Ausgabe 
12.7.1834
 
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Amer fa.

Seit in den letzten zehn Jahren ſo viele unſerer Landsleute nach Amerika auswanderten, um dort eine neue Heimath zu ſuchen, iſt uns dieſer Erdtheil nicht mehr ſo fremd und ſo ferne, wie früher. Alle die, welche wegwandern, geben zwar ihr altes Vaterland und ihre alte Heimath auf; durch die Bande des Blutes und der Freundſchaft bleiben ſie aber doch mit denen, welche ſie verließen, immer noch vereint. Eben darum hatten wir uns ſchon längſt vorgenommen, bei einer ſchicklichen Gelegen heit Eins und das Andere über das Land, welches jetzt ſchon ſo manchen Bewohner unſerer Wetterau als neues Vaterland bei ſich aufgenommen, über das Verhältniß dieſer neuen Bewohner, über ihre Schickſale ꝛc. den Leſern unſeres Blattes mitzutheilen. Wir wollten dadurch zugleich den Vorwurf von uns abwenden, als verſäumten wir die uns obliegende Pflicht, zeitig genug zu belehren oder wo's Noth thut zu warnen, das Gute und Schlimme, wel chem unſere Brüder in dem neuen Erdtheile entge gen ſehen, genau und ohne Vorurtheil und Hehl anzugeben, damit Jeder, welchen die Luſt anwan delt, vorher ſich ſelbſt und ſeine Verhältniſſe prüfe, und Keiner ohne die ihm unentbehrliche Kenntniß jenes fernen Landes abreiſet, wo er ſich anzuſiedeln gedenkt, und wofür er ſo Vieles, was dem Men ſchen werth und theuer iſt, aufopfert.

Ehe wir uns indeß in den vollſtändigen Beſitz der unentbehrlichſten Materialien geſetzt ſahen, er halten wir von unſerm geehrten Landsmanne, Herrn Ebenau, die Ankündigung einer Zeitſchrift, deren Beſtimmung iſt, ſich ausſchließlich mit den Verhältniſſen von Nordamerika(warum werden da bei die Brüder, welche nach Braſilien zogen, über gangen?) zu beſchäftigen, und die den Titel führt:

Der Nordamerikanische Kundschafter.

Was den Zweck betrifft, ſo verſpricht uns die Ankündigung Folgendes:

Ueber das Unternehmen der Auswan derung nach den Freiſtaaten überhaupt und im beſonderen Falle eine deutliche Einſicht und Beurtheilung zu verbreiten, namentlich auch unter den Klaſſen des Volks, welchen größere Werke und unpartheiiſch wahrhafte Unterweiſungen nicht zugänglich oder nicht verſtändlich ſind. Dieſer

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kann zunächſt nur erreicht werden a) durch mög

lichſt vollſtändige Kunde über den Zuſtand der Natur und Menſchheit in den Frei ſtaaten; es würde alſo zunächſt ein überſichtlich,

populär faßlicher Umriß der geographiſch'ſtatiſtiſchen

Verhältniſſe, vom Ganzen zum Einzelnen, vom Allge-

meinen zum Beſonderen, vom Bekannteren zum Un⸗ bekannteren fortſchreitend, geliefert; das entworfene Bild durch Landes- und Volksgeſchichte, topographi⸗ ſche, naturgeſchichtliche, Charakter- und Sittenſchil⸗ derungen, Erzählungen ꝛc. immer lebendiger und anſchaulicher ausgeführt, die vorzüglichſten Schriften zu geeigneten Auszügen benutzt, und Sammlung, Prüfung und Vergleichung verſchiedener Nachrichten und Anſichten demgemäß unſer Geſchäft werden. Daran würde ſich ſchließen:

b) ein fortwährender überſichtlicher Bericht über neue Auswanderungen, vorzugsweiſe von Deut ſchen nach den Freiſtaaten, und uber die Schick

ſale und Lage der Aus gewanderten, ſo weir

ſie zu unſerer Kenntniß gelangen und von allge⸗ meinem Intereſſe ſind; dergeſtalt, daß unſer Blalt in dieſer Beziehung als eine Art Chronik und als

ein beſtimmtes Organ für öffentliche Mittheilung

authentiſcher und glaubwürdiger Meldungen von Werth und Gehalt zu betrachten wäre.

c) Betreffend die Auswanderung ſelbſt, ſo würde die beabſichtigte Wochenſchrift ſich eben ſo⸗ wohl vor enthuſiaſtiſcher und unbedingter Aufmunterung und Anpreiſung hüten, als vor engherziger Abmahnung, welche einerſeits unſtatthafte Träumereien, andererſeits übertriebene Beſorgniſſe nähren könnten. Vielmehr würde bei ihren Aufſätzen einer unbefangenen und umſichtigen Erwägung und Vergleichung der Vortheile und

Nachtheile, welche in bürgerlicher und moraliſcher

Beziehung zu erwarten ſtehen, ſtets Raum gegeben, und jederlei Art von Gutachten, das mit Kenntniß, Urtheil und Wahrheitsliebe abgefaßt iſt, und den Tagesſtreit der politiſchen Theorien nicht zum Ge genſtand hat, würde hier zuläſſig erkannt werden.

Die oben bezeichnete Wochenſchrift wird um den halb⸗ jahrlichen Preis von 56 kr., in Quartformat und vorläufig im Umfang von einem halben Bogen wöchentlich, im Verlag der Andr. Heller' chen Hofbuchdruckerei und Buch⸗ handlung in Büdingen erſcheinen. Der Unterzeichnete, dem als Mitarbeiter namentlich Herr Gymnaſtaldirektor Thudichum