Ausgabe 
19.9.1835
 
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O5 Vilbel ein alter Römer⸗Ort geweſen ſey und Villa bella geheißen habe, wie Herr von Gerning in ſeinem Werke über die Main- und Rheingegenden und die Heilquellen am Taunus er⸗ wähnt, und Andere, ſelbſt der Hiſtoriograph des Landes, ihm nachgeſprochen, davon haben wir noch keine Beweiſe finden können, und bis dieſe uns zu⸗ kommen, müſſen wir die Angabe dahin geſtellt ſeyn laſſen. Wir geben zwar gerne zu, daß die Römer, als ſie ſich vom Maine aus aufwärts des Nidda⸗ ufers bemächtigten, hier und da zum Schutze deſ ſelben Befeſtigungen angelegt haben müſſen, wie ſie denn beſtimmt in der Nachbarſchaft zu Bergen und zu Heddernheim bedeutende Niederlaſſungen hatten, ſuchen aber dieſe Uferbefeſtigungen nicht in Vilbel, ſondern etwas weiter oben in der Gegend von Gronau, wo die Nidder einmündet und in der Nachbarſchaft auch eine alte Feſte, die Kra⸗ chenburg genannt, wirklich zu finden iſt. Daß ferner, wie Herr von Gerning weiter anführt, zwei römiſche Bäder auf dem ſ. g. Hexenberge bei Vilbel entdeckt worden ſeyen, davon wollen die Bewohner auch nicht viel wiſſen, ſondern theilten dem Schreiber dieſes nur mit, rechts an der nach Frankfurt führenden Straße befänden ſich zwei Plä tze, die auf einen ſehr frühen Anbau hindeuteten, indem ſich Spuren von altem Mauerwerk daſelbſt zeigten, nämlich an der ſogenannten Mauer und auf dem walderdorfiſchen Acker. Wir wünſch⸗ ten ein Näheres hierüber zu erfahren, insbeſondere zu wiſſen, ob es wirklich an dem ſey, daß man da⸗

ſelbſt vor etwa 40 bis 50 Jahren ein Säulen⸗Ca⸗ pital gefunden hahe, und, wenn dieſes, wohin es

wohl gekommen ſeyn möchte?

Vilbel erſcheint zuerſt unter dem Namen Fel- wila und Velawilre in Schenkungs-Urkunden des Kloſters Lorſch aus den Zeiten Karls des Großen, alſo ums Jahr 800), und Velaw l- 1e erklärt der verſtorbene Geſchichtſchreiber des Lan⸗ des, Prälat Schmidt*), durch den weiblichen Namen Vela, der dem männlichen Fello, Fel- do, Velte, Valentin, entſpricht, und vilre, welches unſer jetziges Weiler iſt. Etwas ſpätere Urkunden geben den Namen Velewilre, Velwile,

S*

) Codex Lauresham. III, 973 211.

) Geſch. des Großherzogthums Heſſen 1, 188, 190. Von Vilbel gibt er weiter Nachricht Theil II, S. 216.

9248 0

5 10 de che

Vilewile u. ſ. w. der drt 908 zum alten] Jlbel, e Nidda⸗Gau, und war in kirchlicher Hinſicht dem] Nhe Archi⸗DiakonatSt. Peter außer den! Mauern(extra dane du Mainz unterge⸗ ordnet*). 14

In der Folge erſcheint Vilbel als Beſitzung] un des reichen Geſchlechtes der Münzenberger, die 5

es, wie ſo manches Andere, aus der Verlaſſenſchaft berg file ber mächtigen Grafen von Nürings geerbt haben] gllcheten mögen. Nachdem aber auch die Münzenberger[n der S5 um 1255 in männlichem Stamme erloſchen waren, 0 verbind fiel der Ort den Erben derſelben, nämlich Hanau(iter b und Falkenſtein, gemeinſam zu. In dieſer Zeit der Bauun wird ſeiner öfter in Urkunden, z. B. vom Jahr 1289 it 6 Hen und 1303 gedacht, da Heinrich von Sprend⸗ un wehlg lingen und ſeine Gattinn Gertrudis ihre da- Felge in ſelbſt gelegenen Häuſer, Güter und Weinberge teile ihn dem Kloſter Padenhauſen vermachen ꝛc.) Ged.) Unterdeſſen beginnt auch die Burg zu Vilbel b gedauert aus dem Dunkel hervor zu treten, deren wir gleich die beider Anfangs ſchon mit wenigen Worten erwähnt haben. von Fa

Indem wir aber ihrer hier weiter gedenken, müſſen au, mit wir den Freund der Geſchichte noch beſonders dar und W auf aufmerkſam machen, in den Begebenheiten jener 1 ſes zu 9 Zeit das Dorf Vilbel(ſo wird es damals genannt) Hie lu von dieſer Burg genau zu unterſcheiden. Die Ver das Se wechſelung beider hat einige Hiſtoriker öfters auf geworde Irrwege geführt. Die Geſchichte der Burg ſiine G knüpft ſich wahrſcheinlich zuerſt an das adlige Ge- nchnen, ſchlecht der Herrn von Vilbel. 55 2 der We

Dieſes Geſchlecht, das urkundlich ſchon im bel, al

zwölften Jahrhundert erſcheint, war niemals in dem 3

Beſize des Ortes Vilbel ſelbſt, wohl aber war

es in demſelben und in Dorkelweil ſtark begu⸗

tert. Ein Walther von Vilbel(de Velewil- ö* re) wird bereits im Jahr 1143 genannt*) 1229 1 wir 9 erſcheint abermals ein Walther mit 1 Sohne wenn Rudolph e), 1268 ein Rudolph und Ber⸗ 3 halten tram, 1293 ein Burchard von Vilbel ze. Rei- muhr,

bungen zwiſchen den Gliedern dieſer Familie und 0 509 der Stadt Frankfurt konnten ſpäter um ſo we-.

niger ausbleiben, als letztere durch ihren Handel 150 5 immer bedeutender wurde. Ohnehin hatte ja Frank. 5

10 9 5) Würdtwein Dioec. Mog. II, 5. 1 80 **) Guden. Cod. dipl. III, 764, 7732. Iii,

er) Wenck heſſ. Landesgeſchichte II. urk. S. 90. er) Guden. C. D. I, 501.*