Ausgabe 
22.2.1834
 
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fo hetten ſie ihnen darinnen thun reden, ſolches ver

botten und nach Verhandlung und Gelegenheit zur

Zeiten mit Straff und Buße ferner dazu gethan,

als ſie pro re nata je zu Zeiten zu thun bedeucht

Batte

N Lersner, der Stadt Frankfurt chronica. Theil II, S. 249.

Andere Zeiten, andere Sitten.

Wenn heut zu Tage der Richter nicht genau erfahren kann, wer Recht hat, ſo läßt er Eide ſchwören, und das geſchieht oft zu Dutzenden. Vor tau⸗ ſend Jahren war's anders; da wurden Proben ge macht mit heißem Waſſer,(das hieß der Keſſel griff) oder mit glühenden Eiſen. Wenn's aber vornehme Leute waren, ſo gieng's mit dem Schwerdte gegen einander(wie's jetzt noch die Studenten thun, wenn Einer dem Andern das Hundelchen gelockt hat, oder zwei wollen auf der Straße zu gleicher Zeit auf Einen Stein treten lauter wichtige Dinge, die wohl verdienen, daß man das Leben darauf wagt), und es war gar kein Zweifel, daß der liebe Gott denjenigen ſchirmte, der Recht hatte. Das ſind dem geneigten Leſer wohl bekannte Dinge. Aber nicht jedem wird bekannt ſeyn, daß es auch Proben mit Käͤſ' und Brod gab, und doch iſt's wahr. Wenn zwei ſtritten, und man wollte wiſſen, wer Recht hätte, ſo wurden von beiden Ge genſtanden zwei Stücke auf den Altar gelegt und eingeweiht. Wer nun ſein Theil recht mit gehoͤrigem Appetit, der hatte Recht; wer aber nicht dran wollte, oder vorher dabei ſeufzte, der hatte Unrecht. er aber doch, ſo kam ihm, wie man ſich's mit Schaudern erzählte, der Schaum vor den Mund, und da konnte man ja ſeine Schuld recht deutlich

erkennen.* *.*

Der Biſchof Burkhard von Worms, der vor etwa achthundert Jahren ſtarb, ſchrieb eine Sammlung von Kirchengeſetzen, in welchen unter Andern feſtgeſetzt wurde, daß kein Biſchof über fünfzig Pferde halten durfte.

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Ums Jahr 1600 waren die Aermel der Frauen zimmer ſo breit und lang, daß der berühmte Lukas Oſtander ſagte, ſie wären wie die Commißſäcke der Landsknechte. Heut zu Tage ſind unſere Damen⸗Aermel viel beſcheidener und hoͤchſtens wie

Halb-Malterſäcke.Aus der breiten Krauſe ſagt eben dieſer Oſiander,ragt ein langer, brei ter, dürrer Hals hervor. Jetzt ſchaut ein Zwerg-Hals aus Rieſen-Schultern wie ein Schornſteinchen aus einem Pallaſte.

(Dird gelegentlich fortgeſetzt.)

Bekanntmachungen. MN Gläubiger-Aufforderung.

(50 Heinrich Georg Auguſt Fritz von Nieder⸗ wöllſtadt beabſichtigt nach Frankfurt aM. auszuwan⸗ dern. Nechtsanſprüche an denſelben ſind binnen drei Monaten dahier anzumelden, gegenfalls die Ent

laſſungsurkunde ertheilt werden wird.

Friedberg den 27. Januar 1834.

Der großherzoglich heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg. Küchler. Kirchenorgel-Verſteigerung zu Nieder- wöllſtadt. (53) Da die von Herrn Bernhard zu Romrod in hieſige Kirche erbaut werdende Orgel unmittelbar nach Oſtern l. J. aufgeſtellt werden ſoll, ſo ſteht die bisherige Orgel, die nur deßhalb durch eine neue erſetzt werden ſoll, weil ſie der Größe unſerer Kirche nicht entſpricht, dermalen zum Verkauf. Termin hierzu iſt auf Mittwoch den 12. März d. J., Vor⸗ mittags 9 Uhr, auf hieſigem Rathhauſe anberaumt, in welchem der Zuſchlag dem Letztbietenden salv. ratificat. ertheilt werden wird.

Die Orgel iſt uͤbrigens noch in vollkommen gutem Zuſtand, hat keine hölzerne, ſondern lauter zinnerne Pfeifen und würde in eine kleinere Kirche, als die hieſige, die beſten Dienſte thun. Ihre Sfüßige Gambe und Sfüßiges Gedakt ſind von vor züglicher Güte und ſehr angenehmem Ton. Auch die übrigen Regiſter, nämlich: Principal, Octav, Quinta, Superoctav, Cimbal und Zfache Mixture ſind noch wohlerhalten. Das Gehäuſe mißt in der Breite 8 Fuß 4 Zoll, in der Tiefe 2 Fuß 3 Zoll und in der Höhe 14 Fuß 9 Zoll. Nöthigenfalls kann von der Höhe ohne viele Umſtäͤnde etwa 1 Fuß abgenommen werden.

Niederwöllſtadt am 1. Februar 1834.

Der Kirchen- und Gemeinde-Vorſtand.

(56) Gebleichtes, ungebleichtes und dunkelblaues

Einſchlaggarn, von den ſchon bekannten Qualitäten, hat zu billigen Preiſen zu verkaufen Gottſchalk Hirſchhorn. Gläubiger-Aufforderung. Ernſt Allendörfer von Oberrosbach beabſich

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