Ausgabe 
17.11.1838
 
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N das Grabmal des im Jahr 1382 geſtorbenen Junkers Eberhard von Eppenſtein, einesWalters

Thylo Ziegeler u. ſ. w.; eben ſo finden ſich mehrere alte Chorſtuͤhle daſelbſt, aber von ziemlich grobem Schnitzwerke. Das Intereſſanteſte von Allem iſt das Altargemälde, ein Hauptblatt mit 2 Flügeln, die jetzt feſt genagelt ſind. In der Mitte iſt Maria mit einigen Frauen, deren Namen in ihren Heiligenſcheinen zu leſen iſt. Das Haupt⸗ gemälde hat 12 größere und 10 kleinere Figuren, alle mit wunderlieblichen Geſichtern. In dem Fluͤ⸗ gel rechter Hand iſt die Ankunft der heiligen drei Könige, im Vordergrunde der heil. Joſeph, welcher die Breipfanne über dem Feuer hält. Der Figuren hier ſind acht. Das Blatt linker Hand ſtellt die Geburt Chriſti dar, Maria, Joſeph und 6 Engel ſind hier abgebildet. Alle Figuren des Gemäldes haben Goldgewänder, mit Ausnahme von 2 Sclaven. Die Figuren des Hauptgemäldes ſind, wie gewöhn lich, mit mehr Sorgfalt gearbeitet, als die der Seitengemälde; das Ganze aber iſt eins der herr⸗ lichſten altdeutſchen Bilder, die uns je vorgekommen ſind, und das die Zierde einer jeden Gallerie in dieſem Fache werden würde.

Wenn wir die Kirche betrachtet und an dem prächtigen Bilde unſere Augen geweidet haben, ſo lohnt es der Mühe, das obere Schloß auch in Augen⸗ ſchein zu nehmen. Se. Erlaucht der Graf Auguſt von Stolberg, urſprünglich von einer Seitenlinie, aber durch den Tod des Grafen von Stolberg⸗ Rosla, Herr von Rosla und Ortenberg(ein Drittel der Stadt iſt domanial) hält ſich abwechſelnd bald hier, bald in Rosla auf. In der That mag's ſich's hier, bei einem beträglichen Einkommen und nothwendiger Zufriedenheit, recht angenehm wohnen.

An dem Schloſſe iſt neben ein Stein eingemauert, welcher einen Mann, ſeinen Bart haltend, vorſtellt. Das ſoll der Kaiſer Friedrich der Rothbart ſeyn, und iſt ein ähnliches zu Gelnhauſen in der Burg befindlich. Es iſt aber nichts weiter als ein altet Tragſtein, wie man deren in älteren Gebäuden mehr findet, und der wahrſcheinlich von dem alten Schloſſe herrührt. So ſehr in neuerer Zeit die⸗ ſes Gebäude Veränderungen erlitten hat und haben mag, ſo erkennt man doch an den Subſtructionen, daß hier ſchon vor uralten Zeiten ein Gebäude ſtand. Es finden ſich nämlich hier jene rohen Quader⸗ ſteine wieder, wie man ſie zu Büdingen, Mun⸗ zenberg, Gelnhauſen, auf dem Carlsmunt bei Wetzlar ꝛc. ſieht, und die auf ein hohes Alter ſchließen laſſen. Ein alter Thurm iſt auch noch übrig und durch ein Dach gegen die Einwirkungen der Witterung geſchützt. Ganz linker Hand am Schloſſe und zwar neben einem Keller befindet ſich das Archiv, wo die Herren Gelehrten alte Urkun den in Menge finden konnen. Wer daran kein Ver⸗

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die Nachtigallen ſingen, einen Gang in von Epſtein, eines im Jahr 1581 geſtorbenen

den; nämlich:

gnügen findet, dem empfehlen wir im Fruͤhjahre, wenn

1 Garten zu thun, und die herrliche Ausſicht nach Lißberg zu genießen oder ſelbſt dorthin zu wandeln. Dieſes Lißberg, das in alten Zeiten Liebisberg hieß, liegt eine ſtarke halbe Stunde dem Nidderthale auf⸗ wärts und iſt noch ſteiler an ſein Schloß gebaut als Ortenberg. Leider iſt dieſes Schloß faſt ganz zertrümmert, und es iſt außer dem runden Thurme den man ſchon von Weitem erblickt, und der zur Verſchönerung der Gegend weſentlich beiträgt, wenig mehr übrig. Sonſt war noch mehr da, und Schrei⸗ ber dieſes erinnert ſich, außer den Gewölben und Mauern auch den Reſt eines Erkers geſehen zu haben, an welchem ſich ein altes Wappen(zwei Hirſchgeweihe vorſtellend) befanden. Wenige Jahre zuvor war noch ein ganz bewohnter Bau vorhanden, der zum Theil einſtürzte, zum Theil auf den Ab⸗ bruch verkauft wurde. Die Kirche iſt im Jahre 1618 alſo in dem Jahre, da der unſelige dreißig⸗ jährige Krieg begann, erbaut und hat nichts, was eben ausgezeichnet genannt werden kann. Deſto auffallender war mir ein wohlbeleibter Schuh⸗ macher, der in dem Wirthshauſe, in welchem ich nähere Erkundigungen einziehen wollte, ſich mir näherte und über viele Dinge bereitwillig mir Auf⸗ ſchluß gab, die ich gerne wiſſen und nicht wiſſen wollte. Am Ende ſchloß er mit den Worten: Ueber die alten Herren vom Liebisberg, welche hier ihren Stammſitz hatten, finden Sie nähere Nach⸗ richten bei den Geſchichtsſchreibern Wenck und Schmidt. Eine ſolche Gelehrſamkeit ging über

das Bohnenlied und ſetzte mich in ſolchen Reſpect

vor dem Manne, wie weiland der Schuhmacher Hans Sachs zu Nürnberg oder der Schmied Bartel Regenbogen zu Mainz durch ihre Ge⸗ dichte ſich erworben hatten.

Von Lißberg geht es in engem ronmantiſchen Thale nach dem alten Hirzenhain, von dem wir unſern Leſern zu einer andern Zeit Mittheilung zu machen gedenken. Vor der Hand rathen wir ihnen, Ortenberg und Lißberg mit ihrer Gegenwart zu beehren; ſie liegen nicht aus der Welt, denn es führt, wie oben berührt, ein guter Weg dahin, aber freuen werden ſie ſich der herrlichen Gegend, wie ſich Schreiber dieſes derſelben freute.

Bekanntmachungen von Behoͤrden.

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Straßenbau⸗Reparatukarbeiten. (1222) Die Unterhaltungsärbeiten der Staats- und Provinzialſtraßen im Baubezirk Friedberg für das Jahr 1839, als Handarbeiten, Steinfuhrlohn, Steinſetzer- und Steinſchlagerlohn, ſollen für die einzelnen Straßenabtheilungen in den nachbenannten Terminen, unter den alsdann bekannt gemacht wer⸗ denden Bedingungen zur Verſteigerung gebracht wer⸗