Ausgabe 
30.5.1835
 
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1.* 1 hauſen um 16000 damaliger Gulden an Hanau. Etwas ſpäter, im Jahr 1595, verkaufte der dama⸗ lige Erbe von Eppſtein, Graf Ludwig Georg von Stolberg, den Vormündern der minderjährigen Grafen von Hanau die 4 Dörfer für die Summe von 50000 fl. Es iſt bekannt, daß ſich hierauf zwiſchen Kur,

Kiſſen ein Geſchenk machten, das er nicht beſſer erwidern zu können glaubte, als indem er ihnen die Stelle aus Jeſus Sirach(XIV, in andern Ausgaben XV 22 und folg.) daraus vorlas: Wohl dem, der ſtets mit Gottes Wort umgehet, und dasſelbe ausleget und lehret u. ſ. w.

Während der ganzen Feier, die durch das ſchönſte Frühlingswetter begünſtigt wurde, hatte bei der außerordentlichen Menſchenzahl die größte Stille geherrſcht, nicht die geringſte Unordnung das ſel tene Feſt geſtört. Nicht nur erkannte man bei denen, welche es zunächſt angieng, die tiefſte Rührung, ſondern auch in dem ganzen großen Kreiſe der Um ſtehenden bemerkte man die größte Andacht, war die innigſte Theilnahme an dem Akte ſichtbar, ſo daß man Vieler Augen in Thränen ſchwimmen ſah.

Eben ſo ſtille, als man zuſammen gekommen war, trennte man ſich wieder nach beendigtem Gottesdienſte, und gewiß verließ ein großer Theil derer, die von Weitem gekommen waren, die Stätte und den Tempel,der nicht von Menſchenhänden erbaut war, mit frommen Gefühlen und ſchönen Vorſätzen für die Zukunft.)

Wir benutzen dieſe Gelegenheit, unſern Leſern einige hiſtoriſche Nachrichten uͤber den Ort hier kürzlich mitzutheilen.

Holzhauſen, zur Unterſcheidung von andern gleichnamigen Oerternan der Höh genannt, und zur alten ſeulberger Mark gehörig, deren Weis thum von 1493 auf uns gekommen iſt, hat unge⸗ fähr 850 Einwohner und liegt etwa eine halbe Stunde von Rodheim auf einer kleinen Erhöhung, die ſich unmittelbar weſtlich herabſenkt, wo die Erlenbach, die aus dem Taunus kommt, von Köppern her mehrere Mühlen treibt, in ſchönem Thale vorbeifließt, um dem Auge des Beſchauers den Blick nach dem Taunusgebirge ſo recht ange nehm zu machen. Der Ort gehörte unter die alten Beſitzungen des einſt ſo mächtigen Hauſes der Eppenſteiner und erſcheint u. A. in einer Urkunde von 1278. Bereits im Jahr 1578 verpfändete Eber⸗ hard, Graf von Königſtein, die 4 Orte, Stein⸗ bach, Ober- und Nieder-Eſchbach nebſt Holz

*) Es iſt uns noch eine Beſchreibung dieſes Feſtes von Hrn. Pfarrer Gruber zu Ober-Eſchbach zugekommen, von welcher wir aber, weil Obiges bereits in der Correktur war, keinen Gebrauch machen konnten.

Mainz, welches faſt die ganze eppſteiniſche Erb⸗ ſchaft als heimgefallenes Lehen an ſich zog, und

dem Hauſe Stolberg ein langwieriger Proceß erhob,

der bis in den Anfang unſeres Jahrhunderts währte. Der kur-mainziſche Kanzler Reigersberg hatte dies und die ſtürmiſchen Zeiten des dreißigjährigen

Krieges benutzt, um des Dorfes Holzhauſen ſich zu bemächtigen, welches durch deſſen Tochter an

die Familie von Ingelheim kam. Durch dieſe

wurde nun neben der lutheriſchen Kirche, die bis her beſtand, auch noch eine katholiſche Kirche ge gründet, und dieſelbe,

Widerſpruch dagegen eingelegt hatte,

obwohl Heſſen-Darmſtadt im Jahr An 1716 außerhalb des Ortes erbaut. Seit dieſer Zeit

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befand ſich daſelbſt auch ein eigener Pfarrer für die neue und kleine katholiſche Gemeinde. 1 90 Als nach dem Abſterben des letzten Grafen ſe Johann Reinhard von Hanau im Jahr 1736 d das Haus Heſſen-Caſſel in den Beſitz der Grat, die ſchaft Hanau⸗Münzenberg gekommen war, wur 1 die alten Anſprüche geltend gemacht, und Landgraf, 2 Wilhelm VIII. nahm im Jahr 1741 ohne Wei-( teres von Holzhauſen, als einem Theile der ba Grafſchaft Hanau, welcher von demſelben wider 10 rechtlich getrennt worden, Beſitz. Dies gab Veran- laſſung zu einem langwierigen Proceſſe, in welchen mehrere Streitſchriften erſchienen. Endlich wurde iſt die Sache 1764 beigelegt, Ingelheim durch Geld 8. entſchädigt und HeſſenCaſſel blieb im Beſitze von Holzhauſen, das zum Amte Rodheim geſchlagen war. 10 Um ſo auffallender mußten in dem Reichs- ſeh Deputations⸗Hauptſchluſſe von 1802 Cund 3) die de Worte ſeyn: daß das Haus Heſſen-Caſſel u. A. in den Beſitz der Stadt Gelnhauſen und desReichs dorfes Holzhauſen kommen ſolle. Daß hier eine Verwechſelung zum Grunde lag, war klar, e und um ſo eher möglich, als es der gleichnamigen 9 Orte viele gibt). Unſer Holzhauſen war nie⸗ 0 1 ) Es ſind drei Holzhauſen im Großherzogthume, ſechs in Kurheſſen und zwei im Herzogthume Naſſau. Bekannt-