Ausgabe 
6.6.1835
 
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Tugend geweiht haben? O

Geſchlecht! unglückliches jun⸗ ges Geſchlecht! o

Baureſte und andere Kunſtwerke des Mittel⸗ alters im Großherzogthum Heſſen.

Wir haben ein für die großherzoglichen Kreis⸗

baumeiſter beſtimmtes lithographirtesVerzeich⸗

niß der Werke des Mittelalters, welche er⸗ halten zu werden verdienen, in Händen ge⸗ habt, und uns deſſen innig gefreut, weil es uns das Zeugniß gibt, daß man von Seiten der oberen Behörden das, was in Rückſicht auf Kunſt oder Geſchichte von unſern Altvordern auf uns gekom⸗ men iſt, nicht unbeachtet läßt, ſondern bedacht iſt, es zu erhalten und der Nachwelt, ſo weit dies möglich iſt, zu überliefern. Schreiber dieſes, der ſich bewußt iſt, in ſeinem kleinen Kreiſe alles ge⸗ than zu haben, was er konnte, um aufmerkſam zu machen, was der Erhaltung werth ſeyn möchte, und der bei ſeinen Wanderungen in dem theueren Va⸗ terlande ſich auch danach umſah, was wir hierin für Schätze beſitzen(und wir beſitzen gegen andere Jänder verhältnißmäßig ſehr vieles), und dem in dem Verzeichniſſe faſt lauter liebe alte Bekannte aufſtießen, wünſcht, daß dieſes oder ein ähnliches Verzeichuiß weiter verbreitet und allenfalls den ſaͤmmtlichen Bürgermeiſtern mit dem Zuſatze mitge⸗ theilt werden mochte, daß ſie nicht allein für die mögliche Erhaltung der verzeichneten, ſondern für alle dergleichen Werke, welche Kunſt⸗ oder hiſtori⸗ ſchen Werth haben, namentlich alte Taufſteine, Niſchen, Grabſteine u. ſ. w. Sorge tragen möchten. Freilich ſehen wir bei Manchen wohl ein, daß die Erhaltung ſchwierig, ja faſt unmöglich iſt, theils weil der Zahn der Zeit zu viel daran genagt hat, theils auch weil's einem Dritten nicht zuſteht, in fremdes Eigenthum unbefugt einzugreifen. Allein es iſt doch ſchon gar viel gewonnen, wenn darauf aufmerkſam gemacht worden iſt, damit man den Werth mehr erkennt und wenigſtens nicht muth⸗ willig zerſtöͤrt. Da noch Manches der Art, was in dem Verzeichniſſe gar nicht berührt wurde, der Erhaltung würdig iſt, ſo erlauben wir uns hier einer kleinen Nachleſe, in der Hoffnung, daß der gute Wille, den wir dabei haben, nicht verkannt werden möge.

Gleich vornen herein vermiſſen wir im Kreiſe Darmſtadt einige Grabmäler und ein altes Wappen an der Stadtkirche der Reſidenz.

Im Kreiſe Dieburg iſt gar nichts genannt, und doch möchte ſich nur allein in den Städten Dieburg und Umſtadt gewiß Manches finden. Die Kirche zu Umſtadt iſt nebſt dem Thurm aus dem 15ten Jahrhundert und hat mehrere Auf- und Grabſchriften aus jener und ſpäterer Zeit. Eben

ſo iſt in der Stadt noch ein alter Gefängnißthurm mit dem hanauiſchen und fuldiſchen Wappen. Das Rathhaus iſt von 1605. Die Kirchen zu Semd, Kleeſtadt und Schaafheim ſind(nach Steiner) aus dem 15ten, die zu Langſtadt aus

dem 14ten Jahrhundert. Die Kirche zu Fränkiſch⸗

Grumbach, die nach einer Jahrzahl, welche ſich

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im Schilde einer Rippe des Deckengewölbes beftn⸗ a,

det, im Jahr 1485 erbaut wurde, enthält die N intereſſanten und zum Theil ſehr ſchön gearbeiteten

Grabſteine der berühmten Familie von Roden⸗ ſtein, und einen ſchönen St. Georg von Holz geſchnitzt. Drei viertel Stunden davon liegt das

weit bekannte rodenſteiner Schloß, das leider

faſt ganz verfallen iſt, deſſen viereckiger Thurm aber(ſein Bauſtyl deutet auf uralte Zeiten) gewiß erhalten zu werden verdient, wenn auch die übrigen Mauerreſte bald zuſammenfallen werden. In dem vom Landgrafen Georg erbauten Schloſſe zu Lich⸗ tenberg iſt wenig, was auf Kunſtwerth Anſpruch macht. 5 5

In den Kreiſen Heppenheim und Wimpfen

ſind außer der Ruine Starkenburg nur die Kir⸗

chen zu Wimpfen im Thal, Wimpfen am Berg und eine kleine Capelle) aus dem 11ten und 12ten Jahrhundert genannt. Erſtere iſt ohne Zweifel eins der herrlichſten Gebaͤude. Wir erinnern uns aber außerdem mancher Sehenswürdigkeiten, worauf auch

Jäger und Grimm in ihren Beſchreibungen auf:;

merkſam machen, das Hoſtienkäſtchen, die 12 Apoſtel an den Chorſtühlen der Stadtkirche, das ſchöne Cruzifir außerhalb derſelben. Eben ſo ſind zwei

uralte Thürme und mehrere Grabſteine im Domi⸗ 1

nikaner⸗Kloſter beachtungswerth.

Das Fenſtergeſimſe vom Chor der ehemaligen Kirche zu Gronau iſt gegenwärtig auf dem Berge zu Jugenheim und ziert denſelben. Die vier Grab⸗ ſteine aus der alten Kloſterkirche daſelbſt, wovon der des Konrad von Weinsberg vom Jahr 1360, der

des Johann von Oberkeym und ſeiner Gemah⸗

linnen aus dem 15ten Jahrhundert, ſind beachtungs⸗ werth. Eben ſo verdient der neben dem Chore der Kirche zu Jugenheim ſelbſt befindliche Stein, wel⸗ cher die Gründung der Kirche angibt und vom Jahr 1263 iſt, gewiß einer Beachtung. N Die alten Schlöſſer zu Lindenfels, zu Rei⸗ chenberg, zu Hirſchhorn, die Schloß⸗Capelle daſelbſt von 1522, welche leider dem Einſturze nahe iſt, und doch die ganze Gegend verſchönert, die da⸗ rin enthaltenen Grabmäler, die ersheimer Capelle bei Hirſchhorn mit dem kleinen Tabernakel in der Nähe und den ſchönen Grabſteinen der Familie Hirſchhorn, das alte ſteinerne Kreuz auf dem Wege nach Eberbach, die Kirche zu Neckarſteinach

*) Darunter iſt wohl die ſ.

meint, ein ſchönes Werk!

9. Capuziner⸗Kirche ge⸗

Orafen

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