Ausgabe 
25.3.1837
 
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weins in der Jugend ſollten abhalten laſſen. Doch, vielleicht beachten ſie es nicht, gerade weil es kein Aberglaube, ſondern Wahrheit iſt, welche ſo oft dem Aberglauben nachſtehen muß.

Nicht blos der Leib, ſondern auch die Geiſtes⸗ kraft ſchwindet unter der Wirkung des Branntwein⸗ geiſtes. Seine vieljährigen Verehrer ſind in der Regel das Bild des Stumpfſinnes und der Dumm⸗ heit. Kein vernünftiger ja gar kein Gedanke bewegt ſich im Kopfe, kein verſtändiges Wort geht über die Zunge. Ein früher ſehr verſtändiger Mann, bei welchem die Nachbarn und Bekannten ſtets guten Rath fanden, war durch dies Laſter ſoweit geſunken, daß er faſt zu keiner deutlichen Vorſtellung mehr gelangen konnte, ſondern, bevor er zum Sprechen kam, einige Minuten Hände, Arme und Schultern bewegte, als wäre er im leb⸗ hafteſten Vortrage einer großen Wahrheit begriffen, weil er vermuthlich nur eine dunkle Ahnung von dem Gegenſtande hatte, den er behandeln wollte, und welche unter dieſen gewaltigen Bewegungen erſt zum Leben zu kommen ſchien. Nebſt dem Ver ſtande verſchwindet aber zugleich alles Gefühl für Edles und Gutes. Wofür kann ſich der Säufer begeiſtern, als für die Flaſche? Nur ihr Anblick zwingt ihm ein Lächeln ab; für alles Andere, was Mäßige mit Jubel erfüllt, iſt er taub und gefühl⸗ los. Gegen Alles, was Andere empört, iſt er un⸗ empfindlich. Ehre und Schande, Lob und Tadel, Liebe und Verachtung verliert die Wirkung auf das Gemüth eines Menſchen, der ſich lange dem Ge ſpötte, dem Gelächter, dem Abſcheu der Welt Preis gegeben hat. Das Gehirn iſt verknöchert, das Ge müth iſt für Liebe und Haß unfähig. Nur ein böſer Geiſt beherrſcht und beſitzt ihn ganz, nämlich der Branntweingeiſt, der alle gute Geiſter austreibt.

Die völlige Zerſtörung des Edlen durch den Branntwein macht ſich beſonders dadurch kund, daß ſeine Verehrer unter ſeltenen Ausnahmen allmählig für die Eindrücke der Religion ganz ab⸗ ſterben und zuletzt gewöhnlich unkirchlich werden. Aufmerkſame Beobachter der Menſchen haben ein⸗ ſtimmig dieſe Erfahrung gemacht, und bei den gei⸗ ſtigen und leiblichen Verwüſtungen des Branntweins müßte man ſich darüber wundern, wenn es nicht ſo wäre. Die Wirkung des Branntweins iſt daher ein wahrer Entmenſchungsprozeß und wer wüßte

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nun nicht die Laboratorien dieſes Prozeſſes zu nennen?

Betrachten wir nun den Branntweinmenſchen in dem Zuſtande geiſtiger Zerſtörung, ſo bemerken wir nur eine Vorſtellung, einen Gedanken, ein Verlangen, wovon er ganz erfüllt iſt, alle ſeine Bewegungen wie ſein ſchwaches Willensvermögen ſo beherrſcht, daß von freiem Willen keine Spur mehr vorhanden iſt, und dieſes Eine iſt der Branntwein, der wie ein böoͤſer Geiſt in ſein Ge⸗ hirn gebannt iſt und ihn einem Beſeſſenen gleich macht, den ein böſer Geiſt überall hinzerrt, wohin er nicht will, und ihn zwingt, auch wenn er ſich unter Reue und Verzweiflung das Gegentheil vor nimmt, in die Schenke zu gehen. Gleicht nun die ſer Zuſtand dem eines Wahnſinnigen, ſo iſt es nicht zu verwundern, wenn ein Arzt in einer Schrift die Säufer für Wahnſinnige erklärt und ſie durch dieſelben Mittel zu heilen vorſchlägt, welche bei Wahnſinnigen angewendet werden.

Doch, wenden wir nun den Blick von dem Bilde des Säufers ab und auf die wahre Beſtim mung des Branntweins. Wir bemerken nämlich, daß der Branntwein ein Vedürfniß der Völker un⸗ ter ſehr kalten Himmelsſtrichen iſt, welche von der Strenge und langen Dauer der Kälte geiſtig und leiblich erſtarren und die daher dieſes Belebungs mittel weil ihnen die Natur kein anderes darbietet nicht nur bedürfen, ſondern es auch wegen ihrer Unempfindlichkeit beſſer vertragen. Je milder der Himmel iſt, deſto feiner und reizbarer iſt der Menſch organiſirt und bedarf dieſes Mittels nur in gerin⸗ gerem Grade; die größere Menge wird ihm verderb⸗ lich. Wenn daher die Neigung zum Branntwein bei uns ferner zunimmt, wie es bisher der Fall war; ſo muß allmählig der Lebenskeim der Nation zerſtört werden und ein Volk von geiſtigen und leiblichen Krüppeln entſtehen, welches zuletzt ganz verſchwindet. Wem dieſes unwahrſcheinlich vor⸗ kommt, der denke an die ſonſt ſo zahlreichen wilden Volksſtämme in Nordamerika, welche vor 40 Jah⸗ ren noch ein gefährlicher Feind der europäiſchen Anſiedler waren und bis auf ein Viertheil herab⸗ geſunken ſind, ſeitdem die nordame rikaniſchen Staa⸗ ten ihnen den Würgengel des Branntweins in Strömen zuſenden. Wem die zerſtörenden Wirküm⸗ gen dieſes Lieblingsetranks noch nicht warnend