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Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen
Nr. 7 Gießen, Septuagesimä, den 16. Februar 1919 8. Jahrgang
Heilung. errichtet. Dieses Schriftstück ist gleichfalls Pfalm 80, 4. Laß uns feuchten Dein Ant⸗ für die Gegenwart interessant, es hat folgen⸗ litz, so genesen wir. den Wortlaut:
Die Welt ist krank und blutet aus tausend Im Namen der heiligen Dreieinigkeit Wunden. Wie eine Seuche hat die Krank⸗ g Amen e heit um sich gegriffen, auch unser Volk ist Nachdeme ich Johannetta Maria Catha
davon befallen und trägt schwer an seinen rina des fürstlichen Oberschultheißen Schotts Wunden, es ist todkrank. Die Klage des Je⸗ in Gießen nachgelassene Wittib eine ge remias kommt uns bei dem Anblick des ster⸗ bohrne Feuerbachin bereits diejenige Jahre benskranken Deutschland ins Herz und auf erreicht habe, die mir zu einem noch langen die Lippen:„Mich jammert herzlich, daß Leben wenig Hoffnung übrig lassen und auch mein Volk so verderbet ist, ich gräme mich überlegt und die Erfahrung gemacht habe, und gehabe mich übel. Ist denn keine Salbe daß nichts gewisser als der Tod, die Stunde in Gilead? Oder ist kein Arzt nicht da? desselben aber ungewiß seye, so habe ich bei, Warum ist denn die Tochter meines Volkes Gott lob, noch völlig guter Gesundheit und nicht geheilet?“ vollkommen guten Verstande, mich entschsof⸗ Genug Aerzte mühen sich, dem kranken sen, über mein Vermögen, und wie es der Körper unseres Volkes Heilung zu bringen. einsten nach meinem in Gottes Händen Die einen meinen, eine neue Staatsform stehenden seeligen Absterben damit gehalten wird es tun, die anderen erwarten von werden solle, nachstehende letzte Willensdis⸗ neuen wirtschaftlichen Maßnahmen alles position zu errichten. Heil, und wieder andere glauben, daß eine Erstens empfehle ich meine durch Jesum völlige soziale Umschichtung zum Ziele führt. Christum nur allein erlöste Seele in dessen Dazu kommen noch unzählige Kurpfuscher, heilige Hände und verhoffe zu meinen Er die mit ihren Mitteln und Mittelchen auf ben, daß solche nach meinem seeligen Hin unser armes krankes Volk losgelassen wer- tritt, meinen erblaßten Körper, nach christ⸗ den. lichem Gebrauch zur Erde werden bestatten Und doch kann alles nicht helfen, und lassen. Was sodann mein Vermögen an⸗ doch muß alle menschliche Kunst hier ver⸗ belangt, so setze, ordne, und will ich, daß sagen. Es gibt nur ein Heilmittel— und. Zweitens a) mein Neffe, Herr Stall⸗ dieses allerdings ist das Radikalmittel zur meister Johann Henrich Ludwig Schott und Heilung aller Völker:„Laß uns leuchten b) meine Niece, dessen Frau Ehekonsortin dein Antlitz, so genesen wir!“ Ein ein⸗ Johannetta Susanna Catharina, eine ge saches Rezept, das den Erfolg verbürgt. Das bohrne Rühlin, als welch beide ich wie meine beste Naturheilmittel für den kranken Men⸗ leibliche Kinder jederzeit angesehen und ge schenleib ist die Sonne mit ihrer durch- liebt habe, nach meinem seeligen Absterben dringenden, wärmenden Kraft; das einzige meine alleinigen Erben sein und bleiben, und Heilmittel für die kranke Volksseele ist das mein sämtlicher Nachlaß, er bestehe worinnen Licht von Gottes Angesicht. Stellt unser er nur immer wolle, auf so eben gedachte Volk hinein in dieses Licht mit seiner alles beide Stallmeister Schottische Eheleute fallen Schlechte und Sündige hinwegtilgenden solle.
Kraft, mit seiner Leben weckenden und stär:⸗ Dieses vorausgesetzt verordne ich ferner kenden Macht, und die Krankheit wird von Drittens, daß mein in den Neuenbäue
ihm weichen. Jesus steht vor unserem Volke neben Herrn Regierungsrath Benner und mit der Frage voll Mitleid, aber auch voll Herrn Superintendent Schulz belegenes allmächtiger Kraft:„Willst du gesund wer⸗ Hauß, sodann die sich nach meinem Tod,
97 1 Ja N 5 8 122 e 22 5 2 4 den?“ Wollen wir uns von ihm abwenden unter meinem Nachlaß befindliche männliche und in unserer Krankheit elend verkommen? Kleidung, männliches Weißzeug und Pretio an, wir bitten ihn:„Laß, uns leuchten sen so wie derjenige Ring, den ich von der dein Antlitz, so genesen wir! Frau Regierungs⸗Secretär Wießmerin ver⸗ 5 8 macht bekommen, auf den Herrn Stallmeister
9 2 1 5 91 N 5 Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. Schott, dahingegen die weiblichen Pretiosen, 13. Aus dem Gießener Familienleben als Schmuck, Perlen, Ringe, so wie auch das
des 18. Jahrhunderts. weibliche Weißzeug und weibliche Kleidungs⸗ (Schluß.) stücke auf die Stallmeister Schottische Ehecon⸗
Als der Oberschultheiß Schott gestorben sortin als ein Praelegat fallen, das unten
war, hat seine Witwe alsbald ihr Testament dieser Nummer bemerkte in den Neuenbäuen


