v. Krug, v. Rodenstein, v. Schaumberg. v. Schmalkalder, v. Stein, v. Zangen, von Dresky, v. Lesch, v. Buseck, v. Humbracht, v. Klippstein, v. Löhr, v. Rabenau und v. Ritgen hatte, mit Ausnahme der sechs Letztgenannten, keinen eigenen Hausbesitz. Immerhin wird der Leser, wenn er den unteren Teil des alten Friedhofs(zwischen Mauer und Aufseherwohnung) durchwan⸗ dert, eine Anzahl Ruhestätten der alten Gelehrten- und Honoratioren-Familien fin⸗ den, sich aber vergeblich nach Epitaphien jüngeren Datums, die sich auf diese Familien beziehen, umsehen; sie finden meist in den 60er Jahren ihren Abschluß, obgleich gewiß viele der Nachkommen nicht mehr unter den Lebenden weilen. Sie verschwanden wie dies ihre Eigenschaft als Staatsangestellte mit sich brachte, durch Versetzung oder aus an⸗ deren Gründen nach und nach aus ihrer Vaterstadt, um nicht mehr zurückzukehren. Dagegen blühen viele echt Gießener „Kern⸗Bürger“⸗Familien noch heute, deren Namen mit der Geschichte unserer Stadt eng verknüpft sind und jahrhundertelang zurück verfolgt werden können, so die Appel, Balser, Benner, Beil, Brück, Becker, Beppler, Braun,
Dechert, Dickors, Dörr, Ebel, Engel, Euler, Faber, Felsing, Ferber, Fischer, Flett, Frank,
Frech, Hofmann, Homberger, Jung, Koch,
Kohlermaan, Krailing, Krauskopf, Lampus, Loos, Löber, Lotz, Leib, Möhl, Moll,
Müller, Noll, Petri, Pfeiffer, Pfeil, Plank, Rinn, Rothenberger, Sack, Schmidt, Schnei⸗ der, Schwan, Simon, Stohr„Vetzberger, Vogt, Wagner, Wallenfels, Weber, Wei⸗ dig, Zinßer. Die Träger dieser Namen waren durchweg Handwerker, und ganze Generationen hindurch vererbte sich in einer und derselben Familie das Gewerbe vom Vater auf den Sohn, z. B. die Weißbinderei in der Familie Petri, das Schlosserhandwerk in der Familie Stohr. Manche Namen waren
so zahlreich vertreten, daß man, wie dies
heute noch auf den Dörfern der Fall ist, zur besseren Kennzeichnung die Familien mit Beinamen belegte. So unterschied man bei⸗ spielsweise die verschiedenen Familien Lam⸗ pus durch die Bezeichnungen:„Suppen⸗ oder Kochlampes, Sonnen⸗, Dissi⸗Scheuern⸗ und Schrittlampes“, die Schmidt durch: „Schlappohr⸗, Windischgrätz⸗, Kapital⸗ Schmidt“, die Becker:„Bombe“(Pumpen⸗), Hirsch⸗, Häutches⸗Becker. Diese Beinamen bezogen sich auf eine Eigenheit des Trä⸗ gers, auf die Art des Geschäftes oder einen sonstigen Umstand, den man bei einem anderen nicht antraf. Der alte Gießener besaß eine gewisse Virtuosität, seine Mit⸗ bürger mit einem Spitznamen zu belegen, der diesen gewissermaßen auf den Leib zu⸗ geschnitten war. Dabei machte es ihm wenig Sorgen, ob dem Betroffenen die Bezeich⸗
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der Spitznamen gehen bis zum Urgroßvater einige vielleicht noch weiter zurück. Sie haben durch ihr Alter eine gewisse Ehrwürdigkeit erlangt und den ursprünglichen Sinn des „Uzes“ und des„Schabernacks“ ganz ver⸗ loren. Es würde zu weit führen, die ver⸗ schiedenen Unnamen hier erschöpfend aufzu⸗ führen, aber einige sollen doch erwähnt wer⸗ den, um die damit Bezeichneten, von welchen der weitaus größte Teil schon längst unter dem grünen Rasen schlummert, den älteren Lesern in das Gedächtnis zurückzurufen. Vielleicht knüpft sich an den einen oder anderen eine Erinnerung. Da war der „eiserne Hoissemann“, das„Löffelblech“, die blecherne R.. nase“,„das Schinken⸗ maul“, die„Hechtschnut“, die„Bambel⸗ schnut“, die„lateinisch Bombel“, der, Rauh⸗ bart“, der„Bolwer“ der„Trompeter“, das„Aermelleibche“, der„Höflich“, der „Artlich“, der„Hamburger“, der„Wiener“, der„Donnerhagel“, die„Froibier“(Früh⸗ birne), der„Trauwelvogt“ der„Schepp⸗ backe“,„Palmer“,„Kappeschuster“,Schum⸗ merich“,„Depperer“, der„holde Ludwig“, das„Pomaddippche“, das„Schimmche“, der „Schnutenbalander“, das„Tapetche“, das „Trommelklöppelche“, der„Hees“, der „Matschelvogt“, der„Ochseseipp“, der „Weinmeyer“, der„Dielenwirth“, der „Lumpemeier“, das„Faddche“, das„Mon⸗ der Hondsding“, der„Hinkelsdaster“, das „Nudeldippe“ usw.
Diese Beinamen bezogen sich durchweg auf Bürger, die sich des besten Ansehens erfreuten. Aber auch unter den arbeits⸗ scheuen Elementen, die man mit dem nur in Gießen heimischen anmutigen Spitznamen „Schlammbeißer“ bezeichnete, befand sich ein Sortiment, das z. T. drastische Spitznamen führte, mit denen aber die Träger keines⸗ wegs einverstanden waren, und wenn sie ihnen von den Jungen(von welchen es natürlich keinen gab, dem diese Spitznamen unbekannt waren) nachgerufen wurden, dann fand unter Schimpfen und Drohen ein energischer Protest dagegen statt. Dies ge⸗ schah aber in der Regel nur dann, wenn einer der auf der Straße mit seinem Spitz⸗ namen Angerufenen die Paar Kreuzer Ge⸗ legenheitsverdienstes in Branntwein um⸗ gesetzt hatte und in der Stadt herum: fiel. Die Bemühungen, sich auf den Beinen zu halten, in Verbindung mit dem Bestre⸗ ben, keinen der Ausdrücke des reichhaltigen, nun zur Ausgabe gelangenden Schimpf⸗ wortlexikons zu vergessen, zeitigten nur das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung, und der Unfug, den die Dutzende von Jungen, die wie eine Meute ihr Opfer umschwärmten, mit diesem trieben, nahm erst ein Ende, wenn sich der Polizeidiener Vogel oder der Polizeidiener Erdmann des Gefoppten an⸗
nung recht war oder nicht. Man nannte ihn nahm und in das Hotel„zur vergitterten
eben so, und den Gießenern war der Be⸗ treffende unter dem Scherzuamen besser be⸗ kannt, wie unter dem richtigen. Manche
Aussicht“ in der„Bachgasse“ verbrachte, woselbst er in Ruhe seinen Rausch aus schlafen konnte.(Fortsetzung folgt.
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