Frauenkloſter Nied er⸗Ilbenſtadt ſtand und jetzt ein Pachthof iſt. Du haſt neben Dir einen ſchönen Hain, in demſelben ein Foͤrſterhaus; vor Dir erhebt ſich die prächtige altdeutſche Kloſterkirche; hinter derſelben ſchließt der Taunus das Gemälde, das an der Rechten Aſſenheim hat.
Kommſt Du vielleicht von Homburg her? Ei, ſo laß doch Deinen Wagen ein wenig in Koͤppern ſtehen, und gehe dem Thale aufwärts, das nach dem Kloſter Thron führt, bis da, wo an der ur⸗ alte Pfahlgraben an der ſ. g. Lochmühle daſſelbe durchſchneidet. Der Erlenbach zieht durch dieſes Thal. Es gehort zwar großen Theils zu Heſſen⸗ Homburg; die Gränze iſt aber an beiden Seiten ganz nahe, und der Weg wird Dich nicht reuen.
Willſt Du einen Tag in Friedberg verweilen, ſo führen wir Dich in das Usthal, das bei Ober⸗ Mörle ſeinen Anfang nimmt. Dort aber ſiehſt Du noch nicht, daß wir, ehe wir eine halbe Stunde weiter gegangen ſind, in einer Gegend ſeyn werden, welche mit den ſchönſten des Odenwaldes wett⸗ eifert. Auf beiden Seiten rücken plötzlich die Berge näher. Hier klappert eine Mühle die wider die Bergwand ſich lehnt; durch das Thal ſchlängelt ſich die Uſa; vor Dir thront auf einem Felſen das ſchöne Stammſchloß der alten Herren von Diede zum Fürſtenſteinz an den Felſen ſchmiegt ſich das trauliche Dörflein Ziegenberg. Du ſteigſt erwartungsvoll vor das Schloß, und wohin Du blickt, wird Dein Auge erfreut über die Schönheiten der Nähe. Du kannſt nicht umhin, weiter in die
beiden Thälchen zu wandern, und wohin Du kommſt, indeſt Du Natur und Kunſt im lieblichſten Vereine. Um die ſchönſten engliſchen Anlagen zu bilden, be⸗ durfte es nur eines Kenners, und der fand ſich. Hier lebte der letzte Stammherr Diede. Er hatte Deutſchland, und Frankreich und Italien geſehen, und hier verſammelte er um ſich ſeine Freunde. Hier konnteſt Du oft den Dichter Göthe bei ihm ſehen, wie ſpäter noch der ehrwürdige Freiherr von Stein nicht ſelten ſich hier einfand, als der alte Herr
ſchon längſt bei ſeinen Vätern war.— Du kannſt
auch in das Schloß gehen; die edle Beſitzerin macht ſich eine Freude daraus, es Dir zu zeigen. Du wirſt mehr Kunſtgegenſtände hier finden, als Du glaubteſt. Jedes Zimmer iſt geſchmackvoll dekorirt; die Bib⸗ liothek enthalt koſtbare Werke; die Wände des
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Saales ſind mit den ſchönſten Anſſchten von Rom und Neapel geziert. Wir treten wieder aus dem Schloſſe, und es nimmt uns der Wald auf. Wie ſchön wandelt ſich's hier! Da und dort öffnet ſich eine neue Ausſicht. Endlich gelangen wir an einen beſonderen Platz. Hier konnteſt Du, wenigſtens
noch vor mehreren Jahren, ein ſchoͤnes Monument
im Walde finden, deſſen Inſchriften von Gothe herrührten. Es iſt nicht mehr da, ſondern nach dem Hofe der Oekonomie⸗Gebäude gebracht, die ſich hinter dem Schloſſe befinden, und in deren Nähe ein klares
Bächlein aus einem anderen Thälchen kommt, das an Lieblichkeit dem größeren nichts nachgibt.—
Man wähnt, als könne man ſich nicht trennen von
dieſer Gegend. Die Sonne hat ſich bereits hinter die Berge begeben, als wir das freundliche Ziegen⸗ berg ve nach Friedberg zurück. 9 ch iſt das Herz Dir voll von den Schönheiten, die ſich heute Dir darboten. Noch einmal ſchauſt Du nach dem Thale zuruck,
ehe Du es verläͤſſeſt, und der Abendhimmel zeigt
eine Thräne der Rührung in Deinem Auge. Warum
ſich ihrer ſchaͤmen? Das iſt ja das ſchönſte Zeichen,
daß wir göttlichen Urſprungs ſind. Dem Menſchen
allein auf Erden ſind Thränen verliehen; ſie ſagen
dem Menſchen, ſeinem Bruder, daß er ein Herz habe,
welches für Freude und Schmerz empfänglich iſt. (Fortſetzung folgt.)
F
Schmackhafte Literatur.
Vor einigen Tagen übergab ein gewiſſer Herr L. einen Zettel, worauf die Worte„P. de Kok p. 1.“ ſtanden, ſeiner Magd mit den Worten, hol mir das, was darauf ſteht. Die Magd, die für Herrn L. ſeither weiter nichts, als Beſtellungen an den Wirth K. beſorgt hatte, glaubt, daß ſie, wie gewöhnlich, Speiſe und Trank holen ſolle und
begiebt ſich daher eilig zum Wirth K. Dieſer hatte
ſich zwar einige Zeit in Frankreich aufgehalten
eben ſo wenig die Rechtſchreibung erlernt, weßhalb er denn auch in dem Zettel nur die Beſtellung auf einen Hahn(cog) findet.„Hahnen,“ ſagt er daher zur Magd,„ſind eben nicht da; aber ich will
rläſſen. Wir wandern durch das ſtille Thal
allein von einem Dichter Kok nichts gehört und


