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Schwachheit etwas geradezu Unfaßliches hat. rung, sie ging mit meinem
Er weiß, was der Tod von der Sünder Hand, um der Sünde willen bedeutet, und geht den Weg des Todes in der Gewißheit, daß das Weizenkorn in die Erde fallen und ersterben muß, damit es nicht allein bleibe. So fällt von diesem Opfer ohnegleichen auch ein Licht auf das große Opfer unserer Zeit, auf die Blut⸗ und Tränensaat unseres Volkes. Mit unserer Erlösung, mit der gro⸗ ßen Gewißheit der vergebenden Liebe Gottes, die im Opfer Jesu uns gewonnen ist, geht uns auch etwas auf von der dauernden Un⸗ entbehrlichkeit, vom bleibenden Wert alles Opfers. Es gilt davon das tröstliche Wort: Das erstorbene Weizenkorn bleibt nicht allein; es stirbt, um Frucht zu bringen. Für unseres Volkes Leben bürgt uns des dar⸗ gebrachten Opfers Größe und Reinheit.
die Stadt Gießen um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Von Kommerzienrat Heinrich Schaffstädt. (Schluß.) Sport wurde damals von der Jugend wenig betrieben. Das Turnen wurde
erst viel später in der Schule einge⸗
führt. Wir Jungen hatten Privatunter⸗ richt bei Christoph Rübsamen im Pro⸗ menadenhaus für monatlich 12 Kreuzer. Eine gewisse militärische Erziehung der
Jugend geschah durch den Pedell der Real⸗
schule Ruckelshausen, der die Schüler der
obersten Klasse mit den alten Bürgerwehr⸗ gewehren einexerzierte. Um das Jahr 1863
bis 1864 bildete sich eine Freiwilligenkom⸗ pagnie aus Studenten und Bürgersöhnen, die für die Befreiung Schleswig-Holsteins kämpfen wollten. Sie betrieben ihre mili⸗ tärischen Studien im Zeughause, das damals als Lagerhaus und Fechtboden für die Stu⸗ denten diente. Die politischen Wogen gingen zu dieser Zeit hoch. So entsinne ich mich, daß eine Volksversammlung im„Prinz Carl“ be⸗ rufen war, um eine Adresse an den Groß⸗
herzog zu beraten zwecks Teilnahme an der
Befreiung Schleswig⸗Holsteins vom däni⸗
schen Joch. In dieser Adresse, welche ein Hof⸗ 1 pen war ganz allgemein und hat wohl auch
gerichtsadvokat Welker vortrug, kamen die Worte vor, daß, wenn der Großherzog die
Teilnahme versage, sein Thron gefährdet sei.
Dieser Satz rief eine gewaltige Begeisterung hervor und imponierte mir gewaltig. Wun⸗ dern muß ich mich noch heute, daß Schüler im Alter von 13 l sammlungen besuchen durften.
Vater nach Lang⸗
göns. Der Bahnhof befand sich im Oswaldi⸗ schen Garten, eine primitive Holzbaracke. Auf
zwei Holztreppen stieg man auf den Damm empor. Die Personenwagen 3. Klasse hatten
keine Fenster, sondern Lederjalousien. Loko⸗ motivführer und Heizer standen auf der freien Lokomotive ohne jeden Wetterschutz. Noch lange war die Main⸗Weser⸗Bahn ein⸗ gleisig. Unser jetziger Bahnhof wurde im Jahre 1867 eröffnet.
Anfang der 60er Jahre begann auch für Gießen eine neue Zeit. Von Seiten der Stadt wurde zwischen dem Selters- und dem Neuenwegertor ein großer Komplex Gärten und Aecker angekauft und mit der Schaffung der Südanlage begonnen. 1862 wurden dit ersten Häuser dort errichtet. Dann folgten
die Nordanlage und erst viel später die
Ostanlage. Es entwickelte sich nun eine
regere Bautätigkeit, jedoch immer noch lang⸗
sam bis 1870, von da an aber rapid steigend.
Das Leben und Treiben in der Stadt war um die Mitte des vorigen Jahrhunderts immer noch dasjenige eines größeren Land⸗ städtchens. Wenn man von der Universität absieht, so herrschte das kleine Bürgertum vor, und jeder Bürger war mehr oder we⸗ niger Landwirt. Es wurde viel Vieh gehalten und durch die Stadt auf die Weide getrieben. Auch vier stattliche Schafherden waren vor⸗ handen.— Industrie, außer der sich langsam entwickelnden Tabakindustrie, war nicht vor⸗ handen, dagegen Handwerksgattungen, die jetzt langsam aussterben oder ausgestorben bzw. der Großindustrie anheimgefallen sind. Ich nenne die Holzdrechslerei, die damals von
6—8 Bürgern betrieben wurde, Posamen⸗ tiererei, Seilerei, 6—8 Lohgerbereien, Holz⸗
14 Jahren solche Ver⸗ v. teren& i Au eine obergärige Bierbrauerei gab es bei Füh⸗
schuhmacherei, Messerschmiede, Kammacher, Bürstenbinder, Hutmacher, Gürtler, Kappen⸗ macher, Zinngießer usw. Alle diese Gewerbe standen noch unter Zunftzwang. Bierbraue⸗ reien bestanden um diese Zeit wenigstens 10, welche vielfach nur im eignen Besitz ihr Bier ausschenkten. Und was wurde getrunken in jener Zeit! Die Studenten leisteten das Menschenmöglichste. Aber auch die Bürger ließen sich nicht faul finden. Der Frühschop⸗
manche bürgerliche Existenz vernichtet. Im Sommer gab es das Lagerbier, welches in
den jetzt verschwundenen Felsenkellern an der
Die Verkehrsverhältnisse unserer Stadt im Anfang der 50er Jahre beschränkten sich nach
außen auf die Post, die„Thurn und Taxissche
Post“. Es gingen die Wagen nach Grünberg,
nach Hungen und nach dem Hinterlande nach Gladenbach. Die Main⸗Weser⸗Bahn wurde
in den Jahren 1852— 55 gebaut und strecken⸗
weise dem Betrieb übergeben. Meine erste
Eisenbahnfahrt ist mir noch gut in Erinne⸗
Hardt eingelagert wurde. Im Herbst und Winter mußte man sich msit dem jungen, viel schlechteren Schankbier behelfen. Auch
rer, der ein ganz gutes Bier braute, das ½ Liter zu 6 Heller, während das Lager⸗ bier 3 und 4 Kr. kostete.
Wie schon gesagt, so floß das Lehen der Bürger in engen, patriarchalischen Verhält⸗ missen dahin, mehrfach aufgerüttelt durch die Stürme der Zeit, wie die Bewegung des Jahres 1848. Einer kannte den anderen mit
Namen und auch mit Spitznamen, die ganz
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