Ausgabe 
19.4.1834
 
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Feuchtigkeit gehörig einziehen, ſo daß die Körner wieder beinahe abtrocknen. Alsdann feuchtet man dieſelben mit einem ſyrupähnlichen Aufguſſe von bis 2 Pfund Kochzucker von Neuem an, dergeſtalt, daß ſie ganz verzuckert werden, und überſtreut ſolche zuletzt mit Waizenmehl, ſo, daß ſie darin ganz ein gewickelt und davon umgeben werden. Wenn dieſe Umhüllung abgetrocknet iſt was auf einer Ofen platte geſchehen kann ſo werden bei dem als dann davon zu machenden Gebrauch einige Körner an den Eingang eines jeden gangbaren Mäuſe lochs gelegt. Am beſten geſchieht dies vor Sonnen untergang. Den folgenden Morgen werden ſich eine Menge bereits todter Mäuſe vor den Löchern fin den, und deren noch mehrere in denſelben begraben ſeyn. Probatum est. Sollten Feldhühner oder zahme Tauben einige Körner nachmals aufleſen; ſo erregen ſolche bei denſelben höchſtens einen Taumel, wie denn anch die Raben, wenn ſie die todten Mäuſe, welche an dieſen Giften geſtorben ſind, verzehren, eine gleiche Wirkung verſpüren.

Außer dieſen beiden, eigner Erfahrung ent nommenen Hülfsmitteln muß der Verfaſſer dieſes hier noch

c) auf die in Nro. 13 dieſes Jahrgangs der Zeitſchrift für die landwirthſchaftlichen Vereine des Großherzogthums Heſſen beſchriebene und abgebil dete, ihm ſehr zweckmäßig dünkende Mäuſefalle von Blech, welche bereits anderwärts mit deu beſten Erfolge erprobt worden iſt, aufmerkſam machen. Einem Blechſchmiede(Spengler) wird es ein Leich tes ſeyn, dergleichen Fallen nach der dort enthal tenen Beſchreibung und Zeichnung um ein Billiges zu fertigen und dem von Gemeindswegen ange ſtellten Mäuſefänger wird es nicht ſchwer fallen, ſolche nach der ertheilten Anweiſung zu ſtellen, und Gebrauch davon zu machen.

Woher kommt es aber, höre ich Manchen nach Leſung dieſer kleinen Abhandlung fragen, daß in neuerer Zeit die Mäuſeverheerungen ſo oft wieder kehren? Warum hat man in längſt vergangenen Zeiten nicht ſoviel davon gehort? noch weniger ſo oft bedeutenden Schaden dadurch erlitten?

Es iſt allerdings wahr, daß Mäuſefraß ſeit den letzten 30 Jahren, oder ſeit dem Beginn dieſes Jahrhunderts, viel öͤfterer in unſerer Gegend ſtatt ehabt hat als zu Anfang und in der Mitte des

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vorigen Jahrhunderts, wie ſich der Verfaſſer dieſes aus Zehentregiſtern und andern Scripturen zu über zeugen Gelegenheit hatte. Geſtehen wir, die wir die uneingeſchränkte Benutzung des Brachfeldes ſtets vertheidiget haben, und ſolche noch jetzt für einen großen Fortſchritt in der Landwirthſchaft halten, es nur aufrichtig und offen: daß die zunehmende Be pflanzung der Brachfelder und der darin ſtatt habende Anbau von Futterpflanzen jeder Art, hier von die Haupturſache iſt.

So wie faſt Alles in unſerer unvollkommenen Welt ſeine zwei Seiten hat, eine gute und eine böſe, ſo auch die überall zunehmende Cultur der Brachgewächſe oder mit andern Worten: die fort ſchreitende Ausdehnung der beſömmerten Brache. Wenn es nicht zu leugnen iſt, daß die Feldmäuſe in dieſen beſommerten Brachäckern theils hinreichende Nahrung, theils Schutz gegen die ſie verfolgenden Raubthiere finden, mithin die nothwendigſten Er forderniſſe zu einer ſchnelleren Vermehrung auf einer Seite ungleich mehr vorhanden ſind, als ehehin; ſo war auf der andern Seite das überall zugängliche unbepflanzte Brachfeld vom Frühling bis Ende Juni von den Kuh-, Schaaf- und Schwein-Heerden täg⸗ lich begangen. Wenn beide erſten Thiergattungen die Feldmäuſe, welche die Raubthiere allenfalls ver ſchont hatten, blos beunruhigten, ſo waren hingegen

die Schweine die wirkſamſten Mäuſevertilger. Noch

jetzt kann man ſich nach der Erndte auf den ent leerten Aeckern überzeugen, mit welcher Begierde die Schweine mittelſt ihres Rüſſels den Mäuſen bis in ihre äußerſten Schlupfwinkel nachgraben, und ſie endlich ſammt ihren aufgefundenen Jungen als einen Leckerbiſſen ſchmauſen. Jetzt ziehen ſich während der Brache die Mäuſe in die untermiſchten Klee- und Kartoffeläcker zurück, wo ſie gegen die Nachſtellungen der Schweine und ihrer übrigen Feinde ſicher ſind. Nur auf den abgeerndteten Fel dern und in jungen Baumſchlägen bewährt ſich jetzt noch die helfende Wirkſamkeit der Schweine.)

*) Wir glauben gerne, daß dies Eine der Urſachen der grö ßeren Mäuſe-Vermehrung iſt. Dagegen dürfen wir auch nicht leugnen, daß durch die großere Abnahme der Wälder und Hecken, ſowie durch all zu ſtarkes Vertilgen der Ra ben, Füchſe, Eulen und ganz beſonders der Igel den Mäuſen eine ungeheure Menge von Feinden entzogen wurde. Mit welcher gefühlloſen Grauſamkeit namentlich