Ausgabe 
4.8.1838
 
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nicht ſind, was die naſſauiſchen, badiſchen, böhmi⸗ ſchen u. ſ. w. ſo werden ſie doch gar Manchem, der hier ſich zu erholen wünſcht, Geiſt und Körper ſtär⸗ ken. Ein wenig ſtille iſts auf den Straßen des freund⸗

lichen Städtchens; für Viele iſt das indeſſen gerade

erwünſcht. Wer aber ein regeres Treiben vorzieht, der fahre wöchentlich ein oder zweimal nach Frank⸗ furt. Hier ſieht er, beſonders zur Meſſezeit, Men⸗ ſchen genug auf den Straßen, oft ſogar mehr, als ihm lieb iſt, und in den großen Gaſthäuſern kann er haben, was er will nämlich fürs Geld, und iſt dort überhaupt ein theures Pflaſter. Dagegen kann er zu Homburg den Friedrich mit dem ſilbernen Bein umſonſt ſehen, und die Nachti⸗ gallen im Schloßgarten umſonſt hören. Und wenn er die andern ſchoͤnen Gärten und Wald-Anlagen bis zum Eliſabethenſtein zu Fuß beſucht, ſo koſtet ihn der ſchönſte Gang im Walde keinen Hel⸗ ler; er müßte denn der Frau ein Trinkgeld geben, welche ihm die Dammhirſche zeigt, die auf ihren Ruf herbei eilen.

2) Nauheim.

Im kurheſſiſchen Flecken Nauheim ſind ſeit einigen Jahren Soolbäder eingerichtet worden, die in den letzten Sommern ſchon recht fleißig beſucht wurden. Die Natur hat hier viel gethan; der herr⸗ lichſte Waſſerſtrahl ſtrömt eine Menge Salzwaſſers aus, das eine Wärme von 24 bis 25 Grad(Reau⸗ mur) hat. Neben dem Orte erhebt ſich der freund⸗ liche Johannis- Berg, auf welchem der alter⸗ thümliche Thurm der ehemaligen Johanniskirche weit⸗ hin ſichtbar iſt. Dazu kommt das trauliche Nau⸗ heim ſelbſt mit ſeinem Walde in der Nähe, das ſogenannte Teichhaus, die Saline mit ihren gewal⸗ tigen Gradir-Gebäuden, etwas weiter das Dörfchen Schwalheim mit ſeinem ausgezeichneten Sauer⸗ brunnen, die Nachbarſchaft des Städtchens Fried⸗ berg, das gewiß jeden Fremden anzieht, und dgl. mehr. Alles das könnte nicht günſtiger ſprechen für eine Bade-Anſtalt. Es war darum ein glücklicher Gedanke, daß die kurheſſiſche Regierung im Herbſte 1834 ein Badehaus anlegen ließ. Schon im Som⸗ mer 1835 konnte dasſelbe benutzt werden, und wurde auch von dieſer Zeit an jeden Sommer beſucht. Schade nur, daß die Lokalität zu beſchränkt iſt. Der unterſte Stock des Hauſes war nur für neun Bäder eingerichtet; im oberen befinden ſich eben ſo viele Wohn⸗Zimmer und außer denſelben ein Geſell⸗ ſchaftsſaal. Zu eben der Zeit, wo das Badehaus errichtet wurde, fand die Erbauung eines neuen Gebäudes an dem Sauerbrunnen zu Schwalheim ſtatt, wo die alten Gemächer für die Sommerbelu⸗ ſtigungen nicht mehr ausreichten. Allein auch dieſe neuen Räume entſprechen nicht ganz den Erwar⸗ tungen des Publikums. Hier wie in Nauheim hätten mehrere tauſend Thaler nicht geſpart werden dürfen; denn wer den Zweck will, darf mit den

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Mitteln nicht allzu karg ſeyn, und die günſtige Zeit ſchwindet leicht dahin, wenn ſie nicht benutzt wird. 3) Salzhauſen.

Weder die Quellen noch die Umgebungen von Salzhauſen können ſich mit den zu Nauheim meſſen. Deſto mehr aber iſt von Seiten der Behöoͤr⸗ den gethan worden, um Salzhauſen zu einem förmlichen Bade⸗Orte einzurichten. Mit der gröͤß⸗ ten Bereitwilligkeit wurden die nöthigen Summen bewilligt; mit allem Eifer und aller Sorgfalt han⸗ delten die Lokalbehörden; und was man ſo betreibt, das pflegt auch zu gelingen. Salzhauſen hat alljähr⸗ lich an Ruf gewonnen, wurde jedes Jahr mehr beſucht. Allmählig erhoben ſich auch mehr Gebäude,) ſchwan⸗ den die kahlen Höhen und machten freundlichen Anlagen Platz. Die Umſicht und Thätigkeit der dortigen Aerzte, zuerſt des Herrn Dr. Graff, nach

ſeinem Abgange des Herrn Dr. Möller, trugen 0

nicht wenig dazu bei, dem Bade den Ruf zu erwer⸗ ben, welchen es in einer Gegend erlangt hat, wo ſich doch ſo viele Bäder befinden. In der That kann ſich Salzhauſen auch rühmen, daß es ver⸗ hältunißmäßig die meiſten Curgäſte, welche dort die Wiederherſtellung ihrer Geſundheit ſuchten, geheilt und geſund entließ. So etwas iſt allerdings für ein Bad die beßte Empfehlung, die man ihm mit⸗ geben kann. f.

Durch die neu errichteten Straßen iſt zugleich einem großen Bedürfniſſe abgeholfen. Zuerſt wurden die Orte Nidda und Salzhauſen durch eine Chauſſee mit der von Alsfeld nach Friedberg führenden bei Berſtadt in Verbindung geſetzt. Sodann wurde die neue Straße von Nidda nach Schotten vollendet. An dieſe beide knüpfen ſich wieder andere Neubauten, und es wird in wenigen Jahren nach allen Richtungen hin der Curgaſt bequem hin und herfahren können.(Ueber den Straßenbau in der Wetterau halten wir uns vor, ein anderes Mal ein Mehreres zu berichten.)

ſind bereits 80 Lokale für die Kurgäſte eingerichtet. Außerdem ſtehen noch einige Privathaͤuſer zu ihrer Aufnahme offen. Der Beſuch iſt aber auch in dieſem Jahre wieder ſo ſtark, daß viele Fremde bis Mitte Juli noch nicht unterkommen konnten.

*) Im Badehaus

Die kaiſerlichen Freiwerber in Friedberg.

Zu den mancherlei Rechten eines deutſchen Kai⸗ ſers gehörte auch namentlich die Befugniß, während ſeines Aufenthaltes in den vier Reichsſtädten Frank⸗ furt, Friedberg, Wetzlar und Gelnhauſen eine der daſigen Bürgerstöchter mit einem ſeines Gefolges zu verloben. Es durfte dieſes jedoch nur auf fol⸗ gende Weiſe geſchehen: 2 i

Sobald der Liebhaber dem Kaiſer ſein Anliegen mitgetheilt hatte, mußte dieſer ſeinen Marſchall vor der erwählten Bürgerstochter Haus ſenden, und der Marſchall folgenden Vers laut herſagen:

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