Ausgabe 
3.1.1835
 
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Neujahrwunſch von der Redaetion.

Die Redaction des Intelligenzblattes wuͤnſcht den Leſern ihres Blattes im Jahr 1835 doch wir wollen erſt ſagen, was ſie ihnen nicht wünſcht. Sie wünſcht ihnen 1) kein Geld vom Himmel herab, oder als Lotterie- und Karten-Gewinnſt, ſondern nur ſolches, das ſich jeder erſt verdient haben muß, damit er auch weiß, was es für Werth hat, damit er es gut wieder anwendet, und damit er im Gebrauche ſeiner Leibes- und Geiſteskräfte bleibt; 2) wünſcht ſie ihnen keinen Müßiggang, denn das iſt des Teufels Ruhebank und aller Laſter Anfang, ſondern ſo viel Arbeit, als ſie nur zu ver⸗ richten im Stande ſind; 3) wünſcht ſie ihnen kein fortdauerndes Glück, kein fortdauerndes Wohlergehen,

keine fortdauernde Freude, denn das würde ihnen

am Ende ſehr ſchlecht bekommen. Wie es ohne Schatten kein Licht gibt, ſo gibt's auch kein Glück ohne ein Unglück, das mitunter läuft, kein Wohl⸗ ergehen ohne dann und wann Unbehagen oder Un wohlſeyn, und auch keine Freude ohne Traurigkeit. Endlich 4) wünſcht ſie ihnen kein gar zu langes Leben, wenigſtens kein's, welches ſo lange dauert, wie das des Methuſalem oder des ewigen Juden Ahasverus. i

Nun was wünſchen wir denn eigentlich unſern Leſern? Wir wollen's kurz zuſammenfaſſen: Wir wünſchen ihnen Luſt zur Arbeit, denn die ſtärkt Körper und Geiſt, ein gutes Gewiſſen, denn das iſt ein ſanftes Kiſſen, und hilft

alles Uebel ertragen und überwinden, ein

gehöriges Vertrauen in des Ewigen Vater⸗ liebe, und ein Leben, ſo lange es Gott will und ſo lange wir unſern Mitmenſchen nützen können.

Darauf wollen wir unſere Wünſche für dieſes Jahr beſchränken. Einen hätten wir allenfalls noch beifügen können, namlich fortwährende Luſt zum Münſchen, weil ſie beweiſ't, daß der Menſch noch nicht lebensſatt iſt. Wer ſich aber nun noch mehr wünſcht, der mag es für ſich thun, ſoll's indeſſen nur nicht laut werden laſſen, denn manche Münſche kommen oft gar verkehrt heraus, und ſind nicht ſelten dem des Hirtenknaben ähnlich, der ſich König zu ſeyn wünſchte, damit er ſeine Thierlein zu Pferde hüten könne.

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Noch ein Reujahrwunſch nebſt einem Neujahr⸗ geſchenke aber aus alten Zeiten.

Das Kloſter Engelthal hatte ſonſt die Ver⸗ pflichtung, dem Burggrafen zu Friedberg als Schutz⸗

herrn alljährlich einen Honigkuchen und der Frau Burggräfinn ein Paar Handſchuhe zu überſchicken.

Der geneigte Leſer kann ſich wohl denken, daß da⸗ bei ein Briefchen von der Frau Aebtiſſinn an den Herrn Schwager(ſo war damals Styl, wie ſich fürſtliche PerſonenHerr Vetter oderHerr Bru⸗ der zu nennen pflegen) lag. Wenn's den Leſer noch weiter intereſſirt, ſo wollen wir ihm den Brief hier mittheilen, welchen die Frau Aebtiſſinn im Jahr 1579dem Geſtrengen Edlen vnd Ehru⸗ ueſten Johan Eberhardt von Kronberg, des heiligen Reichs Burggrauen zue Friedberg, meinem Freundtlichen lieben Schwager vndt Schirmhern y, nach Friedberg ſchickte. Er lautet wörtlich ſo:

Wes Ich in Ehrn liebs vnd guts vermag zuuor Strenger, Edler, Ehrnueſter, Freundtlicher lieber Schwager, günſtiger Schutz- vnd Schirmherr, Ich ſchick euch alhier Ein Hönigkuchen zu einem

glückſeligen Neuen Iharn, vnd bit mein Freundt⸗ lichen lieben Schwagern, günſtigen Schutz⸗ vnd

Schirmhern, wolle ſolche geringe gab vor lieb ahn vnd aufnemen. Auch ſchick Ich meiner lieben Schwe⸗ gerin Ein pfar Hendtſchuch, mit begeren, ſie wölle ſolche, zu einer gutten gedechtnus, von meinetwegen

zu ſich nemen; vnd wüntſch euch hiemit, ſampt allem,

was Euch lieb iſt, ein wohl Regierendes glückſeliges Neues Ihare, vnd Seliche Zeit. Ferners, günſtiger Herr Schwager, es iſt an euch meinn güunſtigs ge⸗ ſinnen vnd begeren, das mein Herr Schwager ſo

wohl thun wöllen, mit der verſehung, das Ener Strengkeit Under⸗Greuen(Unter⸗Gräf hieß der

Beamte) zu Altenſtadt moge beuelch(Befehl) zukom⸗ men, das er des Cloſters pföcht- vnd Zinsleuten,

von Euer Strengkeit wegen, vorhielt mit ernſt vnd

Obrigkeit halber, ſich mit den erſeßenen vnd erſchie⸗ nen pfbchten vnd zinſen gefaſt zu machen, vnd vf ehiſt, wie alters Herkomen vnd vblich iſt, zu liefern, vnd die bezahlung zu thun, Solches wil Ich, mit meinem Innigen gepet vmb Got Almechtigen vmb Euer Strengkeit glückſeligen Zuſtandt vnd wohlfardt erpitten helffen, vnd Beuehl Euer Strengkeit hiemit

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