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wohl zu andern Zwecken benutzt wurden und noch benutzt werden. In Italien, beſonders in den Städten Rom und Neapel, ſind ebenfalls dergleichen unter⸗ irdiſche Gemächer, die man nach den unterirdiſchen Todtengewoͤlben in Egypten Catacomben nennt. Es ſind das dieſelben, in welchen die erſten Chriſten zur Zeit der Verfolgungen und Bedrückungen ihre gottesdienſtlichen Zuſammenkünfte zu halten pflegten. Daß ein großer Theil der großen Haupt- und Welt⸗ ſtadt Paris auf ähnliche Art unterminirt iſt, wiſſen die Bewohner und noch Andere recht gut. Die ge⸗ waltigen unterirdiſchen Gemächer daſelbſt ſollen ur⸗ ſprünglich nur Steinbrüche geweſen ſeyn, in welchen die Bewohner den nöthigen Bedarf von Steinen zum Bau ihrer Häuſer holten. Als ſie Gefahr zu dro⸗ hen ſchienen, fing man an, dieſe gewaltigen Räume, welchen man ebenfalls den Namen Catacomben gab, mit Pfeilern zu verſehen, wo's nöthig war, und im Jahr 1786 wurden auf Befehl der Regierung alle Gebeine von den verſchiedenen Kirchhöfen aus allen Jahrhunderten hier untergebracht, wahrſchein⸗ lich damit man bei der bevorſtehenden Revolution auf denſelben Platz genug zu neuen Gebeinen erhal⸗ ten könne; denn in dieſer Zeit kam es auf einige Dutzend Menſchenleben mehr oder weniger nicht an.
Von dieſen Catacomben zu Paris kommen wir direkt auf die zu Friedberg. Sie ſind zwar nicht ſo groß, wie die zu Paris, wie denn die Stadt ſelbſt nicht ganz mit Paris ſich meſſen kann; ſie ſind aber groß genug, daß wir ihrer hier gedenken dür⸗ fen. Wir verſtehen darunter nicht die großen und alten Keller, welche ſich unter mehreren der bedeu⸗ tendſten älteren Häuſer, auch hier und da in Gär⸗ ten und Höfen befinden, ſondern die ſogenannten Lehmlöcher, welche mehrere unſerer Häuſer neben oder vielmehr unter ihren Kellern haben, und die ſich oft weit von denſelben und über die Straßen erſtrecken. Einige derſelben ſind wohl ſehr alt, und haben vielleicht zu Bergungsplätzen in Kriegszeiten gedient. Von andern dagegen wiſſen wir, daß ſie ganz neuen Urſprunges ſind und von den Eigenthuͤ⸗ mern theils angelegt wurden, um Lehm zu gewinnen, theils um eine gute Lagerungsſtätte für Bier zu er⸗ halten. Daß dies nicht ihre einzige Beſtimmung iſt, kann man ſich denken; mehrere mögen im Sommer zur Aufbewahrung des Fleiſches und anderer Dinge, welche die Wärme nicht gut vertragen können, be⸗ nutzt werden.
Obgleich nicht alle dieſe Lehmlöcher oder friedberger Catacomben mit der gehörigen Kenntniß und Vorſicht angelegt worden ſeyn mögen, ſo hat man doch bisher noch von keinem Unglücke gehört, das durch ihren Einbruch entſtanden wäre. Das hindert indeſſen nicht, die Aufmerkſamkeit der Behöoͤr⸗ den auf dieſes Fridberga subterranea zu wenden, W ſchon geſchehen iſt. Sowie alljährlich in allen Theilen des Landes von Bau⸗Experten
plar dieſes Schriftchens auszugeben.
nachgeſehen werden muß, daß in den Wohnhäuſern nichts angelegt wird, was feuergefährlich iſt, ſo konnten recht gut einmal Männer, die's verſtehen, angewieſen werden, um nach ſämmtlichen Catacom⸗ ben in Friedberg zu ſehen, ob ſie gehörig gewölbt und feſt genug ſind, um nicht einmal nach bedeu⸗ tenden Regen, beſonders im Frühjahre, den Einſturz der über ihnen ſtehenden Häuſer zu bewirken. Ganz überflüſſig moͤchte das nicht ſeyn; im Gegentheil liegt der Gedanke jedem nah genug, der da weiß, daß vor wenigen Wochen in einem ganz neu gebau⸗
ten Hauſe die Küche in ein ſolches Lehmloch ſtürzte.
Dieſer Sturz brachte weiter kein Unglück, als daß er den Haus⸗Eigenthümer in die Koſten von etlichen hundert Gulden ſetzt; wenn er aber zur Folge hat, daß er die Aufmerkſamkeit der Polizei auf einen Gegenſtand bringt, den nicht ſo iſt er noch recht nützlich geweſen.
Hier hätten wir die ſchicklichſte Gelegenheit, von
dem berühmten unterirdiſchen Gange in Friedberg zu reden, in welchem ſich die zwölf Apoſtel, ganz von Silber hunderten aufbewahrt befinden; wir wollen aber das auf eine andere Zeit verſparen, und wird am Beßten alsdann von ihnen geſprochen werden, wenn ſie ein⸗ mal zu Tage kommen.— Von dem berühmten Judenbade, auch einem unterirdiſchen Gemache,
iſt anderwärts ſchon genug die Rede geweſen.
Fuͤr Menſchenfreunde.
In Nr. 26. unſeres Blattes geſchah der ſchoͤnen Feier Erwähnung, welche die Mitglieder des Hülfs⸗ Vereins zum Gedächtniß der 25jährigen Stiftung deſſelben begingen. Heute können wir den Leſern mittheilen, daß das dort erwähnte Schriftchen nun erſchienen iſt, und den Titel führt:
Die fünfundzwanzig jährige Gedächt⸗
1 des Huͤlfsvereins zu Fried⸗ erg.
Dieſes Schriftchen enthält außer der Vorrede und Beſchreibung des Feſtes das für daſſelbe ver⸗ fertigte Gedicht des Direktors Dr. Crößmann, die dabei gehaltene Rede des Prof. Fert ſch und den Generalbericht des Prof. Dieffenbach. Wer Sinn für menſchenfreundliche Anſtalten der Art hat, den wird es nicht reuen, 12 Kreuzer für ein Exem⸗ Was mehr einkommt aus dem Erlöſe der Exemplare als Druck und Papier koſten, wird von dem Hülfsverein fur wohlthätige Zwecke verwandt.)
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4) Bei dem Unterzeichneten ſind Exemplare dieſes Schrift⸗ chens, im Auftrage des Hülfsvereins, für 12 kr. zu haben.
Carl Bindernagel.
gearbeitet und ſchön verguldet, ſeit Jahr⸗
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