Ausgabe 
3.5.1834
 
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neue Kloſter Arnsburg wurde aber nicht mehr mit Benedietinern, ſondern mit Ciſterzienſern be völkert, welche der Abt von Clairvaux ſandte. Von der Zeit an kamen Geſchenke über Geſchenke, und Vermächtuiſſe aus allen Gegenden. Aber auffallend iſt, daß noch bei Lebzeiten der Münzenberger, die doch als Reichskümmerer und Stifter des Klo ſters ſeine nächſten Beſchützer waren, und zwar im Jahr 1219, der Burggraf von Friedberg und die übrigen Miniſterialen daſelbſt von Kaiſer Friedrich II. den Auftrag erhielten, das Kloſter Arnsburg in ſeinen Beſitzungen zu ſchützen). f Nach dem Ausgange der Münzenberger im Jahr 1255 treten dort die Falkenſteiner auf, und nun begannen die wilden Zeiten. Die Peſt kam dazu, und die Mönche waren genöthigt, ſich im Walde aufzuhalten. Bald nachher wurde Philipp von Falkenſtein(1365) in die Acht erklärt und darauf ſeine Feſte Lich erobert und getheilt. Bei ſolchen Verhältniſſen mußte das Kloſter immer mit büßen. Werner von Falkenſtein, der Erzbiſchof von Trier, nahm ſich ſpaͤter deſſelben liebevoll an, und ſandte dem Abte Rudolph 400 Kriegsknechte, welche das Kloſter zwei Jahre lang naährte, um ſich gegen die Angriffe zu ſichern. f e Als die Falkenſteiner 1418 in mäunlicher Linie ausgeſtorben waren, erbten die Beſitzungen der dortigen Gegend die Grafen von Solms. Aber die Zeiten wurden nicht beſſer. Der Ritter Konrad von Weitershauſen(Woyttershusen) zündete nicht lange nachher dem Kloſter die Höfe Güll und Burkhardsfelden an. Und als das kaum verſchmerzt war, vernichtete unter Abt Bernhard im Jahr 1431 eine Feuersbrunſt alle aufgehauften Zehntfrüchte. Nachdem bald darauf unter dem Abte Johann eine Zweite Feuersbrunſt die Scheu nen mit den Früchten zu Gull und zu Wickſtadt verzehrt hatte, war man genöthigt, Güter zu ver ſetzen, um ſich nur zu helfen. Im Jahr 1437 raubte Ruter von Reifenberg dem Kloſter 600 Schaafe und Heinrich von Schweinsberg die Pferde und das übrige Vieh. Später vernichtete die Flamme abermals die Vorräthe, und eine zweite und dritte Feuersbrunſt zweimal die Schlafgemacher der Mönche. Unter ſolchen Verhältniſſen endete das fuͤnfzehnte Jahr⸗ hundert. Es war kein glückliches geweſen. Das ſechzehnte erſetzte dagegen zum Theil die manchfachen Leiden früherer Zeit, bis gegen das Ende die Strei tigkeiten mit den Vogteiherren begannen, die weit über das ganze folgende Jahrhundert fortdauerten. Dazu kamen nun noch die Schrecken des dreißig⸗ jährigen Krieges, welche das Kloſter an den Rand des Verderbens brachten. So lange zwar Oeſtreich und

) Alljährlich bekam noch bis in die neueren Zeiten für die⸗ ſen Schutz der Burggraf vom Kloſter Arnsburg ein Paar Stiefel und ein Stück graues Tuch geſandt.

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die Liga ſiegten, gieng's noch erträglich. Als aber Guſtav Adolph nach dem Siege bei Leipzig ſchnell vorgerückt war, da verbreiteten ſich deutſche und ſchwediſche Schaaren von Hanau aus nach den wetterauiſchen Klöſtern und ſo denn auch nach Arns burg. Dadurch wurde die Noth ſo groß, daß der neugewählte Abt Joh. Adam(Güll von Grünin⸗ gen) mit einigen Mönchen bis nach Clairvaux floh, und dort erſt ſeine Weihe empfieng. Nun wurde das Kloſter ſo verwüſtet, die Kirche ſo aller Altäre beraubt, daß der Gottesdienſt in einer kleinen Capelle neben der Kirche gehalten werden mußte, und dieſe erſt im Jahr 1672 wieder für denſelben benutzt werden konnte. Joh. Adam kam zwar 1634 nach der Schlacht bei Nördlingen wieder zurück, aber er mußte ſich mit dem Einen Kloſterbruder, der ihm übrig geblieben war, doch noch einige Monate verborgen halten, und die Barbareien gegen einzelne Mönche, welche ſich außerhalb blicken ließen, endeten erſt mit dem Frieden 1648.

Als im Jahr 1674 Robert Kolb, der Ver faſſer des unter dem Namen aquila certans be kannten Werkes, die Abtswürde erhielt, waren die Verhältniſſe des Kloſters ſo zerrüttet, daß er nur 25 Kreuzer baares Geld vorräthig fand. Er iſt als der zweite Schöpfer und Ordner des Kloſters anzuſehen, das unter ihm aus ſeinen Trümmern wieder emporſtieg. Noch mehr wirkte im achtzehnten Jahrhundert der Abt Peter Schmitt von Rocken berg, der von 1746 bis 1772 der Abtei vorſtand. Er gab nicht nur der Kirche eine neue Orgel und ein neues Dach, ſondern ließ auch noch mehrere andere Gebäude errichten. Als ein Freund der Wiſſenſchaften gründete er eine bedeutende Biblio thek. Aus dem Teſtamente jenes Biſchofs Rudolph

von Verden aus dem Hauſe Ruhl zum eiſernen Hute in Friedberg, welcher eine Capelle gründete,

die 6 verzierte(bemalte) Fenſter haben ſollte, ſehen wir zwar u. A., daß das Kloſter damals ſchon im Beſitze einiger Bücher war. Man kann aber auch daraus, daß er in ſeinem Teſtamente auf die Rück⸗ gabe jener Paar Bücher drang, auf die Seltenheit derſelben in jenen Zeiten ſchließen. Der dreißig jährige Krieg mag wohl davon alles vernichtet haben. Peter ſorgte aber nicht nur für neue Werke; er ließ auch in dem Kloſter Disputationen und Vorleſungen über philoſophiſche, theologiſche und juriſtiſche Gegenſtände halten. Dieſe Liebe zu den Wiſſenſchaften erſtarb in dem Kloſter auch ſpäter nicht. Noch im Anfange dieſes Jahrhunderts wurde der gelehrte Peter Joſeph Mang als Profeſſor der Theologie nach Arnsburg berufen.

Jener Abt Peter hatte das Unglück, daß ihm während des ſiebenjahrigen Krieges die Feinde drei mal das Kloſter plünderten, und daß ihm dreimal mehrere Mönche als Geißeln mitgenommen wurden. Er ſelbſt mußte fünfmal flüchten.

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