leicht Mancher beim erſten Anblicke des Titels wähnt. Mit den Matadors ſind wir gar nicht Willens, in den Kampfplatz zu treten; Politik geht uns hier gar nichts an, wir wollen ſie den großen Mächten und den großen Zeitungsſchreibern uüberlaſſen; eine ganze Wiſſenſchaft voran zu bringen, wagen wir eben ſo wenig. Wir hoffen und gedenken vielmehr, den großen Sternen an dem wiſſenſchaftlichen und poli— tiſchen Himmel ganz fremd zu bleiben. Wir begnü⸗ gen uns mit unſerer Wetterau, und glauben bei uns ſelbſt ſo viel Stoff zur Belehrung und Un⸗ terhaltung, ſo wie zu Bekanntmachungen aller Art zu finden, daß wir des Treibens der fremden Städte und Länder in dieſem Blatte gar nicht be— dürfen. Wir wollen die Wetterauer als eine große Familie betrachten, welche die Woche hindurch viel zu arbeiten hat, den Sonntag aber nach der Kirche nber Manches, was ſie ſelbſt, ihr Land, ihre Art es zu bebauen, ihre Sitten und Gebräuche, ihre Fehler und Gebrechen, ihre Sprache, Schulen und andern Anſtalten u. ſ. w. betrifft, ſich beſprechen. Damit wollen wir aber doch keineswegs geſagt ha— ben, als ſonderten wir uns ganz ab von der Welt; nein, wir wollen uns hier nur über ganz andere Dinge beſprechen, als die ſind, von welchen die Wortführer der Zeit reden, und werden nur dann und wann, wenn ſie uns eine lehrreiche Geſchichte oder eine intereſſante Erfindung, die wir allenfalls bei uns anwenden könnten, oder ſo was dergleichen mittheilen, es wagen, ihrer zu gedenken. Wir Wetterauer wiſſen(und ſagen das nicht, als wollten wir Beſcheidenheit erzieren, ſondern aus voller Ueber⸗ zeugung), daß wir vor unſerer eignen Thür noch ſehr viel zu kehren haben. Wir wollen noch fleißiger und beſſer werden, als wir ſind, und werden uns öfter zu ſagen nicht ſcheuen, wo es uns noch fehlt, und wo uns der Schuh drückt. Vor Allem wollen wir uns mit unſern Geſetzen und Verordnungen bekannt machen. Dabei werden wir immer gedenken, daß ohne geſetzliche Ordnung, ohne Achtung vor unſerer Obrigkeit für uns kein Beſſerwerden und kein dauernder Wohlſtand zu erwarten iſt.— Unſere Blicke werden indeß nicht immer nach der Erde ſondern zuweilen auch nach den Sternen gerichtet ſeyn. Wer aber nach den Sternen ſieht, der hat auch noch Sinn für etwas Edleres und Höheres, und findet auch wieder anderwärts Anklang.
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Mehrere liebe Herren, welche viele alte Bü— cher und alte Briefe geleſen haben, und wiſſen, wie's vor alten Zeiten war, werden uns dann und wann etwas von ihrem Vorrathe mittheilen, ſo daß wir nach und nach die Sitten und Gebräuche unſe⸗ rer Vorfahren, ſo wie die Geſchichte und Schickſale eines jeden Dörfleins und Städtleins unſerer Ge— gend kennen zu lernen hoffen. Das wird uns Allen gewiß viele Freude machen. Einige Männer haben uns ſogar verſprochen, über die Eigenthuͤmlichkeiten unſeres wetterauer Dialektes etwas mitzutheilen, und wir Andern hören das auch ſehr gerne. wir jetzt in den Schulen faſt alle hochdeutſch lernen, ſo wird es ſehr gut ſeyn, daß wir die beſonderen Ausdrücke und Wörter unſerer Gegend wohl aufbe⸗ wahren, wie Kleinodien aus einer uralten Zeit, und für die kommenden Geſchlechter beſtimmt.
Wir hoffen und wünſchen, daß uns nicht allein jeder brave, biedere Mann überhaupt, deren ja die Wetterau ſo manche aufzuweiſen hat, ſondern insbeſondere die Herren Kreis- und Land räthe, ſo wie die Herren Landrichter, Rentbeamten, Bezirksärzte und übrigen Beamten, nicht minder die Herren Geiſtlichen und Lehrer in unſerm Vorhaben, das durchaus kein anderes iſt, als „Gutes zu wirken“, recht wacker unterſtützen werden. Die Herren Beamten haben ja ihren Untergebenen Manches mitzutheilen, und dazu iſt unſer Blatt die beßte Mittelsperſon, die ein ihr anvertrautes Schreiben gewiß ſo pünktlich an ſeine Behörde beſorgt, wie der aufmerkſamſte und kräftigſte Bote, der ja leicht einmal ſtolpern oder in den Graben fallen kann.— Alle jene Männer finden außerdem durch unſer Blatt am erſten Gelegenheit, die Erfahrungen, welche ſie gemacht haben, zum Fromm der größeren Menge mitzutheilen. Da uns Kirche und Schule wich— tige Gegenſtände des Lebens ſind, ſo werden uns die Beiträge der Herren Geiſtlichen und Lehrer eine recht willkommene Gabe ſeyn. Wir meinen aber unter den Herren Geiſtlichen nicht die Einer einzigen Confeſſion; nein ſie ſollen uns alle lieb und werth und uns willkommen ſeyn, wenn ſie außer ihrer Kirche und Schule belehren und beſſern wollen— aber— das verſteht ſich ja bei ihnen von ſelbſt— immer nur hübſch chriſtlich, das heißt fried⸗ lich. Denn wir wollen einig bleiben, weil Einig⸗ keit ſtark macht. Wir wollen der Bosheit, Schlech⸗
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