Ausgabe 
15.12.1838
 
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Herrn Dr.

5, geboren geb. den

n, geb. den Natgaretha, d. 31. Okt. nachgelaſſene

1 11. Nov. ch Chriſtian

Monate und

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im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die e Bezirke im Beſonderen.

M 50.

Vereine für b erde Sträflinge.

Zu Bremen hat ſich im Jahr 1837 ein Ver⸗ ein für entlaſſene Gefangene gebildet, und ſoll ſeit der Zeit mit Segen wirken. Das erinnert den Einſender dieſer Zeilen daran, daß vor etwa neun oder zehn Jahren zu einem ähnlichen Vereine in Friedberg aufgefordert wurde, und wenn er auch nicht zur Ausfuhrung kam, ſo war doch Man⸗ ches dazu vorgearbeitet. Die Sache iſt zu wichtig, als daß ſie nicht auch bei einem größeren Publikum ſollte zur Sprache gebracht werden. Wir wollen darum unſern Leſern kürzlich mittheilen, wie wir hauptſächlich die Sache betrachten.

Wir ſehen in unſern Gefängniſſen, Zucht⸗ und Arbeitshäuſern eine Menge von Menſchen, die ent⸗ weder durch böſes Beiſpiel oder durch verkehrte Er⸗ ziehung, oder durch Rohheit und Wildheit, oder durch die Macht der Leidenſchaften immer tiefer ſanken, endlich durch Verbrechen die menſchliche Ge⸗ ſellſchaft ſo gefährdeten und beleidigten, daß der Staat zu ihrer Züchtigung ſo wie zur Beruhigung der Staatsbürger ihnen die Freiheit nehmen mußte. Die Gefängniſſe waren aber früher der Art einge⸗

1 8 daß leichte und ſchwere Verbrecher, jüngere ältere Perſonen, Familien⸗Väter und Unver⸗

heirathete, verſtockte Sünder und reuige Menſchen

ſich beiſammen fanden. Eine natürliche Folge davon war, daß der Jüngere oft während ſeiner Büßung Verbrechen kennen lernte, von denen er vorher nichts gewußt, Andere, in denen noch ein Funke des Beſ⸗ ſeren war, den Reſt der Ehre, der Schaam in

Sonnabend, den 1 15. Dezember

1838.

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ſchlechter Geſellſchaft verloren. Kamen ſie endlich aus ihrer Haft, ſo wurden ſie, was ſie vorher nicht waren, vollendete Böſewichter. Kurz, die Gefäng⸗ niſſe erreichten größtentheils ihren Hauptzweck, Beſ⸗ ſerung, nicht nur nicht, ſondern trugen zur Ver⸗ ſchlechterung weſentlich bei.

Dank den Bemühungen derer, welchen derartige Anſtalten anvertraut ſind; es hat ſich in neueren Zeiten Manches hierin zum Beſſeren geſtaltet, und was noch nicht ganz geändert iſt, wird nach und nach geändert werden.

Aber Eins geht uns noch ab; es iſt eine Zwangs Arbeits- Anſtalt, in welcher der Vagabund, der unverbeſſerliche Trage mit Gewalt zur Ordnung, zum Fleiße angehalten wird. Damit möchte aber auch eine andere Anſtalt zu verbinden ſeyn, in welcher derjenige, welcher aus den Gefäng⸗ niſſen getreten iſt, Gelegenheit findet, ſich und die Seinigen redlich zu naͤhren, bis er außerhalb bei der menſchlichen Geſellſchaft wieder ſo viel Ver⸗ trauen erworben hat, daß er ein nützlicher Staats⸗ bürger wird. Wenn wir nicht ganz uns täuſchen, ſo iſt auch die Errichtung Eines oder mehrerer ſolcher Zwangs ⸗Arbeits⸗Anſtalten in dem Großherzogthum Heſſen nicht mehr ferne, und wir werden die Stunde ſegnen, da ſie zu Stande kommen.

So weit iſt es Sache des Staates. Dem fuͤh⸗ lenden Menſcheufreunde bleibt aber noch Manches zu wünſchen übrig, was außerhalb der Gränzen jenes liegt. Der Menſchenfreund erkennt in dem Menſchen auch dann noch ſeinen Bruder, wenn er