Ausgabe 
6.6.1835
 
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zu Lich, Anſprug

impfel die Kir

ſchone

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nit ihren uralten Grabſteinen, die vier alten herr⸗ ichen Burgen daſelbſt alle dieſe Gegeuſtände ehlen in dem Verzeichniſſe.

In den Bezirken Breuberg und Erbach

vollen wir außer den genannten auf folgende Ge⸗

zenſtände aufmerkſam machen: das Schloß zu Für⸗ kenau, das zu Breuberg, das alte Kloſter zu Höchſt, wo wir eine ſchöne Thüre aus dem vier⸗ zehnten Jahrhundert und eine andere mit der Jahr⸗ zahl 1514 geſehen haben. Eben ſo iſt eine Seite des Kirchthurms daſelbſt wohl ſchon im 12ten Jahr⸗ hundert erbaut. In Michelſtadt iſt das Rath⸗ haus ein merkwürdiger Holzbau vom Jahr 1487; die Kirche daſelbſt fuͤhrt an einem Steine die Jahr⸗ zahl 1461 und der Thurm 1507. Im Innern ſind mehrere intereſſante Grabmäler, worunter das des Grafen Johann Caſimir gewiß auf Kunſtwerth Anſpruch macht; wir wenigſtens haben die Bas⸗ reliefs ſchön gefunden. Der Schloßthurm zu Erbach verdient ebenfalls einer Beachtung. Der Thurm von Kirchbrombach führt die Jahrzahl 1467, der zu König 1479 und enthält bekanntlich auch eine römiſche Inſchrift; die Capelle auf dem Kirch⸗ hofe zu König hat über der Thüre die Jahrzahl 1514. Noch wollen wir auf 3 Gegenſtände auf⸗ merkſam machen, nämlich 1) die Schloßruine von Freienſtein bei Gammelbach und 2) die Trüm⸗ mer einer Kirche, die etwa eine halbe Stunde von Beerfelden auf dem Wege nach Finkenbach liegen. Sie beſtehen aus 3 runden Säulen, über welche ſich 2 Bogen wölben ohne Rippen und Ca⸗ pitäl. Es wäre ſchade, wenn ſie nicht erhalten würden. Endlich 3) ſind noch Trümmer einer alten Capelle zu Zell übrig.

Im Kreiſe Offenbach vermiſſen wir die Angabe der Schloßruinen im Hain zur Drei⸗Eich, des Schloſſes zu Heufenſtamm, des herrlichen alten Thurmes an dem Schloſſe zu Steinheim, mehrerer alten Grabſteine der Kirche zu Babenhauſen, und im Schloßhofe daſelbſt eines ſehr zierlich gearbeite⸗ ten Wappens.

(Beſchluß folgt.)

Einige Bemerkungen uͤber den Kreis Friedberg und die Ergebniſſe der Verwaltung deſſelben ſeit der neuen Organiſation(1832).

(Fortſetzung.) III. Verſchiedenheit der Bewohner und der Menſchenbildung in dem Kreiſe.

Wer aus der Uebereinſtimmung der reichlichen Gaben, womit die Natur den Kreis Friedberg ſo gleichmäßig ausgeſtattet hat, den Schluß ziehen wollte, daß derſelben auch eine gleichförmige Men⸗ ſchen⸗Geſtaltung und Geſittung entſprechen müſſe, der würde ſehr irren. Denn obgleich als Grund⸗

charakter deutſche Rechtlichkeit und Biederkeit überall hervorleuchtet, ſo iſt doch in Allem Uebrigen viel⸗ leicht nirgends in einem anderen Kreiſe die Men⸗ ſchenbildung verſchiedenartiger und die Stufe der Kultur von einander abweichender als in dem Kreiſe Friedberg.

Fragen wir nach den Gründen dieſes dem Anſcheine nach auffallenden Verhältniſſes, ſo dürften dieſe hauptſachlich in dem Einfluſſe gefunden wer⸗ den, welchen die vielfach verſchiedenen Geſetze und Regierungen, denen der Kreis Friedberg ehedem unterworfen war, auf die Volksbildung übte.*

Früherhin und noch bis in die erſten Jahre des 19ten Jahrhunderts finden wir den Kreis Fried berg in 19 Aemter getheilt, welche faſt eben ſo viel verſchiedenen Regierungen unterworfen waren. Von der Herrſchaft des Krummſtabs bis zum freireichs⸗ ſtadtiſchen und reichsritterſchaftlichen Regimente wa⸗ ren die abweichendſten Geſetze, Regierungsformen und Regierungsmarximen im Schwunge. Je nach den vernünftigen oder verkehrten Zwecken und Mit⸗ teln derſelben ſchritt die Geſittung mit allen ihren wohlthätigen Folgen an dem einen Orte voran, während dem ſie an dem anderen zurückblieb, und dem Vorurtheile der Trägheit und Unſittlichkeit freies Feld ließ. g

Dazu kommt, und es iſt theilweiſe eine Folge jenes Verhältniſſes, daß in manchen, namentlich deu Stadtgemeinden, vermittelſt frühzeitigerer Aus⸗ bildung und Blüthe der Gewerbe und des Erzie⸗ hungsweſens die Kultur freudiger gedieh, während auf vielen Landgemeinden der phyſiſch und geiſtig darniederhaltende Druck der Leibeigenſchaft und Frohndpflicht, der lehns⸗ und gutsherrlichen Gerechts ſamen ꝛc. noch laſtete, und jedem Fortſchritte in der Geſittung leidige Hemmniſſe entgegenſtellte.

Was Wunder, wenn ſich unter dieſen Ver⸗ hältniſſen faſt ſo viele Abſtufungen in der Men⸗ ſchenbildung im Allgemeinen, und in der Stufe der Intelligenz, Moralität und Volkswohlfahrt insbeſon⸗ dere bildeten, als Gemeinden in dem Kreiſe Fried berg vorhanden ſind.

) Vielleicht trugen auch ſchon die früheten Anſiedelungen der Römer dazu bei, eine Verſchiedenheit in der Bildung und dem übrigen Weſen der Bewohner zu bewirken. Wenigſtens wollen neuere Schriftſteller dies an den Be wohnern der Rhein- und Main⸗ufer bemerkt haben. Da⸗ mit wollen wir aber die in dem Texte angegebenen Urſachen keineswegs läugnen, machen im Gegentheile noch auf die nachtheiligen Folgen aufmerkſam, die daraus entſtanden, daß dieſe verſchiedenen Herrſchaften und deren Diener in der Regel feindſelig gegen einander ſtanden, ſich auf alle mögliche Weiſe chikanirten und ſo nicht nur den Geiſt des Unfriedens unter den Bewohnern fortwährend nährten ſondern auch neuen Saamen der Zwietracht ausſtreuten Die traurigen Folgen, welche dieſes Unweſen bewirkte, wer den noch lange auch bei dem beßten Willen der jetzigen Behörden bemerkbar ſeyn. Die Reda