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Ueber eine Gefahr, welche unſere Obſtbaum⸗
zucht bedrohet, und deren Abwendung.
(Beſchluß.) Werden aber alle Baumbeſitzer— und gar alle Gemeinden— geneigt ſeyn, eine Mühe zu
übernehmen, die, obgleich zu ihrem gewiſſen Vor-“
theile, doch wegen der Neuheit Vielen, welche gerne alles beim Alten laſſen, zuwider iſt?— Schlimm iſt es, daß man Viele zu ihrem eigenen Vortheile Etwas zu thun, zwingen muß! Aber welches Gute, das nur durch das Zuſammenwirken Aller erreicht werden kann, wird ohne heilſamen Zwang je erreicht werden? Wenn die Vertilgung der Mäuſe, die Verminderung der Spatzen, die Zerſtörung der Rau⸗ penneſter durch die Polizeibehörden anbefohlen und der Säumige zur Verantwortung gezogen werden darf, warum nicht auch die Vertilgung der gefähr— lichſten aller Raupen, welche uns nicht nur um die Obſternte bringen, ſondern auch die Obſtbäume ſelbſt mit dem Untergange bedrohen?
Der Schreiber dieſes hat die angeführten Ver— tilgungsmittel nicht ſelbſt erfunden, oder nur ſo obenhin erdacht; ſondern ein großer Naturforſcher hat ſie bereits vor 50 Jahren durch eigene Beob— achtungen und angeſtellte Verſuche erprobt und dringend empfohlen, und es könnten ſehr viele glück⸗ liche Verſuche zu deren Empfehlung angeführt werden.
Wären aber nicht bereits Erfahrungen zu Gun⸗ ſten dieſes Verfahrens vorhanden, ſo wäre die Wich⸗ tigkeit und Dringlichkeit der Sache an ſich ſchon hinreichend, um zu dieſen Verſuchen anzureizen, und dieſe nöthigenfalls durch Zwang und unter Aufſicht zur Ausführung zu bringen. Einſender fügt nur noch den Wunſch hinzu, daß dieſer Gegenſtand diejenige Beachtung finden möge, welche er wegen ſeiner Wichtigkeit verdient, und daß er ſie bald genug finden möge, bevor wir den Untergang ſämmt⸗ licher Obſtbäͤume zu beklagen haben. Der größere Theil der Obſtbaumbeſitzer wird zwar vorausſicht⸗ lich Anfangs ungerne an dieſes ihm ganz neue Ge⸗ ſchäft gehen; der Erfolg aber und der augenſchein⸗ liche Vortheil wird Widerwillen, Eigenſinn und Trägheit überwinden und ſpäterhin ein Geſchäfte, dem man ſich Anfangs nur aus Zwang unterzog, als eine Hausmannspflicht betrachten laſſen, deren Unterlaſſung die gewiſſe Verachtung zur Folge hat. Der Menſch iſt ein Kind der Gewohnheit,— aber
er kann auch ihr Sklave werden, den man durch
Gewalt von ihren Feſſeln befreien muß.
Johannes Heß, Großherzoglich Heſſiſcher Oberbaurath. (Nekrolog.“)
„Wir haben vor kurzem einen verdienſtvollen, all⸗ gemein geachteten Mitbuͤrger verloren, deſſen Leben um ſo mehr einer ruͤhmlichen Erwaͤhnung in dieſen Blaͤttern verdient, als er nicht in aͤußeren gluͤcklichen Verhaͤltniſſen geboren, gleich ſo vielen Andern, mit Leichtigkeit ſich eine ehrenvolle Carriere bahnen konnte, ſondern vielmehr aus der unguͤnſtigſten Lage ganz durch eigene Talente, Fleiß und Beharrlichkeit ſich zu Dem emporſchwang, was er ward und leiſtete— gewiß ein um ſo groͤßeres, um ſo anerkennungswer⸗ theres Verdienſt!— Johannes Heß, der Sohn ſo armer, als rechtlicher Altern, wurde am 6. Sep⸗ tember 1787 zu Florſtadt in der Wetterau geboren. Sein Vater, ein einfacher Landmann, wußte ihn nur zu ſeinem Stande zu erziehen. Der Knabe aber zeigte mehr Hang zum Lernen, als zu den laͤndlichen Arbeiten. Seine Mutter, eine brave und verſtaͤn⸗ dige Frau, bemerkte des Sohnes Anlagen und be⸗ guͤnſtigte ſeine Neigung, der der Vater hindernd ent⸗ gegentrat. Die Bibel und das Geſangbuch waren die erſten Quellen, aus denen des jungen Heß Wiß⸗ begierde Nahrung ſchoͤpfte. Man fand ihn haufig, ſeine Begierde zum Lernen befriedigend, auf einem Baume ſitzend, um hier ungeſtoͤrt in dieſen ſeinen einzigen Buͤchern zu leſen. Sein ganz außerordent⸗ liches Gedaͤchtniß unterſtuͤtzte ihn dabei ſo, daß er dieſe Buͤcher woͤrtlich auswendig lernte. Auch ſpaͤter
noch, nach einer langen Reihe von Jahren, wußte
er die ganze Bibel auswendig und ſetzte oft in Er⸗ ſtaunen, wenn er jede bemerkte Stelle herzuſagen, und umgekehrt anzufuͤhren verſtand, wo jede vorge⸗ ſagte Stelle in der Heiligen Schrift ſteht.— Der Pfarrer des Orts, Hr. Ca ppe, war auf die Faͤhig⸗ keiten des Knaben aufmerkſam geworden, verſah ihn mit Buͤchern und uͤbernahm ſelbſt zuweilen ſeinen Unterricht. Nach der Confirmation kam Heß zur Artillerie nach Darmſtadt, wo er die Gelegenheit fand und freudig ergriff, ſich weiter auszubilden. Ohne an⸗ dere Hülfe, als die, welche ihm die Buͤcher boten,
*) Aus der großherzogl. heſſiſchen Zeitung Nr. 195. d. J.
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