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Stadt betrifft, wenig bekannt 5); wohl aber kennen wir durch Urkunden den Ausgang derſelben und die traurigen Folgen für die oftgenannte Capelle. Zwei Urkunden*) von 1526 geben daruͤber hinlängliche Auskunft. In denſelben erklären Bürgermeiſter, Schöffen und Rath, ſo wie ſämmtliche Bürger zu Friedberg,„daß ſie im vergangenen Sommer „(alſo 1525) gegen den Burggrafen ſich empört „und unter Andern die St. Catharinen-Kirche „gegen der Burg zu befeſtigen im Sinne gehabt, „nun aber Reue empfinden, ſich auf Gnaden erge— „ben und verſprochen, die St. Catharinen-Kirche „zu einem Zeichen und Gedächtniß ihrer unbilligen „Aufruhr auf ihre Koſten abzubrechen und an einem „anderen und bequemeren Orte wieder aufzubauen.“ Eine Chronik, welche den wirklich erfolgten Abbruch meldet, ſetzt hinzu, daß ſie nicht wieder auf⸗ gebaut worden ſey. Ohnehin machte die Ein⸗ führung der Neformation ſolche Capellen nicht mehr nöthig; bei der ſpäteren Abnahme der Bevölkerung reichte die Stadtkirche für den Gottesdienſt hin, und jetzt, alſo dreihundert Jahre nach dem Abbruche jener Capelle, finden wir kaum die Stätte wieder, wo ſie einſt war. So vergeht alles Irdiſche!(Auch wir— früher oder ſpäter.)
Ph. Dieffenbach.
Anfrage und Antwort darauf.
Wie ſangt man es am beßten an, daß die Leute bei ſchlimmer Witterung von den Wegen nicht auf die nebenliegenden Aecker gehen?
Dieſe Frage hat ſich der liebe Leſer gewiß ſchon ſelbſt vorgelegt, wenn er in unſerer Wetterau hier und da ſah, wie an den Wegen die ſchönſten und hoffnungsvollſten Fruchtäcker mit ihrem künfti⸗ gen Segen wahrhaft vernichtet wurden. Wie man's
*) Eine bei dieſem Kampfe den Bürgern abgenommene Fahne wurde in dem Burg⸗Archive aufbewahrt und mit demſelben vor mehreren Jahren nach Darmſtadt gebracht. Eben dahin wurde auch vor einiger Zeit ein großes Ge⸗ mälde verehrt, welches Friedberg darſtellt, wie es zur Zeit der Reformation geweſen iſt. Dieſen Zuſatz verdanke ich ebenfalls der Güte des Herrn Kirchenraths Pilger.
**) Dieſe beiden Urkunden finden ſich abgedruckt in einer Streitſchrift, welche den Titel führt:„Gründliche— In⸗ lormation von der Reichsſtadt Friedberg in der Wetterau, Regiments⸗Verfaſſung und Reichs⸗Standſchafft ꝛc. 1c. Fol. Seite 61 und 62. Lit. A und B.
nicht machen ſoll, das ſieht man an gar vielen Orten. Zehn-, ja zwanzigmal läßt ſich ein Acker⸗ beſitzer die Mühe nicht verdrießen, und macht einen ungeheuern Graben mit hohem Walle, und pflanzt oben darauf eine Anzahl Dornen, um den Wan⸗ derer zu zwingen, auf dem Wege zu bleiben. Es hilft aber alles nichts. In der Noth kennt man kein Gebot Cnach dem alten Sprichworte). Der Wanderer macht's wie die Franzoſen an der Citadelle von Antwerpen; er erzwingt ſich den Ein⸗ gang. Und warum?— weil er weiß, daß man auf dem Acker beſſer wandert, als auf der zum Wandern beſtimmten Straße. Die Ant⸗ wort auf obige Frage liegt alſo ſehr nahe. Sorge nur, daß wenigſtens da, wo dein Fruchtacker liegt, die Straße etwas beſſer wird. Suche das Waſſer vom Wege abzuleiten, und wenn du keinen Sand oder keine Steine haſt zu einem bequemen Fußwege, ſo ſuche den Theil des Weges, der zum Gehen beſtimmt iſt, wenigſtens etwas höher und trockener zu legen. Kurz, vergiß ja nicht, daß man da, wo der Weg gut iſt, gar nicht daran denkt, auf dem Acker zu gehen; daß aber, wenn der Weg grundlos iſt, weder Graben noch Dornen den Wanderer abhalten, Schutz auf dem Acker zu ſuchen. Es ſind im Gegentheile die allerſchlechteſten Mittel, denn ſie bewirken nur, daß man einen um ſo größeren Bogen über den Acker macht, als man ohne das gemacht haben würde.
Bekanntmachungen.
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(3) Ein kinderloſes Ehepaar, wovon der Mann die Gärtnerei und Pferde zu verſorgen, die Frau hingegen das Rindvieh zu verpflegen im Stande wären, können zuſammen— bei guten Zeugniſſen
in einem Hauſe anſtändige Unterkunft finden.
(15) Der Unterzeichnete empfiehlt ſich in nach⸗ ſtehenden Waaren zu fixen Preiſen, mit Zuſicherung guter und billiger Bedienung, nämlich: Tuch, Halb⸗ tuch, Caſimir, Bieber Finets, Sommer- und Weſten⸗ zeugen, bielefelder, ſachſiſche und ſchleſiſche Lein⸗ wand, Damaſt- und Gebild⸗Tafelzeugen und Hand— tücher, weiße naturell⸗farbige und halbſeidene Kaffee⸗ Servietten, weiße und farbige Taſchentücher und Futter-Leinen; beſonders kann ich mein Tuch⸗ und Leinen Lager dem damit handelnden Publikum beſtens empfehlen, indem ich durch die vortheilhaſteſten Ver⸗ bindungen mit den vorzüglichſten Fabriken in den Stand geſetzt bin, nicht nur alle Vortheile einzu— räumen, welche andere Handelsplätze, als Frank⸗ furt, Offenbach u. ſ. w. gewähren, ſondern durch


