Ausgabe 
9.12.1837
 
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Ine! 1 Beilage.

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Intelligenzblatt

für die

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Oberhessen

im Allgemeinen, a den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

2 49.

Sonnabend, den 9. Dezember

1837.

Dem Ver dienſte ſeine Kronen. Dignum laude virum Musa vetat mori. Ho rat.

Friedberg im Dezember 1837. Wir Friedberger können mit Recht ſtolz ſeyn,

wir Männer unter uns haben, welche nicht

lein für das wahre Wohl der Stadt unabläſſig eſorgt und thätig ſind, ſondern auch mit ſeltener neigennützigkeit dahin trachten, daß dieſe Stadt im luslande einen Ruhm erlangt, der den größten und vichtigſten Städten Europas nicht nachſteht.

Schon vor einiger Zeit erſchien in der Didas⸗ alia ein ſo tief durchdachter, fein geordneter und m edler Sprache abgefaßter Aufſatz über Fried⸗ erg, daß es eigentlich ſchon damals unſere Pflicht eweſen wäre, uns für das zarte Lob, welches uns und den Männern, denen das Wohl der Stadt an⸗ vertraut iſt, darin ertheilt wird, ſchönſtens zu be⸗ zanken. Kaum hatten wir uns von der Freude hier⸗ über erholt, ſo ſehen wir abermals unſer liebes Friedberg in einem Artikel der 333. Nr. des Frank- urter Converſationsblattes) auf eine Weiſe erwähnt, daß jetzt noch ferner zu ſchweigen eine wahre Verſündigung der Mitwelt gegen ihre edelſten Männer heißen würde.

So weit iſt es nun mit uns gekommen, daß Friedberg einen faſt ſtehenden Artikel, gleich London

4) Es iſt nur zu bedauern, daß dieſes Blatt hier ſo wenig geleſen wird. Ein Patriot könnte ſich daher um un⸗ ſere Mitbürger verdient machen, wenn er mehrere Exemplare dieſer Nummer zur weiteren Verbreitung des köſtlichen Artikels anſchaffte.

und Paris, in den geleſenſten Zeitſchriften bildet! Wer hätte ſich das vor 20 Jahren nur träumen laſſen? Und wie geſchieht unferer Stadt Erwäh⸗ nung? Wie fein werden unſere guten Seiten be⸗ rührt, wie zart unſere Fehler gerügt, wie geſchickt wird der faule Fleck bei uns aufgedeckt? Mit wel⸗ cher Kenntniß wird von unſerem Schulweſen geſpro chen! Das muß in der That ein ſeltenes Genie ſeyn, das ſo tief in das Weſen unſerer Schulen ein⸗ gedrungen iſt. Geſtehen wir's uns jetzt nur ſelbſt, in dieſen unſeren Schulen liegt allein das Uebel unſerer Stadt, und es war endlich an der Zeit, daß uns der Staar geſtochen, daß uns namentlich geſagt wurde, wie eineuns wohlbekannte Schule auf unbegreifliche Weiſe ihr Unweſen bisher im Stillen treiben und eine Verſchmelzung der Stände beabſich⸗ tigen konnte. Gerade das heimliche, ſtille Weſen dieſer Schule, ſagen wir's uns nur ohne Hehl, war der augenſcheinlichſte Beweis, daß die Schuler zu verderblicher Neuerungsſucht angewieſen und eine Verſchmelzung der Stände beabſichtigt wurde. Aber wir erkennen jetzt die große Wahrheit,daß eine Verſchmelzung der Stände bei der Erzie hung der Kinder eine unſinnige Idee iſt. Wir ſehen jetzt ſelbſt ein, daß es einen gemeinen Verſtand, einen Bürger-Verſtand und einen hohen Verſtand, ſo wie gemeine Herzen, enge Bürgerherzen, und weite und weiche Großherzen gibt, und werden auch unſere Behörden ergebenſt bitten, bei der neuen Schulorganiſation darauf Bedacht nehmen zu wollen, und dreierlei A B C-Buͤcher, ſowie dreierlei Ruthen für die unartigen Kinder fertigen zu laſſen.

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