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Friedrich Ferdinand Fertsch.
Wir würden uns an unſern Landsleuten ver⸗ ſuͤndigen, wollten wir nicht demjenigen Wetterauer die Ehre geben, dem ſie gebührt, und ein Sträuß⸗ lein friſcher Blumen auf das Grab eines Redli⸗ chen ſtecken, der zur Ruhe gegangen iſt in eine andere Heimath. Dieſes Sträußlein gebührt dies⸗ mal dem würdigen Geh. Kirchenrath und Pfarrer in der Burg Friedberg Friedrich Ferdinand Fertſch, der in der Nacht vom 20. auf den 21. März gerade ſo ſtill hinüberſchlummerte, wie ſein ganzes Leben war. Wer neben dieſer Stille einen fleißigen, gewiſſenhaften Arbeiter, einen biederen Menſchen, einen für ſeine Gemeinde ſtets beſorgten Geiſtlichen und einen Mann ſehen wollte, welcher in ſeinen mancherlei Geſchäften die Ordnung und Pünktlichkeit ſelbſt war, der konnte ihn in unſerm Fertſch finden. Dafür wurde ihm auch ſo viel irdiſches Glück zu Theil, als nur einem zu Theil werden kann. Als er am 1. Advent 1828 ſein Amts⸗ jubeläum feierte, da ſah er um ſich zunächſt einen ſchoͤnen Kreis von Kindern und Kindeskindern, und weiter viele Hunderte, die ſich des Feſtes eben ſo herzlich freuten, als wär's das ihres Vaters; und Einſender, der auch dem Mahle beiwohnte, das ihm zu Ehren veranſtaltet wurde, erinnert ſich nicht, je ein herzlicheres Feſt und eine herzlichere Theil⸗ nahme geſehen zu haben. Wer mehr darüber wiſſen will, den verweiſen wir auf ein Schriftchen, das damals erſchien, und worin ſich nebenbei auch Nach— richten über das Leben und die Familie dieſes Jubelgreiſes, ſo wie über die früheren Burgpfarrer befinden. Da er den 26. Juni 1756 geboren iſt, ſo brachte er ſein Leben auf nahe an 78 Jahre. um ihm aber vor ſeinem Hinſcheiden noch einmal Gelegenheit zu geben, die Blicke dankbar gen Himmel zu richten, ſo mußte er, nachdem er alle ſeine Kinder verſorgt ſah, das Glück haben, am 7. Oktober des vorigen Jahres ſeine goldne Hochzeit zu feiern. Solche Perlen findet hienieden nicht jeder Wanderer!
Im Jahr 1828 bei ſeinem Jubelfeſte hatte er ſich für den Ueberreſt ſeiner Tage nichts gewünſcht, als daß ſein Glaube nicht wanke, ſeine Hoffnung nicht ſinke, ſeine Liebe nicht er⸗ kalte und daß er„mit Freudigkeit vollende ſeinen Lauf und das Amt, das er empfan—
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gen.“ Das alles und noch mehr dazu hat er nun erlangt, nämlich ein ſeliges Ende. Darum Heil ihm! Am Palmſonntage wurden ſeine irdiſchen Reſte neben ſeine Gemeindeglieder, die ihm vorangegan— gen ſind, zur Ruhe gebracht. Die Lebenden ſeiner Gemeinde erwieſen ihm die letzte Ehre, zwar ohne Gepränge, weil er's auch im Leben nicht liebte, aber voll inniger Rührung und mit bethräntem Blicke. Wir, die wir ihn kannten, müſſen ihm eben— falls die letzte Ehre, nämlich die Thräne des Ab— ſchiedes, zollen, und wie wir ihm Ruhe in ſtiller Gruft wünſchen, ſo hoffen wir ihn morgen oder übermorgen, denn dieſes Leben waͤhrt ja doch nur einige Tage, wieder zu finden, ihm dort Willkomm zu ſagen, und ein ſchöneres Oſterfeſt mit ihm zu feiern, als wir hier zu feiern im Stande ſind!
Das Seminar zu Friedberg.
Am 20. März fand in dem Schullehrer— Seminar zu Friedberg öffentliche Prüfung der Zöglinge in Gegenwart einer großen Anzahl von Männern aus der Nähe und Ferne ſtatt, welche alle das Intereſſe an einer ſo hochwichtigen Anſtalt herbeigelockt hatte. Wir müſſen unſern lieben wetterauer Landleuten nur Einiges hierüber ſagen, und wünſchten, es erführ's das ganze Großherzog— thum Heſſen.
Gleich beim Eintritte in die Anſtalt wurden wir mächtig ergriffen von dem bloßen Gedanken, daß hier die jungen Leute beiſammen ſitzen, welchen die Erziehung und Bildung der kommenden Genera— tion anvertraut werden ſoll; in deren Hände einſt die liebenden Eltern ihr Liebſtes voll der ſuͤßen Hoffnung geben, ihr Kleinod ſo gebildet wieder zu empfangen, wie es ihr Herz wünſcht, und wie es die menſchliche Natur verlangt. Wie wichtig, wie erfolgreich iſt dieſes Geſchäft; aber wie ſchwierig auch dieſes Amt! Ohne die größte Sorgfalt, ohne die innigſte Vertrautheit mit dem Weſen des Unter⸗ richts und endlich ohne die dauerndſte Liebe zur guten Sache, die alles andere dafür zum Opfer bringt, iſt hier nicht durchzukommen. Damit wer⸗ den die würdigen Lehrer ihre Zöglinge wohl ver— traut gemacht haben; von dieſen aber erwarten wir, daß ſie recht gefaßt haben werden.
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