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Intelligenzblatt
für die
im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
* 32.
Sonnabend, den 11. Auguſt
1838.
Neueſtes aus Friedberg.
Am 3. Auguſt Nachmittags etwa nach 3 Uhr langte hier eine ſehr vornehme Herrſchaft an, hielt ſich aber nur ſo lange auf, bis die Poſtoferde um⸗ geſpannt waren. Die Poſt wußte nur, daß es der Herr Graf von Borodinski ſey, der in dem ſechs— ſpännigen Wagen angekommen wäre, und daß über— haupt etliche dreißig Pferde verlangt worden wären. Die Leute auf der Straße mußten wohl eine ſehr hohe Perſon hinter dem Herrn Grafen vermuthen, denn ſie waren ſehr zahlreich um den Wagen verſammelt, als wenn ſie den künftigen Beherrſcher eines großen Reiches ſehen wollten, in deſſen Hand das Schickſal vieler Millionen zu liegen kommt.
Etwas ſpäter wurden die Friedberger durch die unvermuthete Ankunft Sr. Hoheit des Prinzen Karl von Heſſen und Höchſtdeſſen Gemahlin, der Prinzeſſin Eliſabeth Königlichen Hoheit überraſcht. Als ſie ſich aber über dieſen hohen und ihnen theuern Beſuch erſt recht freuen wollten, da war er leider ſchon wieder weg, ſo daß ſie nicht einmal Zeit hatten, ihre Freude ein wenig zu äußern.
Nekrolog.
Am 30. Juni ſtarb zu Niedereſchbach der Schul— lehrer Johannes Aßmann. Er wurde zu Eſchen⸗ rod geboren; ſein Vater war da Schullehrex, In Niederrosbach, wohin der Vater verſetzt wurde, verlebte er ſeine Jugendjahre. Der Dahingeſchiedene beſuchte im Jahr 1819 das Schullehrerſeminar zu Friedberg. Hier gehörte er zu denjenigen Semina⸗
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riſten, mit denen die Lehrer zufrieden waren. Nach Beendigung ſeines zweijährigen Kurſus vikarirte er die Schulſtelle zn Beuern. Erfahrungen, die er hier machte, bewogen ihn, nachdem dieſes Vikariat zu Ende war, eine Hauslehrerſtelle nahe am Rhein anzunehmen, die ihm der Herr Seminardirector Pro— feſſor Dr. Roth empfehlen hatte. Die freien Stun⸗ den, welche ihm hier blieben, verlebte er meiſtentheils einſam im Tempel der Natur. Die Natur iſt eine unerſchöpfliche Quelle reinſter Freuden. Sein Herz war für ſie offen. Zwei Jahre, die er hier verlebte, zählte er immer zu den ſchönſten ſeines Lebens. Durch beſondere Begünſtigung des Herrn Oberſchul— directors Heſſe wurde ihm 1824 von der vorhini⸗ gen Provinzialſchulbehörde zu Mainz die definitive Verwaltung der Schulſtelle zu Heimersheim, Kreiſe Alzei, übertragen. 1827 wurde er auf ſeinen Wunſch nach Niedereſchbach verſetzt. Die Gemeinde Heimersheim wollte ihm 50 fl. zulegen, wenn er ſein Dekret zurückgäbe; allein er ſchlug die Zulage ab, um ſeinen ſchon bejahrten Eltern in der Nähe ei⸗ nige Erleichterungen gewähren zu können. Unermuͤdet wirkte er, bis ſich der frühe Abend ſeines Lebens nahete. Wo er war, überall erwarb er ſich die Achtung derer, mit denen er in Berührung kam. Seine Freunde und Wohlthäter liebten ihn, und er ehrte die als ſolche erkannte mit einer Art kindlicher Pietäte. Am 30. Juni erfolgte, wie wir ſchon bemerkt haben, ſein Tod, der ein ſaufter war, herbeigefuͤhrt durch Bruſtbeſchwerden. Den 2. Juli wurde er beer— digt. An der Amtswohnung des Betrauerten ſetzte ſich der Zug der Leidtragenden unter dem dumpfen Geläute der Glocken in Bewegung. Auf dem Friedhof ange⸗


