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Liebe, daß keines dem andern viel dienete. Ein Ehgatt zoge von dem andern in ein ander Land Brod zu ſuchen, Kinder lieffen von den Eltern, und derer ſahen ein Theil einander nimmermehr wieder. Dennoch lieff das ledige Volck durch einander, und raſete mit verkoplen und heurathen, als wären ſie unſinnig, viele auch trenneten ſich bald wieder. Oeffters wurden 5. oder 10. in Städten aber als Darmſtatt wohl 20. bis 30. auf einmahl proclamirt, viele hielten, wegen Armuth, bey ein paar Häring, Stück Holländiſch Käß, dann kein gemeiner zu bekommen, und 1. Maaß Wein, Hoch- zeit, theils hatten gar nichts zu eſſen.
Durch ſolchen Krieg, Peſtilentz, Theurung und Hungers-Noth ſind der Leute ſo wenig im Land worden, daß unſere Nachkommen es ſchwerlich glau— ben werden. Und ſolch Wenigkeit der Leute, und daß jetzt ſo wenig Pflüge ins Feld geführet worden, geſtalt in 3. Jahren von 1634. an nicht mehr als mein und eines Nachbahrn Pflug hier geſehen wor— den, verurſachte, daß die Fluhren dermaſſen mit Tannen bewachſen, daß man ſie alleweil nicht für Acker ſondern Walder erkennen kan, und doch all⸗ bereit ein groſſer Irrthum mit dem Acker und Wie⸗ ſen vorfällt, daß ſie ſchwerlich ja ewig nicht werden an ihre rechte Herren kommen.
Durch ſolche Theurung kam es auch bey vielen wohlhabigen Leuten dahin, daß ſie ihre Mobilia um ein ſchändlich Geld verkauffen muſten: 1. Loth Sil⸗ ber golt 15. alb. 1. Pfd. Zinn 4. 6. zum meinſten 8. pf. Bett wie auch die ſchönſte Kleider achtete
man gar gering, und diß verurſachte auch, daß die vornehmſte Weibs-Perſonen keine ſilberne Guͤrtel, ſondern nur ein ſeiden Band um den Leib gürteten, und um Erſparung Tuchs und Gelds gar enge Röcke trugen. Esa, 3. 16-25.
Aus dem Landgerichtsbezirke Kaichen.
Binnen acht Tagen fanden in dem Landgerichts⸗ bezirke Kaichen zu Ende Oktober nicht weniger als vier Selbſtmorde ſtatt; einer ſchnitt ſich mit einem Scheermeſſer die Kehle ab, der Zweite erſchoß ſich, der Dritte, ein Jude, ſprang in einen Brunnen, und der Vierte erſäufte ſich in der Nidda. Für den Pſychologen wäre es wohl von hohem Intereſſe, zu erforſchen, welche Urſachen bei dieſen Menſchen ſo gewaltig einwirkten, daß ihnen das Leben, die dächſte Gabe Gottes, verachtungswerth ſchien.(Uns iſe darüber nichts Näheres zugekommen.)
Fur den Menſchenfreund kann eine ſolche Er⸗
ſcheinung nur ſchmerzlich ſeyn, denn ſie iſt ihm ein Beweis von geſunkener Religiöſität oder gar von ganzlichem Mangel daran. Denn wo ſie tief Wur⸗ zel gefaßt hat, da kann der Gedanke eines Selbſt⸗ mordes nicht wohl aufkommen, wenigſtens kann er leicht unterdrückt werden; es müßte ſich denn eine Geiſteskrankheit eines Menſchen bemächtigen, die im Stande iſt, alles andere zu verdrängen, was auch das Herz ſonſt von frommen Vorſätzen gefaßt hatte. Verdient jeder Unglückliche unſer Mitleid, ſo nimmt ein ſolcher vorzugsweiſe und doppelt das unſrige in Anſpruch. Dieſe Fälle ſind indeſſen weit ſeltener, und die gewöhnlicheren Triebfedern ſolcher ſchauder⸗ haften Handlungen des Selbſtmordes ſind gemeiner Natur. Indeſſen wollen wir's doch nicht machen, wie unſere Vorfahren, die ihnen ein Ruheplätzchen auf dem Kirchhofe nicht geſtatten wollten. Wer ſo wenig Ruhe auf Erden fand, daß er ſich gewaltſam von dem Aufenthalte daſelbſt entfernte, dem wollen wir wenigſtens die Ruhe im Grabe gönnen, und ihn nicht verurtheilen. Er hat einen höheren Rich⸗ ter gefunden, der ſein Inneres beſſer zu durchſchauen vermag, wie wir. Uns bleibt er, wenn auch im ſchrecklichſten Irrthume befangen, immer— Menſch und Bruder.
Witterungsnachrichten aus der Mitte Oktobers.
Bei dieſer Ueberſchrift mag wohl manchem Leſer ein Lächeln ankommen, wenn ſie ihm die Witterungsprophezeihungen in's Andenken zurück— fuhrt, die uns nicht ſelten vorgelegt wurden. Es ſoll uns aber nicht gehen, wie jenem Herrn in Hadamar, der einen naſſen Sommer prophezeihte, während derſelbe einer der trockenſten ſeit zwanzig Jahren wurde, oder wie Herrn Ditmar in Ber⸗ lin, welcher vor etlichen Jahren beſtimmt verkün—⸗ digte, wir würden keinen Winterfroſt erhalten, da doch Stein und Bein zuſammen fror, ſo daß er das Verslein wohl einſchlucken mußte:
„Die Kälte ſtieg auf vierzehn Grad, „Sein Wiſſen fiel auf Null.“
Wir wollen hier nur Nachricht geben von dem, was bereits geſchehen iſt, und einige Betrachtungen daran knüpfen.
Wir haben einen ſo anhaltend warmen Som⸗ mer und Herbſt gehabt, daß wohl wenige Menſchen ſich ähnlicher erinnern werden. Selbſt die älteſten Leute müſſen erklären, einen wärmeren und einen ſonnigeren Herbſt nicht erlebt zu haben. So erfreu— lich und gedeihlich dies für das Obſt, namentlich für die Trauben, war, ſo fehlte es doch auch nicht an nachtheiligen Folgen— ſelbſt für unſere Ge⸗ gend. Mehreren Dörfern der Wetterau(wir wollen hier nur der beiden naſſauiſchen Oerter Reichels— heim und Dornaſſenheim erwähnen) entgieng faſt alles Trinkwaſſer; an ein Einernten von Grum— met war faſt nirgends zu denken; der Kartoffeln,
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