Ausgabe 
27.5.1837
 
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von Lehmann und des Herrn Geheimen Staats rathes Knapp. Als landesherrlichen Commiſſär hatte man mit allgemeiner Freude den Hrn. Präla⸗ ten Dr. Köhler begrüßt, welchem ſich ein Zug von 90 evangeliſchen Geiſtlichen aus den 3 Pro vinzen des Großherzogthums anreihte.

Die ganze Feſtlichkeit erfreute ſich einer allge meinen Theilnahme, ſowohl von Seiten der Bewoh ner Friedbergs als ſelbſt vieler Bewohner der Nach barſchaft, und es muß rühmlichſt erwahnt werden, daß nicht nur in den überfüllten Kirchen, ſondern auch während des großen feierlichen Zuges von der Burgkirche nach der Stadtkirche die größte Ruhe und Ordnung und eine des Feſtes wuͤrdige feierliche Stille herrſchte. Lach beendigter Feſtlichkeit ver einigte man ſich bei einem Gaſtmahle in den Sälen des Burggrafiats, und damit dieſer Feſttag Allen ein Tag der Freude ſeyn möchte, war von dem Stadtvorſtande die Bewirthung der Armen, 120 an der Zahl, veranſtaltet worden.

Wie dieſer Feſttag ſchon darum allen Theil nehmenden unvergeßlich iſt, weil er innerhalb un ſeres Landes ſicher nur Einmal erlebt werden konnte, ſo prägt er ſich wegen ſeiner hohen Bedeutſamkeit dem Andenken unauslöſchlich ein. Er wird noch den ſpäteſten Zeiten ein unzweideutiges Zeugniß ſeyn von der wahrhaft landesväterlichen Fürſorge Sr. Königlichen Hoheit des Großherzoges zur treuen Pflege der theuerſten Angelegenheiten des Vaterlan des und wie mit Vorbedacht hinzugefuͤgt wird der Menſchheit.

Die Selbſtſucht hat in neuerer Zeit Rieſen ſchritte gethan, ſich zum Nachtheile des Gemein wohles und zum Nachtheile jeder beſonnenen und gründlichen Fortbildung geltend zu machen. Sobald der Einzelne, was ihm von ſeinem beſchränkten Geſichts- und Standpunkte aus gut dünkt und be- hagt, ohne Weiteres auf gut Glück zu betreiben und durchzuſetzen unternimmt und ſeine Mittel nicht nach ihrer ſittlichen Beſchaffenheit, ſondern nur nach ihrer ihm wahrſcheinlichen Zweckmäßigkeit beurtheilt, und dieſe Richtung auf den verſchiedenſten Stufen des bürgerlichen Vereines hervortritt, ſobald iſt für die gemeinſame Wohlfahrt kein Stern mehr, der da leuchtet. Und höchſt ſeltſam klingt es, wenn man meint, die fortſchreitende Cultur ſey Schuld an ſolchen Erſcheinungen. Fortſchreiten mögen immer

die Meuſchen in allen Zweigen der Wiſſenſchaft und Kunſt, ein Jeder nach ſeiner perſönlichen Befähigung, ſoviel ihnen nur möglich iſt; und ſie ſollen dies thun. Aber möchten ſie nur immer es thun im chriſtlichen Geiſte, d. h. in demuthvoller Anerkennung, daß ihr ſchönſter und werthvollſter Beſitz an Kenntniß und Einſicht ein Geſchenk der Vatergüte Gottes iſt, deſſen ſie ſich nur dann dankbar erfreuen, wenn Jeder, aufrichtiger Bruderliebe voll, Alles, was ihm anvertraut worden, hingiebt und mittheilt zur Förderung der Wohlfahrt Aller. Dann findet das Schlechte, welches nie ganz ausbleibt, in dem guten Geiſte der Mehrheit ſtets das erforderliche Gegen gewicht. Dann kann es, wo es einmal, und von welcher Seite her dies ſeyn möge, mit beſonderer Keckheit auftritt, nicht ſogleich und überall auf Helfershelfer rechnen. Dann nur wird nicht immer Ein Menſchenalter an den Wunden zu heilen haben, welche die Verkehrtheit des fruheren geſchlagen hat, ſondern man wird einmal Ruhe gewinnen, um an den ſchoͤnen Bau der Humanität geſchickte und fromme Hande zu legen, damit er ein wenig herrlicher ſich geſtalte. Die Menſchheit wird ihre Aufgabe nur loſen, wenn die einzelnen Glieder derſelben über ihr wahres Wohl mehr und mehr aufgeklärt und und wenn die unter der Selbſtſucht glimmender Funken eines menſchenbeglückenden chriſtlichen Ge meingeiſtes angefacht und zur Flamme geſteigert werden. Wo dieſer glüht und leuchtet, da lebt Einer für Alle, und Alle finden in dem Wohle und Wehe jedes Einzelnen ihre Freude und ihren Schmerz.

Heil unſerer Stadt, welche gewürdigt worden, der Sitz einer Anſtalt zu ſeyn, welche an ihrem Theil mit beitragen wird, daß man jenem Ziele ſich nähert, welche den chriſtlichen Gemeingeiſt unter den Geiſtlichen evangeliſcher Confeſſion und durch dieſe unter den evangeliſchen Bewohnern des Groß- herzogthums zu beleben und zu kräftigen berufen iſt; Heil allen den Männern, welche ſich ſagen durfen, zur Gründung dieſer Anſtalt nach Stand und Kräften mitgewirkt zu haben; Heil dem erhabenen Regenten, deſſen Wille die Anſtalt ins. Leben treten ließ und deſſen Name mit den ſegensreichen Wirkungen des evangeliſchen Prediger-Seminariums bis auf die ſpäteſten Nachkommen fortleben möge!