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breitet. Das geht auch aus diesen Briefen hervor. Ein Gießener Kaufmann, der sich seither eines großen Ansehens erfreut hatte, hatte Hand an sich gelegt und sich die Kehle durchgeschnitten. Von diesem Ereignis spricht Frau Becker in ihrem Briefe, sie schreibt: „Des B. Todes Arth hat einen in Furcht und Schrecken gebracht, gegen 7 Uhr kam die Marline und sagte es. Er soll schon einige Jahre in dieser Jahreszeit tiefsinnig ge⸗ wesen sein. Dieses muß ihn auch zu solcher schändlichen Taht verleidet dagen Auch der D. hatte am Sonntag Abend an seinem Hals auf der Großenbrück den Anfang ge⸗ macht, ich vermuthe aber, wie es ihm weh gethan hat, hat er aufgehört und um Hülf geschrieben, als ob ihn jemand hätte er⸗ morden wollen, dieser kommt wieder zu⸗ recht. Frau Amtsdiener Schneider hat am Montag ein Mädgen bekommen.“ Dann kommen geschäftliche Mitteilungen:„Der Wolf hat noch keinen Schnaps geschickt. Bis Samstag kommt der Huhn, um Ihnen abzu⸗ holen, es hat sich mit seiner versprochenen Fahrt geändert.“ Am Schlusse ihres Briefes hatte die gute Großmutter dem kleinen, damals ein Jahr alten Emil die Hand ge⸗ führt zu einem Gruße an die Eltern. Einige Tage später schrieb Frau Becker an die junge Frau Pistor— es handelt sich hier um dessen zweite Frau Marie, geb. Lynker— folgendes:„Wüste ich nur, ob ich Pistor einen Gefallen täte, so schickte ich ihm noch 200 fl. Heute sind viele Preußen in die Gegend einquartiert worden wie auch um 100 Mann hier, ob wir welche bekommen haben, weiß ich noch nicht.“ Darunter steht: „Liebe Mutter, vergeß mir mein Meßstück nicht. Dein lieber Emil.“ Die Adresse dieser Briefe lautet:„Herrn Jacob Pistor in Frankfurth, wohnhaft bey Frau Meßmann in der kleinen Kornblumengasse.“ Frau Becker muß eine gute Frau gewesen sein, weil sie in dieser freundlichen Weise mit ihrem Schwiegersohn und dessen Frau ver⸗ kehrt hat.
Auch Jakob Pistor hat ein Hausbuch ge⸗ führt, dem wir folgende Angaben entneh⸗ men:„9. October 1824 wurden 5 Straßen räuber, welche aus der Gegend von Bieden⸗ kopf gebürtig und die Gladenbacher Post beraubt hatten, mit dem Schwert hingerich tet.“—„Im July 1825 war meine Schwie germutter mit meinem Sohn Emil in Salz⸗ hausen, um das dortige Salzbad zu ge⸗ brauchen. Ende July besuchte ich das Bad noch 14 Tage und machte in Gesellschaft meines Schwagers Müller, Rathsschöff Seip mehrere Partien in die Umgegend als nach
Ortenberg, Büdingen.“—„Am 13. July 1826 wurde ich von der Kaufmannschaft zum Zunftmeister gewählt.“—„Im October
1826 machte ich in Gesellschaft meiner bei⸗ den Schwager Müller eine Reise in das Rheingau grade während der Weinlese, bey Rüdesheim setzten wir über und reisten von
da über Mainz in die Pfarrer Volmar in Sülsen(Selzen), wo wir nach 2tägigem Aufenthalt über Darmstadt wieder zurückkehrten.“—„Im July 1827
wurde ich an einem Lungengeschwür gesähr⸗ lich krank, so daß ich dieses Jahr die Herbst⸗
messe nicht besuchen konnte, wurde aber mit Hülfe Gottes wieder ganz hergestellt.“ In das Hausbuch seines Vaters trägt Emil Pistor dann ein:„1829, Octbr. d. 5. wurde mein Vater krank. Donnerstags d. 15. starb mein Vater Abends ¼ auf 10 Uhr an einer Lungenentzündung durchs Nerven⸗ fieber und wurde Sonntags d. 18. Oetr, um 8 Uhr Morgens begraben.“ Nur 41 Jahre ist der tatkräftige und geistig regsame Mann alt geworden. Er hat, wirksam durch seine Schwiegereltern unterstützt, das Ge⸗ schäft, das heute noch den Namen seines Sohnes trägt, in die Höhe gebracht.
4. Mitteilungen der Nachkommen Jakob Pistors.
Es sei hier zunächst einiges über die alten und interessanten Gebäude mitgeteilt, die heute noch zu dem Pistorschen Geschäfte ge⸗ hören. Das eigentliche Geschäftshaus Markt⸗ straße 10) ist kein einheitliches Gebäude, Ursprünglich war es ein ziemlich kleines Gebäude, im Jahr 1848 hat Emil Pistor in Anlehnung an das alte Haus das heute noch stehende errichtet. Nach der Marktstraße bildet das Gebäude eine einheitliche Front, wer jedoch das Haus von der Sandgasse her betrachtet, der findet sofort, daß es sich bei dem nach dieser Gasse gelegenen Teile um einen älteren Bau handelt. Durch⸗ schreitet man den Hof, so gelangt man naß dem Lagerhause. Daß dieses Haus alt i, merkt man an dem Balkenwerk und dem vorspringenden Oberstocke. Zweifellos ist es ursprünglich ein Wohnhaus gewesen, es wurde, wie wir früher schon mitgeteilt haben, 1792 von Johann Melchior Becker erworben. Dieser schreibt bekanntlich:„mein an der Bachgasse gelegenes Haus.“„Die“ Bach, wie man nach hessischer Gepflogenheit sagt, floß an dem Hause vorbei, ist heute aber zugewölbt. Hinter diesem Hause liegt ei weiteres Lagerhaus, in dem wir das allt städtische(später Loossche) Brauhaus finde, es ist ein großer, sehr solid aufgeführter und dem ganzen Aussehen nach alter Bau. Ein Inschrift an diesem Hause lautet:
„Anno 1671. Johannes Oßwald jetzt im Raht der Jüngst Herr Hat diese Platz erwehlt zum Bräuhaus und a zur Dörr Nachdem H. Balser Schmidt zum Erstemal a versehn Das Bürgermeisteramt, ist dieses so geschehn. Mit Will des ganzen Rahts als eben in den Jahr
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