Ausgabe 
6.6.1835
 
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tritt.

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im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Sonnabend,

den 6. Juni 1835.

Die Confirmation.

Wer möchte laäugnen, daß für den jungen

Chriſten die Confirmation der wichtigſte Akt des

Lebens iſt? Die Jahre der Kindheit ſind vorüber,

der Unterricht, deſſen er als Menſch bedarf, iſt

beendigt; die Zeit iſt gekommen, da er für das Leben ſich einen Beruf wählen ſoll, und nun tritt die Confirmation ein, durch die er ein Glied der großen Chriſtengemeinde wird. Gegen Alles, was ſpäter das Schickſal ihm entgegenſtellt, ſoll er hier geſtählt werden; er ſoll einen Schatz erhalten für ſein künftiges Leben, der ihn Freud' und Leid ruhig ertragen, ſelbſt das herbſte Geſchick anſehen läßt als von Vaterhänden ihm zugeſandt; eingeweiht ſoll er werden in die Religion, die ihm Alles in Allem, die ſüßeſte Theilnehmerinn im Glück, die helfende Gefährtinn im Unglück, die ſicherſte und letzte Tro⸗ ſterinn iſt, wenn er vor der dunkeln Pforte ſteht, und die ihm ſelbſt dieſe Pforte aufſchließt.

Da es ſich hier von den höchſten Gütern, von den wichtigſten Angelegenheiten des Lebens handelt, ſo wird es zuerſt heiligſte Pflicht des Religions- lehrers, den Akt ſo feierlich als möglich zu machen. Die jugendlichen Herzen müſſen vorher ſchon ſo empfänglich gemacht worden ſeyn, daß alles Andere

ihnen augenblicklicher Tand wird. Und nun treten

ſie in der feierlichſten Stunde vor den Altar und

geloben treu zu ſeyn dem allmächtigen Gott, treu

zu bleiben ſeinen Geboten. Wenn hier nicht das Gemüth mächtig angeregt wird, wenn hier nicht ein heiliger Schauer die Seele ergreift, wenn hier

Raum bleibt zu Albernheiten und Thorheiten des Lebens dann iſt der ſchönſte Moment des Da⸗ ſeyns auf ewig verſchwunden und ungepflegt und unbenutzt. Dann iſt kein Wunder, wenn in ſpäte⸗ ren Zeiten der Sinn für das Gute und Edle ganz verſchwindet, wenn nie der Blick nach oben ſich wendet und nur hier unten im Pfuhle ſich herum⸗ treibt. O ihr Religionslehrer, welche große Ver⸗ pflichtungen habt ihr auf euch! 4

Aber auch ihr Eltern, was habt ihr zu ſorgen,

daß euer Kind wohl vorbereitet zu dem heiligen

Akt kommt! Und wie oft vergeſſet ihr's? Ihr ſorgt zwar für gute und ſchöne Kleider, aber an die Reinheit und Unſtraflichkeit eueres Lieblings denkt ihr nicht. O wuͤßtet ihr doch, welch einen herrlichen Schmuck ihr euerem Kinde auf das ganze Leben mitgäbt, wenn ihr's fromm und tugendhaft erzieht!

Mir blutet das Herz, wenn ich den Leichtſinn; mancher Eltern und Kinder, erblicke. Für jede Nebenſache wird geſorgt, und die Hanptſache dar⸗ über vergeſſen. Die Folgen bleiben aber auch nicht aus. Seht nur in manchen Orten die Scenen, welche der Confirmation vorausgehen, wenn der. Mayen geholt, wenn die Kirche ausgeputzt wird. Ja Schreiber dieſes ſah einmal und ſchämt ſich faſt, es wieder zu ſagen an dem Tage der

heiligſten Handlung mehrere eben confirmirte Kna⸗

ben betrunken. Wollt ihr noch mehr Beweis für ihre künftige Schlechtigkeit? Glaubt ihr, daß ſie an heiliger Stätte etwas gefühlt, einen edeln. Vorſatz für das Leben gefaßt, ſich Gott und dern