Ausgabe 
20.6.1835
 
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die Maaßen, daß man's über drei Häuſer weg hö⸗ ren konnte. Da pflegte ſein nunmehr ſeliger Vater zu ſagen: Der Junge hat eine prächtige Stimme; er ſoll einmal Pfarrer werden. Und doch paßte er ſo wenig zu einem Pfarrer, wie ich zu einem Bäcker.

Sind denn aber die Reden mancher Eltern nicht eben ſo kindiſch? Hört man nicht hier und dort Re⸗ den wiemein Sohn ſoll dieſes oder jenes Handwerk erlernen. Warum? Weil er Geſchick dazu hat?Ach nein, ſondern, weil ihm das viel einbringen wird, oder weil er mir bei Zeiten unter die Arme greifen kann. Als wenn der Sohn ſeines Vaters wegen auf die Welt geſetzt wäre! Ein anderer erklärt, ſein Sohn müſſe ſtudiren, weil ſich doch niemand beſſer ſtehe als die Staatsdiener. Als wenn der Staat dieſes oder jenes Amt geſchaffen hätte, damit ſein Herr Sohn bequem bei demſelben leben könne! Glaubt ihr, ſolche Redensarten floͤſſen blos aus dem Munde ganz ungebildeter Menſchen, ſo irrt ihr euch. Man hört auch von ſolchen Leuten, die auf Bildung viel Anſpruch machen, der Sohn ſolle nicht Theologie ſtudiren, weil er dabei auf hohe Aemter nicht rechnen könne. Warum das nicht? Wenn ſich das Söhnchen auszeichnet, kann es ſich bei den Proteſtanten bis zum Biſchof hinaufſchwin⸗ gen, und bei den Katholiken gar bis zum Papſte. Unter den Juriſten werden auch nicht alle Miniſter, noch bringen's alle bei dem Militär zum General⸗ Feld⸗Marſchall. Ein Anderer meint, ſein Sohn müſſe Schullehrer werden, weil in dieſem Fache doch viele Stellen vergeben würden und zu hoffen wäre, daß er dabei ſchnell unterkommen könnte.

Wir fragen: Sind ſolche und ähnliche Reden viel weniger kindiſch als die des Kindes, das Bäcker werden wollte, um viele Wecke eſſen zu können?

Halten wir uns doch hierbei nicht weiter auf, und gehen zur Beantwortung der Frage: Was ſollen wir werden?

Wir Menſchen ſind nicht für uns, ſondern fur das große Ganze geſchaffen, wovon wir nur ſehr kleine, aber darum nicht unnöthige Theile ſind. Fra⸗ gen wir alſo zunächſt uns, welche Kräfte des Kör⸗ pers und des Geiſtes uns zu Theil wurden? Dieſe Kräfte haben wir zuerſt tüchtig auszubilden, da mit wir auch etwas zu leiſten vermögen. Iſt dies geſchehen, ſo haben wir uns die Frage vorzulegen, für welches Geſchäft dieſe unſere Anlagen und Kräfte

Wiſſenſchaft.

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1 am beßten taugen? Der Eine hat hr Geſchick ke ahbe eine Kunſt, der Andere mehr für ein Handwerk,] probat! der Dritte für den Ackerbau und der Vierte für die Und bei der Wahl der Lebensart kommt nicht zur Sprache, ob ſie mir viel oder wenig ein⸗[ 30 bringt, ſondern, ob ich Geſchick dazu, ob ich aber ien N

auch Luſt und Liebe dazu habe, um alle Schwierig⸗ gens, keiten gerne zu überwinden 3 ſi ich mir entgegen⸗ 2 ſtellen koͤnnen. paar 2

Endlich kommen wir auf den Hauptpunkt! Da 4 ders nämlich der Menſch nur das werth iſt, was, nicht zu

er nutzt, ſo ſoll er nicht nur eine ſeinen Kraften an⸗ 4 N

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gemeſſene Lebensart ergreifen, ſondern auch eine uren ſolche, worin er dieſe Kräfte zum Fromm des Gan⸗ ſie nich zen, zum Wohl der Menſchheit, deren Theil er iſt, ſo kam anzuwenden vermag. Berückſichtigt er dieſen Punkt blicklich nicht, dann iſt er mir keinen Pfifferling werth,[ Zähne dann mag er hingehen und ſich wählen, wo er's vielen am bequemſten und angenehmſten hat. Für etwas des Tas Großes und Edles iſt er dann nicht auf Erden. wein ve Seinen eigentlichen Zweck, weswegen er geſchaffen Ft iſt, erreicht er wenigſtens nicht, und wenn er ja deidet einmal etwas Beſſeres vollbringt, ſo iſt es ſeines eilen Nutzens willen, denn der Eigennutz iſt die Trie⸗ Funder feder ſeiner Handlungen, und wo der ſich eingeniſtet ehre hat, da läßt ſich nicht viel zum Fromm der Abu uu ſpil heit erwarten. n

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Was man nicht alles entdeckt, wenn man ge- nau ſieht. 18 (Nebſt einer Anweiſung für die Zähne 1 Eier a. Ein gewiſſer Franzoſe, Namens la Beaume Wee (ſprich Bohm) hat ganz genau nach den Zaͤhnen, 1 ei 9 verſteht ſich mit einem Vergrößerungsglaſe, geſe⸗ ſierdur hen und herausgebracht, daß kleine Thierchen ſich 11 fine Zellen bauen an denſelben, die ſich verhärten, wie Innere die Korallen im Meere, und nach und nach das bilden, den 3 was man im gemeinen Leben Weinſtein heißt. Er icht n empfiehlt dagegen als beßtes Mittel ganz reine, f Eſſigſäure, die allenfalls mit etwas Roſenwaſ- en. ſer zu verdünnen wäre. Wir ſagen ihm das nach,, wiſſen aber nicht, ob's probat iſt. Da indeſſen ſo E viele Leute in der Wetterau über ſchlechte Zähne 1 8 klagen, da und dort ſogar Dörfer ſich finden, in 1 l

welchen faſt alle Erwachſene ſich mit verdorbenen ö 1. Zähnen quälen, ſo wollen wir hier einige Regelchen 1 5 cn

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