Ausgabe 
22.2.1834
 
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Der großherzoglich heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg an die großh. Buͤrgermeiſter des Kreiſes.

Betreffend:

Die Einſendung der Ueberſichten über den Zuſtand der Gemeinden.

Da in der Kürze ein neues Formular für die rubr. Ueberſichten vorgeſchrieben werden wird, ſo eröffne ich Ihnen dies vorläufig unter dem Bemerken, daß bis dahin die Einſendung derſelben unter⸗

bleiben kann. Friedberg den 18. Februar 1834.

Kuͤchler.

Die Schafe auf der Korn- und Waizenſaat.

An einem der ſchönen klaren Tage, die wir zu Anfang Februars hatten, führte mich mein Weg durch die Gemarkung von O.. Mit Verwun⸗ derung ſah ich da, daß eine ganze Schafheerde auf den Korn- und Waizenſaatfeldern bedächtlich umher⸗ ſchritt und Nahrung ſuchte. Es war freilich Vor⸗ mittag und der Boden ziemlich feſt gefroren. Allein ich dachte bei mir ſelbſt: ſollte dieſer Spaziergang auf den eingeſäeten Feldern der Frucht keinen Scha⸗ den bringen? Bekanntlich nagt das Schaf mit ſcharfem Zahn, und wird wohl nicht die hübſchen Korn⸗ und Waizenſproſſen ſtehen laſſen, um nur das dazwiſchen aufkeimende Unkraut herauszuleſen. Auch muß unfehlbar(ſo dachte ich weiter) gar manches zarte Pflanzchen zertreten, und wenn bei ſteigender Sonne der Boden weich wird, in denſel⸗ ben niedergeſtampft werden. Ueberdieß lehrt; mich die Erfahrung, wenigſtens bei meinen Gartenge wächſen, daß Pflanzen, die abgefreſſen oder durch einen Zufall abgeſtoßen, umgetreten oder verwundet wurden, ihr freudiges Wachsthum verlieren und in der Regel verkümmern. Alſo

Allein ich erinnerte mich bald, daß Leute, die für tüchtige Oekonomen gelten, das Treiben der Schafheerden auf die Saatfelder in Schutz nehmen und es ſogar für ſehr nützlich erklären. Sie behaup⸗ ten, wie ich öfters gehört habe, daß die Schafe gar nicht an die eigentliche Saat gingen, ſondern ſie nur vom Unkraut reinigten; daß das Zuſammen⸗ treten des Bodens dem Acker zum Vortheil gereichte; daß das Schaf außerdem ſeinen Dünger darauf zurück ließe, und daß grade die mit der Heerde beweideten Aecker die ſchönſte und reichlichſte Frucht brächten. Eigne Erfahrungen habe ich

darüber nicht gemacht, und ich muß geſtehen, daß mir in meiner Einfalt die Sache nicht recht ein⸗ leuchten will. Vielleicht geht es Andern auch ſo: doch iſt es gewiß ſehr wichtig, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Deßwegen, ihr wetterauer Landwirthe, ſagt offen und unparteiiſch, was ihr davon haltet? Iſt das Betreiben der Saatfelder mit der Schafheerde wirklich ſo vortheilhaft, wie Manche behaupten? Verdient es im Allgemeinen empfohlen zu werden, oder iſt es nur unter gewiſſen Bedingungen und Vorausſetzungen zu billigen? Oder gehört es vielleicht gar zu den althergebrachten Vor⸗ urtheilen, die wohl von wenigen Berechtigten ver fochten werden, die man aber der guten Sache wegen aufgeben ſollte? Ich meine, verſtändige und auf richtige Erfahrungen gegründete Bemerkun gen über dieſen Gegenſtand würden von vielen Leſern dieſes Blattes freundlich und dankbar auf⸗ genommen werden.) 8

Wer iſt der Achtungswertheſte?

Der Eine meint, wer recht viel Geld und Gut hat. Das iſt wahr, mit Geld kann mau Vieles erwerben, ſogar erzwingen. Aber auch Achtung? Nein, das eigentlich doch nicht. Ein anderer denkt, wer ein hohes Amt hat. Der weiß aber nicht,daß das Amt nicht den Mann ehrt, ſondern der Mann das Amt. Wieder ein anderer wähnt, wer recht pfiffig iſt und recht viel weiß.

) Auch wir ſind dieſer Meinung, und werden ſehr gerne ſehen, wenn verſtandige und erfahrene Landwirthe ihre Gedanken uns für dieſes Blatt mittheilen.

Die Redaction.