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Wir empfehlen Ihnen übrigens in Ihren Berichten jedesmal Namen und Wohnort ſämmtlicher Erben und ob dieſelben alle großjährig ſind, ſowie worin beiläufig das Vermoͤgen beſteht, anzugeben.
Friedberg am 15. December 1834.
Hofmann.
Georg Caspar Leopard.
Wir haben es uns gleich bei Gründung unſers Int.⸗Blattes vorgenommen, denjenigen Wetterauern, welche ſich um unſere Gegend verdient gemacht ha— ben, in unſerm Blatte ein kleines Denkmal zu ſetzen; um ſo weniger dürfen wir bei einem Manne Be⸗ denken tragen, ſeiner hier zu erwähnen, der ſo lange und vielſeitig thätig war.
Georg Caspar Leopard, von deſſen Vor— fahren mehrere als Geiſtliche zu Melbach ſtanden 550 und deſſen Großvater, der auch ſein Pathe war, noch von den alten Befitzern von Melbach, den Herrn von Carben, als Amtsſchultheiß angeſtellt war, wurde den Zten Februar 1749 zu Melbach geboren, wo ſein Vater, Johann Georg Leopard, von ſchenkſcher Rentmeiſter und Verwalter der dem Kloſter Altenburg gehörigen Güter war. Nachdem er ſeinen Vater ſchon in ſeinem 6ten Jahre verloren hatte, ſorgte ſein Vormund für deſſen weitere Aus— bildung, und ſchickte beide Brüder, unſern Georg Caspar und ſeinen jüngern Brude Johann Carl(der vom Jahr 1778 bis 1805 ebenfalls zu Melbach als Pfarrer ſtand), ums Jahr 1760 nach Friedberg, wo ſie mehrere Jahre die Auguſtiner— Schule beſuchten und unter der ſpeziellen Aufſicht des damaligen Rektors Langsdorff ſtanden.
Der Verſtorbene verheirathete ſich 1771. mit Anna Barbara Schmidtin, und erzeugte mit derſelben 8 Kinder, wovon aber 5 frühzeitig ſtarben. Von den 3 andern iſt Gertraud an Hrn. Kammer- rath Brönner zu Büdingen verheirathet; ſein Sohn Joh. Philipp ſtarb 1824 mit Hinterlaſſung einer Tochter und eines Sohnes; ſeine Tochter Maria Magdalena, an den 1829 verſtorbenen Hoheits— ſchultheißen Ph. Kleberger verheirathet, ſtarb 1817. Von dem älteſten Sohne dieſer letztern erlebte der Verblichene einen Urenkel.
Dreißig Jahre hindurch war unſer Leopard Verwalter des adeligen Stiftes Aldenburg, und als
*) Wir hoffen ihrer in der Geſchichte von Melbach zu geden⸗ ken. Die Red
daſſelbe nach dem Reichs-Deputationshauptſchluß 1803 dem Hauſe Solms-Braunfels zufiel, noch 10 bis 12 Jahre Rentmeiſter des letzteren. Zugleich diente er mehrere Jahre den Freiherrn von Schenk. Der Ertrag dieſer Aemter, ſo wie der Wohlſtand, in welchem die Familie ſchon lange Zeit ſich befin— det, ſetzten ihn in den Stand, Manches auszufüh— ren, was Aufmerkſamkeit, Nachdenken und Erfah— rung ihn als gut und nützlich erkennen ließen. Eben darum kann er als Lehrer der Landwirthſchaft für unſere Gegend zu einer Zeit angeſehen werden, wo man überall noch gewohut war, nach dem alten Schlendrian zu verfahren. Als ſolcher gab er im J. 1816 ſein Werk heraus:„die Wetterau in geo— graphiſch-ſtatiſtiſcher und ſtaatswirthſchaftlicher Hin- ſicht, ſo wie über ihren Handel;“ ein Werk, das viel Gutes enthält. Als ſolcher machte er noch manche andere Aufſätze, z. B. in dem buͤͤdinger, friedberger Wochenblatt, bekannt, und überließ uns ſelbſt noch für unſer Int. Blatt einen Aufſatz, den wir, als das Werk eines 85jährigen Mannes, gerne auf— nahmen.
Seine Einſichten wurden auch nicht verkannt; von nahe und von ferne wurde er um Rath gefragt, und er theilte ſeine Vorſchläge und Erfahrungen Andern gerne mit. Insbeſondere fand er ſich dadurch geehrt, daß die Stadt Frankfurt ihn zum Zeichen ſeiner Verdienſte(1806 oder 1807) mit einem ſcho— nen ſilbernen Pokale beſchenkte.
Seine letzten Jahre verlebte er ſtille im Kreiſe ſeiner Familie, beſuchte aber doch zuweilen noch ſeine Bekannten in Friedberg, zu welchen ſich Einſender dieſes rechnet, um ſich mit denſelben wiſſenſchaftlich zu unterhalten. Gerne benutzte er dann jede Gele— genheit, das Andenken ſeiner Altvordern, die er mit einer Art kindlicher Pietät ehrte, bei denſelben zu erneuern.
Am 20. November d. J. wurde er vom Schlage gerührt und ſtarb an den Folgen deſſelben am 24. November eines Todes, wie er ſich immer gewünſcht hatte, namlich eines ſehr ſanften— in einem Alter von beinahe 86 Jahren. Friede ſeiner Aſche!


