Ausgabe 
15.9.1838
 
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zerſtörte. Daher kommt es, daß man noch jetzt die rohe Wuth, die an der Zerſtörung deſſen, was ſchoͤn und kunſtreich iſt, ihre Freude findet, Vandalismus heißt. Wenn darum die wilde Jugend um die ſchöne Kirche zu Friedberg ihren Muthwillen ausläßt, an den kunſtreichen Steinen, die vor fünf⸗, ſechshundert Jahren von einem ſinnigen Steinmetzen ſorgſam ausgearbeitet wurden, nach ihnen ſo lange wirft, bis ſie unkenntlich geworden ſind; wenn ſie die Bild⸗ ſäulen verſtuͤmmelt, die Grabſteine vernichtet, die Fenſter mit dem letzten Reſt der Glasmalerkunſt einwirft, ſo iſt das nichts weiter als Vanda⸗ lismus, und fordert jeden Gebildeten, Jeden, der Sinn für die Werke ſeiner Altvordern hat, auf, ſeinen Unwillen dagegen zu äußern. Es iſt aber auch ſchon Vandalismus, die kunſtreiche Kirche, welche Friedberg beſitzt, zu vernachläſſigen, zu dulden, daß der Zahn der Zeit früher ſie vernichtet, als er es würde, wenn man ſie in Ehren hielte. Iſt denn, ſo hört man wohl von Fremden fragen, in Fried⸗ berg gar Niemand, der dieſe Kunſt zu ſchätzen weiß? Wohl ſeufzt mancher Bewohner, der Sinn dafür hat, daß ſeit vierzig Jahren Vieles unrettbar verloren, durch Vernachläſſigung vernichtet wurde. Soll denn kein Einhalt geſchehen, bis auch der letzte Reſt ver⸗ nichtet iſt und die Kirche nur Trümmer zeugt von ſchöͤner Kunſt der alten Zeit?

Die Eliſabethenkirche zu Marburg iſt wohl noch fünfzig Jahr älter als die Stadtkirche zu Friedberg, und man glaubt, ſie wäre erſt vor wenig Jahren erbaut worden. Wie man aber dort von Außen Alles ſorgfältig verbeſſert, was ſchadhaft geworden, ſo wird im Innern Alles, was Kunſt⸗ und Alterthumswerth hat, ſorgfältig gepflegt und bewahrt, und ſteht unter genauer Aufſicht. Warum iſt und war das in Friedberg nicht? Warum ließ man das ſchöne Tabernakel faſt ganz ver⸗ fallen, warum die Glasmalereien vernichten, warum die Grabſteine zu Grunde gehen?)

) Was hier geſagt wird, iſt zwar etwas mit ſtarken Farben aufgetragen, trägt aber den Stempel der Wahrheit. Schon in Nro. 34 unſers Blattes von 1835 war eine ahnliche Rüge unter dem ArtikelMein Haus iſt ein Bethaus; möchten doch die Stimmen, die aus wohl meinendem Herzen kommen, nicht verhallen, und da Anklang finden, wo eine Abänderung geſchehen kann!

Die Redaction.

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Miscellen zur wetterauer Geſchichte. 1) Ilbenſtadt.

In welchem Nothzuſtande ſich das Kloſter Ilben⸗ ſtadt zur Zeit des dreißigjährigen Krieges befunden haben müſſe, beweiſ't folgende Bemerkung des Abts Georg Lorenz(gebürdig aus Heldenbergen) über ſeinen Dienſtantritt ꝛc.Ich wurde am 9. Okto⸗ ber 1635 von ſämmtlichen Mönchen einſtimmig als Abt gewählt. Dieſe beſtanden aber nur in 4 Per⸗

ſonen, nämlich den Patres Nußbaum, Zulauff und Schröpfner, und dem Frater Faber, Ich fand überall nur Ungemach, denn das Kloſter beſaß nur 25 Achtel Waizen, Ohm Wein und 32 Reichs⸗ thaler. Im Jahr 1638 ſtieg das Elend am Höch⸗ ſten, denn das Malter Waizen koſtete damals 14 Reichsthaler. Niemand konnte und wollte dem Kloſter auch nur 10 Reichsthaler leihen, weil das Kloſter ſchon zu viele Schulden hatte, die Gebäude ver⸗ fallen, die Aecker unbebaut waren, und nachdem der Feind auch das Zugvieh mitgenommen hatte, ſogar die

Schaafe fielen. Das Kloſter ſah ſich daher veranlaßt,

ſeinen Hof in Kleingronau bei Vilbel an Nicolaus Hermann, einen frankfurter Burger, um 1600 Reichs⸗ thaler zu verkaufen. Anch an anderen Orten herrſchte große Noth, ja der Gottesdienſt wurde verſaͤumt.

Als ich am 16. März 1636 Kirche in Aſſenheim 1 hielt, waren nur zwei Zuhörer zugegen, und den

darauf folgenden Sonntag(23. März) wurde zwar zur Kirche geläutet, allein es erſchien Niemand.

(Wuerdtwein not. de abbat. Ilbenstadt pag. 134, 135.) 5

Kaſſe für taubſtumme Konfirmanden.

Für die Predigt ꝛc. des Herrn Prof. Sell, von deren Ertrag eine Kaſſe für taubſtumme Konfirmanden gegründet werden ſoll, iſt ferner bis heute eingegangen:

Von 12 8 J Exempl. fl. kr. Herrn Pfarrer Schäfer in Büdesheim 5 2 l Herrn Bürgermſtr. Schweitzer in Heldenbergen 5 30

Schulvikar Adam in Rommelhauſen 1 12 Von Staden 14 24 Frau Hofrath Müller aus Homburg v. d. H. 12 Der verwitweten Frau Gräfin Solms⸗Rödel⸗

heim, Erlaucht zu Rödelheim 11 11 Einem Ungenannten 16 12

Friedberg den 13. September 1838.

C. Bindernagel.

b

Bekanntmachungen von Behoͤrden. E Mobilien ⸗Verſteigerung. (1040) Dienſtag den 25, d. M., von Morgens 9 Uhr und Nachmittags 2 Uhr an, ſoll in der Jakob Engels Behauſung in der Uſergaß, auf Antrag der Jakob Engels Kinder, deren Mobilien erbvertheilungshalber öffentlich meiſtbietend verſtei⸗ gert werden, dieſe beſtehen: in Gold, Kupfer, Meſ⸗ ſing, Zinn, Eiſen, zwei Schnappwaagen, Bettladen zꝛc., vollſtändige Betten, Betttücher, Vorhänge, Spie⸗ gel, ſonſtige Hauswobilien, zwei Keltern, eine Par⸗ tie Faßtauben, 7 gutgehaltene Stückfaß, 6 Zulaſt⸗, 7 zweioͤhmige Fäſſer, 5 anderthalböhmige Fäſſer, 20 Ohmfäſſer, 15 halboͤhmige Fäſſer, Brandwein⸗ und Sauerkrautfäſſer. f Friedberg den 14. Sept. 1838. In Auftrag großh. heſſ. Landgerichts: Der Buͤrgermeiſter D. Fritz. i Hofraithe-Verſteigerung.

(1041) Nach der Verfügung großherzoglich heſ⸗

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