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Zugleich haben dieſelben den Inhalt dieſer Verfügung in ihren Gemeinden noch beſonders bekannt
zu machen, und darüber, daß dies geſchehen ſey, eine gehörige Beſcheinigung in ihrer Regiſtratur
niederzulegen. Friedberg den 3. Februar 1834.
Kuͤchler.
Die Geſchichte mit den Fliegenwedeln wollen wir gelegentlich unſern Leſern mittheilen, ſo weit ſie geeig— net genug iſt, um mitgetheilt werden zu können; denn die Sache iſt, wie die Wetterauer ſagen, nicht ganz ſauber.
Die Redaktion.
Die Sonntagsſchule zu Friedberg.
Seit kurzer Zeit beſteht zu Friedberg eine Sonntagsſchule. Vor der Hand konnte ſie zwar nur ungefähr fünf und zwanzig Schüler aufnehmen, weil für mehrere nicht Raum da iſt. Wenn aber der geneigte Leſer dieſe Schule einmal mit ſeiner Gegenwart beehren wollte, ſo würde er ſich gewiß im Stillen über dieſe Anſtalt freuen. Sie fällt gerade in die ſogenannte Wirthshauszeit, das heißt, in die Sonntags-Nachmittagsſtunden von drei bis ſechs Uhr. In dieſer Zeit findeſt du das Häuflein junger Leute beſchäftigt— entweder mit Zeichnen, oder mit dem Verfertigen eines Briefes, einer Nota u. ſ. w., oder es wird ein Rechenexempel gemacht, oder der Lehrer unterhält ſich mit ihnen über Gegen— ſtände noch edlerer Art. Kurz, den jungen Leuten wird die Zeit gar nicht lange; im Gegentheile freuen ſie ſich ſchon den Samſtag auf die Stunden, wo ſie das nachholen können, wozu ſie in früheren Jahren keine Gelegenheit hatten.—
Willſt du dich aber, geliebter Leſer, von dem eigentlichen Nutzen einer ſolchen Schule ſo ganz überzeugen, dann begib dich beim Ruͤckwege nur in
das erſte beßte Wirthshaus. Wir haben zwar gar
nichts dagegen, daß der Arbeiter, welcher die ganze Woche hindurch unter der Laſt ſeiner Geſchäfte faſt erlag, am Sonntage auch ein Stündchen ſich zer⸗ ſtreuen und erholen will; aber neben dieſem muͤden Geſchäftsmanne ſitzt mit erhitzten Geſichtern eine Schaar junger Leute. Das ſind am Ende Kameraden von jenen Sonntagsſchülern; ein Glas Bier oder Branntwein nach dem andern wird geleert, die Karte geht von Hand zu Hand, und was von dem Verdienſte der Woche nicht vertrunken wird, das wird verſpielt. Schmutzige Reden ſind dabei gar
nichts Seltenes. So geht der Abend hin, und es iſt noch ein Gluck wenn dieſe Leute mit klarem Sinne und geſundem Körper des Abends nach Hauſe kommen. Oft dauert das Gelage ſehr lange, und dann folgt gewöhnlich ein Montag, an welchem zur Arbeit wenig Neigung und Luſt iſt.— Es könnte hier noch mehr über dergleichen Sonntagsſcenen ge⸗ ſagt werden; vor der Hand ſey aber das genug: Im Wirthshauſe legt der junge Menſch gewöhnlich den Grund zum nachherigen Verderben fur ſich und ſeine Familie. Suchſt du ihn davon dann und wann ab⸗, und zu etwas Edlerem hinzubringen, ſo haſt du ihm ſchon zur Hälfte ſein künftiges Glück gegründet. Denn es gibt gar Manche, die meinen, ſie könnten nicht leben, wenn ſie nicht alle Tage ins Wirthshaus giengen, und denen die Wirthsſtube immer behaglicher vorkommt, wie die eigne, und müſſen doch Holz und Licht zu Hauſe haben, und auch dem Wirth an dem ſeinigen bezahlen helfen. Das iſt für die Zukunft gar theuer.— Schließlich erlaubt ſich Einſender dieſes noch etwas beizufügen. In jedem Städtchen und in jedem Dörfchen unſerer Wetterau könnte mit der Zeit eine Sonntagsſchule ohne große Koſten errichtet werden. Die Herren Geiſtlichen, Bürgermeiſter, Lehrer u. ſ. w. moͤgen's nur einmal recht wollen, und mit Kraft Hand an— legen. Dann wird's auch gewiß gelingen. Es ſoll die Ausführung ſo ſchwer gar nicht ſeyn, wie man ſich's wohl denkt. Der Segen, welcher daraus erwächſt, iſt gewiß größer, als die Muͤhe, welche die Einrichtung verurſacht.)
) Ein ſchoͤner und beherzigenswerther Aufſatz über Sonntags ſchulen findet ſich in Nro. 322 des allgemeinen Anzeigers von 1833. Wir werden ſpäter Gelegenheit nehmen, auch noch ein Wörtchen darüber zu ſprechen. Die Sache iſt ſehr wichtig. Wenn es intereſſirt, ſo werden wir dem publikum in einem künftigen Blatte die Geſetze mittheilen, auf welche die hieſige Sonntagsſchule gegründet iſt. Sie ſind ſehr einfach und verlangen nur Liebe zur Sache von Seiten einiger Maͤnner.
Die Redaction.


