Ausgabe 
4.1.1834
 
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tigkeit, Unredlichkeit mit Kraft uns entgegenſetzen, die Irrenden und Fehlenden ſo zart und ſchonend als möglich zu behandeln und auf den rechten Weg zu bringen ſuchen, immer aber ohne Leidenſchaft auftre ten, weil ſie ſelten beſſert, eher noch verſchlimmert.

Wir glauben hiermit genug angedeutet zu ha ben über unſern Zweck und unſere Abſicht. Freuen ſoll es uns, wenn wir in unſerer Wetterau damit Anklang und folglich recht viele freundliche und fleißige Mitarbeiter und noch mehr lernbe gierige Leſer und Zuhörer fänden. Die Erſteren ſoll es nicht reuen, ihr Scherflein zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen beizutragen, und Letztere hoffen wir bald zu überzeugen, daß ſie ih ren geringen Jahresbeitrag gewiß nicht umſonſt aus⸗ gegeben haben.

Briefe und Päcke, welche unſer Blatt betref fen, bitten wir, nur an den Verleger und Drucker, Hrn. Carl Bindernagel hieſelbſt, zu ſenden. Sie werden durch ihn am beßten in unſere Hände gelangen. Eben derſelbe wird weiter mittheilen, was er noch für ſich auf dem Herzen hat, wie ſchoͤn und wann das Blatt gedruckt und herausgegeben werden ſoll, wie oft es erſcheint und was ſonſt hinſichtlich der Bezahlung den geneigten Leſer intereſſiren mag. a

Friedberg am erſten Advent des Jahres 1833. Die Redaction.

In Bezug auf die Erwähnung der verehrlichen Redaction hinſichtlich des Druckes und des Preiſes, ſo wie der Zuſendung von Briefen und Paquetten, bemerke ich nur, daß das Blatt wöchentlich ein mal, und zwar Sonnabend Morgen, je nach Bedürf⸗ niß ½% oder ganzen Bogen ſtark, erſcheint, allwo es hieſigen verehrlichen Abonnenten in ihre Wohnung gebracht wird, von auswärtigen jedoch, wenn die ſelben es nicht durch die Poſt beziehen, abgeholt werden muß.

Der vorauszuzahlende Abonnements-Preis eines

viertel Jahres iſt feſtgeſetzt auf. 24 kr. der eines halben Jahres. f 40 kr. der eines ganzen Jahres f 2 kx.

Die Einrückungsgebühren betragen fur die erſte gebrochene Zeile 2 8 2 4 kr. für die zweite. 1 K. für die dritte und jede folgende N.

Sollte Jemand intereſſante Mittheilungen, welche ſich fuͤr dieſes Blatt eignen, zu machen ha⸗ ben, ſo bin ich recht gerne bereit, das Porto zu tragen; alle übrigen Aufträge bitte ich mir jedoch frei zuzuſenden: im Unterlaſſungsfalle berechne ich das Porto beſonders.

Da das Blatt, wie ſchon bemerkt, Sonnabends Vormittag ausgegeben wird, ſo können nur ſolche Inſerate in die zunächſt erſcheinende Nummer auf genommen werden, welche ich längſtens Donner ſtag Abend in Händen habe; ſpaͤter einlaufende kommen erſt in das darauf folgende Blatt, alſo acht Tage ſpäter.

Friedberg den 1. Januar 1834. Carl Bindernagel.

NN RN

Beitrag zur Geſchichte des Weinbaues in der Wetterau.

Wenn man jetzt in Rheinheſſen den Flächen gehalt der Weinberge auf mehr als 34,805 Mor gen, in Starkenburg aber auf etwa 2824 Morgen anſchlaͤgt, ſo findet man in der ganzen Provinz Oberheſſen noch nicht 200 Morgen, die dem Wein baue beſtimmt ſind.) So war es in früheren Zei ten keineswegs. Man pflanzte nur Reben, und zwar in ſehr großer Menge, ohne zu bedenken, ob der Boden für dieſelben günſtig ſey oder nicht.

Der Weinbau, welcher zuerſt von den Römern (unter Probus?), ſpaͤter unter Karl dem Gro ßen am Rheine befördert wurde, verbreitete ſich mit dem Chriſtenthume in unſeren Gauen, und wurde ſehr bald ſo allgemein, daß wenige Dörfer zu fin den ſind, welche nicht wenigſtens in ihren Flurbü chern noch jetzt den NamenWingerte aufzuwei⸗ ſen haben. Die Traube iſt auch in der That eine ſo herrliche Frucht, und der Wein, welcher aus ihrem Safte gewonnen wird, ein ſo koͤſtliches Ge tränk, daß man ſich gar nicht wundern darf, wenn der Bau der Reben ſich ſchnell verbreitete. Die Weinberge von Dauernheim werden ſchon im Jahr 790, die von Echzell und Bingenheim aber 817 genannt.*) Des Weines und der Wein⸗ berge zu Rendel geſchieht 1334 Erwähnung. In einer ungedruckten Urkunde von 1395 werden die Weinberge zu Dorheim namentlich angeführt. Noch viel ſpäter findet man hier und dort Nachrichten von

*) Der meiſte Wein wird wohl in Büdingen gezogen. Ebenſo ſind in Vilbel mehrere gutliegende Weinberge. Seit einigen Jahren hat man auch wieder einige neue Weinberge an dem Johannisberge unweit dem chur⸗ beſſiſchen Flecken Nauheim angelegt, die, wie man hört, viel verſprechen, da ſie eine treffliche Lage haben.

*) Schannat Trad. Fuld. p. 45 u. 125.