haben, nun wie zwei Kampfhähne gegen einander zu ſehen; ſo war's jetzt um ſo ergötzlicher für einen großen Theil der Dorf⸗ bewohner, ſie bis an das Thor des Herrn Pfarrers zu begleiten und zu hören, wie ſie ſich gegenſeitig anblitzten und andonnerten und immer lauter wur⸗ den, weil Jeder glaubte, je lauter er dem andern zuſchrie, deſto eher müſſe er Recht erhalten.

Als ſie nun vor den Herrn Pfarrer gekommen waren, gab's eine neue ergötzliche Scene, diesmal aber nur für die Pfarr-Familie, denn die andern Perſonen waren vor dem Thore geblieben. Jeder von beiden glaubte nämlich Recht zu bekommen, wenn er zuerſt ſpräche, und da ſprachen oder ſchrien ſie vielmehr zuſammen, daß man ſein eigenes Wort nicht hören, wenigſtens der Herr Pfarrer durch⸗ aus nicht verſtehen konnte, worüber ſie ſtritten. Der Herr Pfarrer war aber ein verſtändiger Mann, und dazu noch ein ächter Menſchenkenner.Wenn, ſo dachte er, ich ſie nur einmal zum Sitzen gebracht habe, ſo iſt die größte Hitze vorüber, und dann werd' ich es auch dahin bringen, daß ich ſie ver⸗ ſtehe. Damit holte er und ſeine kluge Hausfrau, die immer wußte, was ihr Mann wollte, ohne daß ers zu ſagen brauchte, jedes einen Stuhl, und waren endlich ſo glücklich, den Zeitpunkt zu benutzen, wo beide etwas ausſchnaufen mußten, um zu Athem zu kommen, und ſie beide zu den Stühlen nieder zu beugen. Ein Paar mal wollten ſie zwar wieder auf; allein das friedenſtiftende Ehepaar ſuchte ſie doch in ihrer ſitzenden Stellung feſt zu halten.

Jetzt, ihr lieben Leute, begann der ruhige Geiſt⸗ liche, bringt mir euer Anliegen vor. Kaum hatte er das Wort geſprochen, ſo war das alte Uebel wieder da, und Jeder ſchrie ihm ſeine Behauptung ſo in die Ohren, daß er abermals nichts verſtand. Zuletzt gebrauchte er ſein geiſtliches Anſehen, und

brachte es dahin, daß der Kunz ſchweigen mußte, und der Hans das Wort erhielt.

Ich behaupte, ſagte er, daß alle Nahrung von Gott kommt. Da habt ihr Recht verſetzte der Pfarrer.

Was? Recht? ſchrie Kunz, und wollte eben wieder das alte Lied anfangen, als er zum zweiten Malzur Ordnung verwieſen wurde, wie mans an dem Landtage zu nennen pflegt, und der Hans fuhr dann weiter fort:Da nun alle Nahrung

von Gott kommt, ſo wird mir gewiß niemand Un⸗

recht geben dürfen, wenn ich behaupte, daß es auf der Welt nichts Beſſeres gibt, als das Eſſen.

Da habt ihr gewiſſer Maßen Recht, verſetzte der Pfarrer, während Kunz mit den Zähnen knirſch⸗

te, weil er ſeinem Gegner nicht Unrecht geben durfte.

Denn eben hatte ſich der Pfarrer in aller Ruhe nach ihm gewandt, um ihn zu bitten, nun ſeine Be⸗ hauptung auszuſprechen.

Ich behaupte, ſagte Kunz, daß der Schlaf auch von Gott kommt; und weil er von Gott kommt, ſo behaupte ich, daß er mir über das Eſſen geht, und daß mir nichts über den Schlaf geht.

Da habt ihr gewiſſer Maßen auch Recht, erwie⸗ derte ihm der Pfarrer, und hielt dabei ſeine Hand vor Hanſens Mund, damit er das, was er eben geſagt hatte, nicht noch einmal herausbrüllen konnte. Und nun fuhr der Pfarrer ſo fort:

Seht, ihr lieben Leute, die Speiſe iſt eine Gabe Gottes, und der Schlaf ebenfalls. hungrig gearbeitet hat, dem iſt die nährende Speiſe das Liebſte, und wer bis zum Abend ſo thätig ge⸗ weſen iſt, daß er ganz ermüdet wurde, der ſehnt ſich nach Ruhe, und dem iſt der Schlaf das Liebſte. Wer aber nichts gearbeitet hat, der ver⸗ dient weder zu eſſen noch zu ſchlafen. Und dann gibt es doch auch wieder Menſchen, denen weder das Eſſen noch der Schlaf das Liebſte

iſt, ſondern die nicht ſelten Eſſen und Schlaf fur

nichts achten, um das zu thun, was ihnen am Her⸗

zen liegt und was ihnen die Pflicht auferlegt. Solche

Menſchen arbeiten aber nicht für ſich und ihren Bauch, ſondern für Gott und ihre Mitmenſchen. Sie fühlen in ſich den Trieb zu etwas Beſſerem, als das Eſſen und Schlafen iſt, zu etwas Edlerem. Ja ſie ſetzen oft ihr eigenes Leben hintan, um das Gute zu be⸗

fordern, das Schlechte zu vernichten, und ſo die

Gebote Gottes zu erfüllen. Das ſind eigentlich die

wahren Menſchen. Denn wenn wir bloß eſſen und trinken und ſchlafen, ſo ſind wir im Grunde

nicht mehr als die Thiere, die auch eſſen und trin⸗

ken und ſchlafen; ja wir ſind kaum ſo viel, indem viele Thiere dem Menſchen durch ihre Thätigkeit und Kraft außerordentlich nützlich ſind, wie Pferde, Ochſen, Kühe u. dgl. Wenn ihr darum haben wollt, daß eure Mitmenſchen euch achten ſollen, ſo

Wer ſich recht