Ausgabe 
7.7.1838
 
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rovinz Oberhessen

im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

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* 27.

Sonnabend, den 25 Juli

1838.

Die Wetterau zu Ende Juni.

Wenn man dieſes Frühjahr unſere Wetterau durchwanderte, ſo wurde Auge und Herz nicht ſehr erfreut; noch weniger konnte man gewaltige Hoff nung wegen der künftigen Aerndte hegen. Es hatte ſogar bis zum Monat Juni den Anſchein, als wollte ſich das zunſelige Jahr 1816 erneuern. Die Bäu⸗ me waren entweder durch die Winterkalte gedrückt, oder von Raupen zernagt, die Winterfrüchte ſtan den nicht gewaltig, die Futterkräuter, welche ſchon mehrere Sommer verſagten, ſchienen verſchwinden zu wollen. Aber Alles änderte ſich ſo ſchnell zum Beſſerẽn, daß es faſt einer Bezauberung gleicht. Freilich finden ſich hier und da noch jetzt Bäume, welche kaum wieder eine Spur von Leben zeigen, ſo ſehr ſind ſie durch die Raupen zu Grunde gerichtet. Aber doch verſprechen an dikſem und jenem Orte ſtrich weiſe die Bäume beſonders die Aepfelbäume, bei Weitem mehr, als man vor Monaten erwartete. Dagegen zeigt die Winterfrucht einen überreichen Se⸗ gen. Die Sommerfrüchte könnten nicht erwünſchter ſtehen, und Klee-Aecker und Wieſen bringen eine Fülle von Fütterung, wie ſie ſeit langer Zeit nicht getragen haben. Auch in den Gärten gewahrt man eine Ueppigkeit der Pflanzenwelt, wie ſie gewiß nur ſelten ein Jahr erzeugt.)

Wohin jetzt das Auge ſich wendet, da zeigt ſich junges, friſches Leben, überall Pracht und Fülle in der Natur. Wer jetzt mit empfänglichem Sinne ) Noch kürzlich ſah Schreiber dieſes in einem Garten eine

Spargelpflanze von zehn Fuß Höhe, und eine ſ. g

Feuerlilie, welche an Einein Stiele fünf und vierzig Blumen trug

unſere geſegneten Fluren durchwandert, dem Ide das Herz vor Freude über alle die Schönheiten, die er von Nahe und Ferne erblickt, und unwillküͤhrlich richtet ſich ſein Blick nach oben zu dem, von welchem dieſe Pracht und Fuͤlle kommt; unwillkührlich fallten ſich die Hände zum Dunkgebete zu dem Weſen, das ſeine Sonne ſcheinen läßt über die Böſen und Gu⸗ ten, und regnen läßt über Gerechte und Ungerechte.

In der That beneiden wir unſere Großſtädter um ihre Vergnügungen keineswegs. Ein Gang in

die Natur beſonders in den Morgenſtunden iſt jetzt

ſo reich und ſo lohnend, daß er mit etwas Anderm gar nicht verglichen werden kann. Es iſt, als nickte jede Aehre freundlich den Beſchauer an, und ermun⸗ terte jeder Grashalm zur Freude. In jeder Thau⸗ perle leuchtet ein ſeelenvolles Auge uns entgegen, und jede Lerche ſingt uns eine Hymne.

Aus Nord-Amerika. (Beſchluß.) 29 Militär.

Das Militär beſteht hier aus 3 verſchiedenen Klaſſen: 1) Militzen, 2) Volontärs und 3) United Staats Service(oder Linien⸗ W Zur Erſte⸗ ren gehört jeder Bürger vom 21. bis 45 Jahre, welcher nicht fouremän(das 11 zum Feuer⸗ löſchen auf 7 Jahre bei einer Spritzen⸗ Compagnie

Dienſt zu thun) oder Volontär iſt. Die Militzen ſind in Regimenter eingetheilt, dieſe in Brigaden und ſo fort. In jedem Staat iſt der Gov ernor,

welcher alle zwei Jahre gewählt wird, General en Chef. Er hat ſeine Untergenerale, 755 die Sub⸗ alternofftziere werden von den einzelnen Compag⸗