Ausgabe 
28.12.1919
 
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gewütet, die Berichte darüber lauteten trost⸗ os, ganze Strecken waren niedergelegt und der Schaden war unermeßlich. Im Philo⸗ sophenwalde waren ganze Lichtungen ent⸗ standen, fast alle hohen Föhren und Kiefern,

deren flaches Wurzelwerk in dem leichten

Sandboden keinen festen Halt hatte, waren niedergerissen, besonders die südliche Ecke, nach dem Trieb und der Liebigshöhe zu, war vollständig abrasiert. Die Baumstämme mit samt ihren Wurzelstöcken lagen kreuz und quer durcheinander. In den Eichen⸗ und Buchenbeständen war der Schaden viel ge⸗ ringer, diese hatten besseren Widerstand ge⸗ leistet. Nach dem Philosophenwalde hatte ich meinen kleinen fünfjährigen Neffen mitge⸗ nommen, um ihm das Bild der Zerstörung zu zeigen, damit er es seinem Gedächtnis einpräge und damit es ihm eine Erinnerung für sein Leben bleiben sollte. Als ich den Jungen wieder nach Hause gebracht hatte. lief er seiner Mutter mit ganz betrübtem Gesicht in die Arme und begrüßte sie mit den Worten:Denk einmal an, lieb Mutter⸗ chen, der ganze Philosophenwald liegt auf der Erd.

Ein Glück war es, daß bei dem Un⸗

wetter, welches in der sturmbewegten Nacht

unter Blitzen aus westlicher Richtung nach

Osten zog und nach den eingegangenen Be⸗

richten eine große Ausdehnung gehabt hatte, kein Regen gefallen ist, sonst wäre der Scha⸗ den an den Gebäuden noch viel bedeutender gewesen. Das größte Glück war es aber, daß, abgesehen von ungefährlichen Ver⸗ letzungen, kein Menschenleben dabei zugrunde gegangen ist. Ein Sturm gleich diesem war vordem seit Menschengedenken noch nicht

über unsere Stadt hereingebrochen, und möge

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es fernerhin der liebe Himmel verhüten, daß

je wieder ein solcher unsere Gegend heim⸗ Heinrich Hochstätter sen.

Erwin Gros. Von Dr. Karl Esselborn. (Schluß.)

Die glücklichen Umstände der Entstehnug

der Erzählung von der letzten Nonne ließen ein kleines Meisterwerk zustande kommen. Die Erzählung behandelt die eschichte des in der Reformationszeit in ein adeliges Frauenstift umgewandelten Klosters Wals⸗ dorf bei Idstein zur Zeit des Dreißigjähri⸗ gen Krieges, der den Untergang des Klosters herbeiführte. Den geschichtlichen Rahmen fand Gros in der von seinem väterlichen Freunde Adolf Deißmann bearbeitetenGe⸗ schichte des Benediktinerklosters Walsdorf Wiesbaden 1863) vor. Die Geschichte der Heldin, der Ottilie von Flörsheim, der letzten Nonne, ist dichterisch ausgeschmückt durch die Geschichte ihrer Liebe zu Konrad

Selgen, der, wie sein Vater, der Schultheis

Selgen, eine frei erfundene Gestalt ist. Die

übrigen Personen dagegen sind durchweg

geschichtlich, vor allem der prächtige Pfarrer Philipp Fell, von dem die Geschichtsquellen

mit dem Jahre 1630 an vollständig schweigen. 5

Im Gegensatz zu diesem Werk brauchte, wie schon erwähnt, der zuerst imReichs⸗ boten und dann im Dranienverlag in Buchsorm erschieneneBauernpfarrer mehrere Jahre zum Ausreifen. Der Schau⸗ platz der Erzählung ist das im Jahre 1866 an Preußen abgetretene hessische Hinterland. Unter der Gemeinde des Bauernpfarrers, Frondorf, darf man sich, wie ebenfalls be⸗ reits gesagt, Frohnhausen vorstellen, das benachbarte Biedenberg(S. 99) ist Bieden⸗

kopf, das einmal genannte Frankenstein (S. 56) Frankenberg. Der junge Pfarrer

Erich Hildwein, ein Stadtkind, hat in Fron⸗ dorf seine erste Anstellung gefunden und kann anfangs keine rechte Fühlung zu seiner ländlichen Umgebung finden. Zweifel an der richtigen Wahl seines Berufes steigen in ihm auf. Er erlebt schwere Geschicke einzelner Glieder seiner Gemeinde: die Tren⸗ nung zweier Liebenden durch einen schein⸗ heiligen habsüchtigen Vater und den da⸗ durch mittelbar veranlaßten Tod beider, aber auch an sich selber: den Tod seiner Braut. Er lernt treffliche bäuerliche Cha⸗ raktere kennen, wie sie beispielswweise in seinem Kirchendiener, dem Daniel Hollen⸗ steiner, und vor allem in dem einer Huge⸗ nottenfamilie entstammendenk) Jehu Varel verkörpert werden, und schließlich ringt er sich zu der Erkenntnis durch, daß er Pfarrer werden wolle(S. 468), und abgetan ist seine frühere Meinung,man müsse vom Lande stammen, um als Landpfarrer sich wohl zu fühlen und wirken zu können(S. 371). So wird dem aus der Welt der Kultur in die Welt der Natur Versetzten diesedie rechte Hochschule(S. 45).

Erich Hildwein, der Bauernpfarrer, trägt, wenn er auch eine dichterisch frei erfundene Persönlichkeit ist, viele Züge des Verfassers an sich. Dahin gehören beispiels⸗ weise seine musikalische Begabung, seine Ab⸗

sicht, Geschichte und Literatur zu studieren

(S. 451) usw. Wenn ihm die Braut einmal sagt:Wenn ich Pfarrer wäre, so würde ich mir am Sonntag irgendeinen Menschen, der mir in der Woche nahegekommen wäre, in Gedanken vornehmen und bei mir be⸗ schließen, dem willst du durch die Predigt den Weg leichter, das Leben wichtiger, Gott und die Menschen liebenswerter machen (S. 212), wenn der Vater der Braut die wichtige Wahrheit ausspricht:Der Theo⸗ loge in uns darf den Menschen nicht über⸗ wuchern, sonst legen wir leicht an das

*) Wie auf S. 18 erzählt ist, sollen seine Voreltern aus Nordfrankreich stammen und der Landgraf von Hessen seinen um des Glaubens willen die Heimat verlassenden Ellervater eine Försterstele verliehen haben. Das stimmt freilich nicht für Hessen⸗Darm⸗ stadt, wo der Landgraf Ernst Ludwig sein Land nur den Waldensern öffnete.