Ausgabe 
23.5.1835
 
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b) Nach kurzer Zeit huſtet daun das Kind zwar nicht oft, aber mit einem ganz eignen rauhen hohlen Ton, den ich mit nichts ſchicklicher zu vergleichen weiß, als mit dem Bellen eines alten

Hundes, der die Stimme verloren hat, und den

man nur ein einzigesmal braucht gehört zu haben, um gleich zu wiſſen, was er bedeutet.

e) Mit jeder Stunde wird nun hierbei das Athmen enger, beſchwerlicher, rauſchender, es geſchieht mit ſichtbarer Anſtrengung und Erhebung der Bruſt und der Schultern, und, wohl zu merken,

man hört jeden Athemzug auf einige Schritte

im Zimmer, bei hochgeſtiegener Krankheit ſogar

vor der Stubenthüre. J

d) Kinder, die ſchon ſprechen können, klagen oft über einen Schmerz unter dem Kehlkopf vorn

am Halſe(dem Kröps), fühlen, zeigen mit der Hand dahin, weinen darüber; die nicht ſprechen können, verrathen den Schmerz dadurch, daß ſie die Finger weit in den Mund ſtecken, als wenn ſie etwas herausholen wollten, beſonders wenn ſie eben in dem gräßlichen Tone gehuſtet haben.

5) Der Patient wird nun allmählig immer betäͤubter, unruhiger, verräth die größte Angſt, will bald getragen ſeyn, bald liegen, forſcht unſtät mit glänzenden rothen Augen umher, die Beengung des Athmens wächſt ſo fort, es kommen Erſtickung drohende Anfälle, kalter Schweiß, und der Tod er⸗ folgt unerrettbar oft ſchon nach 36 Stunden, wie ich bereits Eingangs bemerkte. Bis jetzt iſt lei⸗ der noch kein einziges Beiſpiel bekannt, daß die

Natur allein das Uebel getheilt habe, und ein ſol⸗

cher Kranker ohne Hülfe der Kunſt davon gekom⸗

men wäre.

Bemerkt alſo nun jemand an einem Kinde die

bezeichneten Krankheitserſcheinungen, beſonders.

den hohlen rauhen Huſten, das erſchwerte und zunehmende enger werdende Athemholen, 2 ſo muß ohne Zeitverluſt auf der Stelle zweck-

mäßige ärztliche Hülfe geſucht werden; denn die

Todesgefahr iſt ſehr nahe, und das auch bei vielen andern Krankheiten ſo höchſt nachtheilige und ver⸗ derbliche Warten und Zuſehen wollen, ob es ſich nicht ändere, was der gemeine Mann ſo gerne thut, höchſt gefährlich, und nach ſehr vielen Erfahrungen nur in den erſten 24 Stunden die Hülfe noch mög⸗

lich; ſpäterhin kann keine Kunſt, keine Arzenei, kein Aufwand mehr retten. Je früher alſo der Arzt geſucht wird, deſto ſicherer kann man die Heilung erwarten.

Und dann ermahne ich ſehr dringend, ſich kei ner ärztlichen Vorſchrift zu widerſetzen wohin beſonders die Anlegung von Blutigeln vornen um den Hals, bei größern, ſtärkern Kindern Aderlaſſen am Arm gehört. Nur allein die Pünktlichkeit und Unermüdlichkeit in Befolgung der ertheilten Rath⸗ ſchläge kann den Tod abnehmen. Hier ganz am unrechten Ort angebrachtes Mitleiden, Zärtlichkeit, Nachgeben im Eigenſinn des Kindes, Nachläßigkeit im Gebrauch der Mittel müſſen ſonſt gar häufig zum bleibenden Vorwurf für die Eltern werden.

Die Herren Landgeiſtlichen und Schullehrer werden ſich beſonders verdient machen, wenn ſie die Kenntniß dieſer gefahrvollen Krankheit verbrei⸗ ten, bei vorkommenden Fällen mit Rath und That an die Hand gehen, die Läßigen und Zaudernden an ihre Schuldigkeit erinnern; dann hören wir ge wiß ſeltener, daß manches ſchöne, hoffnungsvolle Kind in wenigen Tagen auf eine erbärmliche Art erſtickt iſt.

Die haufigſte Veranlaſſung zu dieſer ſchrecklich⸗ ſten Kinderkrankheit geben immer raſche und heftige Erkältungen für ſich, oder auf kurz vorhergegan gene Erhitzung. Dahin gehört namentlich:

1) Austragen der Kinder im Hemde oder zu leicht bekleidet aus einer warmen Stube in einen ſchar fen Wind, oder Stehenbleiben mit denſelben in der Zugluft, beſonders wenn ſie eben ſchon mit Huſten und Schnupfen behaftet ſind;

2) Die höchſt ſchädliche Gewohnheit auf dem Lande, daß die Kinder, ſobald ſie Morgens erwachen, ſtracks aus dem Bette im bloßen Hemde und baarfuß, der Körper noch in der ſtärkſten Aus⸗ dünſtung begriffen, ſich auf hohe Treppen oder Miſtſtätten ſetzen und ihre Nothdurft verrichten;

3) Erkältung der Füße im Schnee und noch mehr in der Näſſe.

4) Unzeitige Reiſen mit den Kindern bei der oben angeführten Witterungsbeſchaffenheit;

5) Der überhaupt für Kinder ſo nachtheilige Auf⸗ enthalt in Zimmern, wo die Luft von vielen Menſchen ſo heiß wird, daß jedermann ſchwitzt, z. B. bei Hochzeiten, Kindtaufen, Kirmeſſen