Ausgabe 
18.8.1838
 
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bekommen, noch dadurch erhöht, als ſich im ver⸗ gangenen Frühjahr eine ſolche Menge Maikäfer ein⸗ fand, wie ſie die älteſten Leute hier nicht geſehen haben wollen.

Iſt es aber nun leider auch der Fall, daß viele Bäume aus den angegebenen Urſachen große Noth gelitten, und bei weitem nicht ſo viele Früchte wie in ergiebigeren Jahren hervorgebracht haben, ſo iſt doch auch in dieſem Jahre wieder durch den Ver⸗ kauf der Kirſchen an die fremden Kirſchenhändler, ſo wie durch den Beſuch der vielen Fremden, welche ſich im Kirſchenwäldchen einfanden und oft ſehr zahlreich waren, eine bedeutende Summe Geldes von fremden Orten her in ünſere Stadt gebracht worden, ſo daß ſich dieſe Summe, mit Einſchluß deſſen, was die hieſigen Bäcker und Wirthe durch die fremden Kirſchenhändler, welche in zahlreichen und bunten Reihen aus den nördlichen Gegenden hierher eilten, auf drei, ja mehrere andere glaub⸗ würdige Männer verſichern, auf vier tauſend Gulden beläuft.(2)

Man hört darum auch häufig aus dem Munde vieler hieſigen Bürger die Worte:Ach, hätte ich doch vor 2030 Jahren das gewußt, was ich jetzt weiß, wie ſchön hätte ich mir doch damals auch ein Stück Land von jener Wüſte(was auch bekannt⸗ lich das hieſige Kirſchenwäldchen zit jener Zeit noch geweſen iſt) für 2030 kr. kaufen und ſolches mit Kirſchbäumen bepflanzen wollen, ſo könnte ich doch jetzt in jedem Jahre mein ſchönes Stuck Geld loſen, und wäre nun auch im Beſſtz eines Ackers, der jetzt 100150 fl. und wohl noch mehr Werth hätte, und ſo habe ich Nichts; worauf denn ein Anderer, dem es nicht beſſer gehen mag, erwiedert: lieber, guter Mann, wenn man Alles mit Beſtimmt⸗ heit vorausſehen konnte, ſo wäre man bald reich; aber ſo ſind und bleiben wir arme Menſchen.

Dagegen wird von Andern jetzt noch jedes Jahr fortgefahren, neue Kirſchbäume zu pflanzen, und der thätige Herr Jacob Schlottner aus Frank⸗ fürt hat auf dem ſogenaunten Müller hannſe, einer Anhöhe unter dem Kirſchenwäldchen, ohnfern dem kühlenden Roſenborne gelegen, eine ſchöne und be⸗

deutende Anlage von jungen Kirſch⸗ und are

Obſt⸗, namentlich auch von jungen Aepfelbäume gemacht, welche in wenigen Jahren ſchon eine reich⸗ liche Erndte, mithin auch Belohnung für gehabte Mühe und Koſten gewähren kann. f

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Aulh unſer würdiger Herr Bürger meiſter Lämmer bat mit ſeinem thätigen, für das Wohl der hieſigen Stadt ſtets beſorg ten Gemeinderathe, ein großes Stück wuſtes Land auf der ſ. g. Sang vor einigen Jahren urbar machen, ſolches mit ungefähr 100 Stück junger Aepfelbäume negelmüßig beſetzen und vorigen Herbſt mit Korn beſäen laſſen, ſo daß die hieſige Stadt durch deſſen Verkauf, dieſes Jahr ſchon von dieſer früheren Wüſtenei eine ſchöne Summe Geldes löſen wird. r N Auch mehrere hieſige Bürger, welche ſich immer mehr davon überzeugen, was ſich durch eine kluge Benützung des Bodens gewinnen läßt und von dem alten bekannten Satze:Man brauche nicht für die Nachkömmlinge zu ſorgen, ſondern dieſe mochten es ſelbſt thun, faſt ganz abgekommen ſind, ſetzen bei⸗ nahe jedes Jahr über 100 Stück junger Aepfel⸗ und Birnbäume, ſo daß der weſtlich gelegene Theil des oberrosbacher Feldes, das wegen ſeiner Lage zur Obſt⸗ baumzucht ganz vorzüglich geeignet iſt, in wenig Jah⸗ ren einen großen Obſtgarten vollkommen gleichen wird.

Guter Rath.

Es iſt in Friedberg bei vielen Eltern ſo herkömmlich, daß ſie ſich durch ihre Kinder das Sauerwaſſer von dem ſchwalheimer Brunnen holen laſſen. Dagegen läßt ſich an und für ſich nichts einwenden; wir finden es im Gegentheil recht gut, wenn Kinder bei Zeit an irgend eine Beſchaͤſtigung gewöhnt werden. Nur die Art und Weiſe, wie das geſchieht, kann unmöglich dem gefallen, welchem die heranwachſende Generation nicht ganz gleich⸗ gültig iſt. Man pflegt ganz ſchwachen Kindern, deren Rücken und Bruſt die nöthige Feſtigkeit noch nicht erlangt haben, eine Anzahl von Krügen um den Hals zu hängen, ſo daß ein Theil derſelben auf den Rücken, der andere auf die Bruſt zu liegen kommt. Hat denn noch Niemand bemerkt, daß dieſe Art, Krüge zu tragen, ſehr nachtheilig auf die Aus⸗ bildung der Bruſt und des Rückens wirkt? Laßt doch euern Kindern dazu Wägelchen zum Ziehen oder Schubkärrnchen zum Drucken machen; und wenn euch die Anſchaffung derſelben zu theuer dünkt, ſo bedenkt, daß dieſe kleine Ausgabe euern Kindern einſt gar gut zu ſtatten kommen wird!

Ein Freund der Jugend