Intelligenzblatt
für die
Srovinz
Oberhessen
im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
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WMI.
Sonnabend, den 4. Januar
1834.
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Die Redaktion des friedberger Intelligenzblattes an das wetterauer Publikum.
Wer vor vierzig Jahren unſere Wetterau durchreißte, der konnte wenigſtens alle halbe Stunde in eines andern Herren Lande ſeyn. Vilbel z. B. war zweiherriſch; dann kam das zu Frankfurt ge⸗ hörige Gebiet von Dortelweil; die Gegend von Kloppenheim war dem deutſchen Orden; Okar⸗ ben gehörte zur Grafſchaft Kaichen„einer Beſitzung der Burg Friedberg; Niederwöllſtadt, ein ſolms⸗ rödelheimiſcher Ort, hatte ſich ſehr ungerne zu einer Chauſſee bequemt, welche bald nachher wieder endete, da Oberwöllſtadt, Chur⸗Mainz gehörig, zu einer ſolchen ſich nicht hergab; hierauf kam man in das Gebiet der freien Reichsſtadt Fried— berg, und gleich neben ihr in das ihrer größten Gegnerin, der Burg Friedberg, von deren Thurm man rühmen konnte, daß er bei Sonnenſchein ſeinen Schatten in ſieben Herren Länder warf. Gleich jen⸗ ſeits gelangte man wieder ein wenig ins ſolm⸗ ſiſche und dann in das heſſen-caſſelſche Ge⸗ biet; Ober- und Nieder-Mörle, deren Felder man durchſchnitt, gehörten Chur⸗Mainz; hierauf war, wenn wir nicht irren, etwas heſſen-darmſtädti⸗ ſches Gebiet; dann gelangte man zu Niederwei— ſel in das Solms⸗Lichiſche und endlich zu Butzbach wieder in das Heſſen-Darmſtädtiſche. Was hier von Süden nach Norden, das galt auch und vielleicht noch mehr nach andern Weltgegenden. Nur hier und da war auf kurze Zeit Chauſſee; faſt alle Wege und Stege im ſchlechteſten Zuſtande, bei Re⸗
gen und Thauwetter ſo wenig fahrbar, daß ohne die größte Gefahr und ohne Vorſpann nirgends durchzukommen war, und der Poſtwagen, der ſich ohnehin damals nicht ſehr eilte, vier Tage rechnete, um durch die Wetterau zu gelangen. Außer dieſem Namen Wetterau war durchaus kein gemeinſames Band.— Jetzt dagegen gehört bei weitem der größte Theil dieſes geſegneten Landſtriches zum Großherzog— thume Heſſen; die Orte, welche ſonſt hadernd gegen einander ſtanden, haben keine Urſache mehr, ſich anzufeinden; wir haben jetzt nicht nur Eine chauſ⸗ ſirte Hauptſtraße, ſondern nach allen Seiten hin, und wo es allenfalls noch an einer„Kunſtſtraße⸗ fehlt, wie in der Gegend von Echzel oder von Hom⸗ burg nach Friedberg, da haben wir große Hoffnung, eine ſolche nächſtens zu erhalten.— Aber dies nicht allein; noch eine Menge andere Bande verſchiedener Art, materieller ſowohl als geiſtiger, vereinigen dieſe Gegend zu einem Ganzen, die unter den deutſchen Gauen gewiß nicht der ſchlechteſte und häßlichſte iſt. Irren wir uns nicht ganzlich, ſo möchte es, wenn irgendwann, gerade jetzt an der Zeit ſeyn, die⸗ ſes Band durch ein periodiſches Blatt noch enger zu knüpfen.— Wir haben zwar in unſern Zeiten der Zeitſchriſten eine ſo große Menge, daß Manche Gefahr fürchten für gründliches Studiren größerer Werke; nicht allein ſehr viele politiſche Tages⸗ blätter erſcheinen jetzt in allen Gegenden und von verſchiedenen Farhün; auch jeder einzelne Zweig der Wiſſenſchaften kann ſich mehrerer Zeitungen rühmen. Dennoch wagen wir eine neue Zeitſchrift; aber wir wagen es in einem ganz anderen Sinne, als viel—


