Ausgabe 
22.3.1834
 
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5) Fällt unvermuthetes Thauwetter ein, wäh rend der Samen von den Schafen überhütet wird, und verweilt der Schäfer(wozu Unverſtand oder Eigennutz gewöhnlich denſelben verleiten) länger als der Froſt das Schaf trägt; ſo werden die Pflanzen in den weichen Boden getreten, und die Ackerkrume zum feſten Mörtel geknetet, welcher nach mals der wohlthuenden und nothwendigen Einwir kung der Atmosphäre beraubt iſt. Aber auch dem Schafzüchter und Huthberechtigten iſt jenes, ge wöhnlich nur kurze Zeit andauernde Erſparniß ſei⸗ nes Dürrfutters ſelten von mehr als eingebildetem Nutzen. Denn die Schafe, verwöhnt durch den augenblicklich weit angenehmeren Genuß des Gruͤn⸗ futters, verweigern während der Dauer deſſelben, und ſelbſt noch einige Zeit nachher, den Genuß des Dürrfutters, und fallen bei erſterem oft mehr zurück, als ſie zunehmen. Oft wird auch durch den über mäßigen Genuß der gefrornen, mit Reif überdeckten, Saatfrüchte der Keim zu ſpäteren Krankheiten der ganzen Heerde erzeugt.

Wegen vorgedachter beim Behüͤten der jungen Winterſaaten wahrgenommenen Mißbräuche und

wegen der ſowohl auf Seiten der Ackerbeſitzer als

der Schafzüchter entſtandenen üblen Folgen haben erleuchtete Regierungen das Behüten gänzlich abge ſtellt und verboten, ja, ſelbſt anerkannte desfallſige Berechtigungen aufgehoben, wie dies in einem be nachbarten Land und mehreren anderen Ländern bereits der Fall iſt, und wie ſo viel ſich der Verfaſſer dieſes geleſen zu haben erinnert bereits in den 1760er Jahren der auch als Geſetzgeber und Foͤrderer der Landwirthſchaft große Friedrich von Preußen gethan hat.

Geſetzt aber auch, es ſeye moglich, den vor gedachten Mißbräuchen und Nachtheilen durch genaue Vorſchriften und ſtrenge Verordnungen zu begegnen; ſo zweifelt der Verfaſſer dieſes doch, daß der Zweck des Behütens, nemlich das Umfallen und Lagern des Getraides dadurch zu verhüten, vollſtandig und immer erreicht werde. Vergleichende Verſuche beim Roggen kennt der Verfaſſer dieſes nicht, und er zweifelt ſogar, daß dergleichen irgendwo durch Be⸗ hütung und Nichtbehütung zweier gleichen Stellen auf Einem Acekerſtück angeſtellt worden ſeyen. Allein ein ähnlicher eigner Verſuch des Schroͤpfens auf einem Waizenacker mittelſt der Sichel, und ein

erſt in letzter Zeit beobachteter Verſuch dieſes Schröpfens durch eine Schafheerde bei bereits be gonnener Vegetation dieſer Fruchtgattung, hat ihn völlig überzeugt, daß ſolches das Lagern nicht ver hindere, ſondern eher befördere und noch außerdem auf die Größe der Aehren nachtheilig einwirke. Die durch Vollkraft am meiſten vorwärts ſtrebenden und ſich daher auch vermöge ihrer errungenen gröſ ſeren Stärke und Dimenſion eher aufrecht erhaltenden Halme werden nemlich durch Beraubung des ihnen Nahrung zuführenden Blattes geſchwächt, wenn nicht gar durch unvorſichtiges Abkürzen zerſtört ſtatt deren bewirkt die Natur, um ſich des aufge⸗ haͤuften und ſtockenden Safts zu entledigen, einen vermehrten, aber ſchwächlichen, Seitenausſchlag neuer Triebe, welche ſich bei feuchter Witterung nicht aufrecht zu erhalten vermögen. Die überdüngte oder zu frühe geſaͤete Frucht legt ſich alſo dennoch, ungeachtet der vermeinten Kraftberaubung, und dabei nur deſto kürzere Aehren an.

In der Gegend, in welcher der Verfaſſer die ſes früherhin gelebt und als Landwirth gewirkt hat, weiß man vom Behüten der Winterſaat nur durch Hörenſagen, und doch war dorten das Ergebniß der Winterfluren immermehr ſo lohnend für den verſtäͤndigen Ackerbauer, als in der geſegneten Wetterau. Beſorgte derſelbe nach der Kenntniß der Bonität ſeines Ackers ein Lagern; ſo minderte der⸗ ſelbe entweder die Quantität ſeines Saatkorns, oder ſchritt ſpäter zur Ausſaat, in dem feſten Ver⸗ trauen, daß durch reichlichere Beſtockung im kom⸗ menden Frühling die Zahl der Pflanzen erſetzt, und durch ſtärkere Halme mit reichlichen Aehren das Umfallen verhütet werden würde. Und half auch dieſes Mittel bei übergroßer, durch günſtige Witte⸗ rung erzeugter Fruchtbarkeit nichts; ſo tröſtete ſich der Bauer damit, daß ihm eine größere Garben⸗ zahl, das Stroh nicht einmal in Anſchlag gebracht, dennoch am Ende die in den einzelnen Garben feh lende Körner, mithin dennoch die erwartete Körner

zahl verabreichen würden. 5 J.

Etwas Neues aus fremden Laͤndern.

Das muß man den Engländern laſſen, was oͤffentliche Anlagen betrifft, da ſparen ſie keine Koſten. Sie begnügen ſich aber jetzt nicht mehr